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Stadtumbau
Obersprucke bleibt Abrisskulisse

Der Eschenweg (Foto), die Platanenstraße, die Hugo-Jentzsch-Straße, der Wendische Ring sowie die Ahornstraße im WK IV sind als Umstrukturierungsgebiete im Stadtentwicklungskonzept ausgewiesen. Konkrete Abrisspläne gibt es aber nicht. Über diese müssten die Stadtverordneten einzeln beschließen.
Der Eschenweg (Foto), die Platanenstraße, die Hugo-Jentzsch-Straße, der Wendische Ring sowie die Ahornstraße im WK IV sind als Umstrukturierungsgebiete im Stadtentwicklungskonzept ausgewiesen. Konkrete Abrisspläne gibt es aber nicht. Über diese müssten die Stadtverordneten einzeln beschließen. FOTO: S. Halpick
Guben. Wie der Stadtumbau in Guben weitergeht – darüber entscheiden die Stadtverordneten am kommenden Mittwoch. Als potenzielle Abrissgebiete sind auch weiterhin die Wohngebiete (WK) II und IV im Stadtumbaukonzept ausgewiesen. Silke Halpick

Mit seinem Vorschlag, zwei unterschiedliche Rückbau-Szenarien zuzulassen, konnte sich der CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Mischner allerdings nicht durchsetzen. Damit ist die Alternativvariante, die als Abrisskulisse ausschließlich das WK II vorsah, endgültig vom Tisch.

Stattdessen soll sich der Rückbau künftig entlang der Leonhard-Frank-, Goethe- und Gerhart-Hauptmann-Straße (alles WK II) sowie der Hugo-Jentzsch-Straße, Wendischer Ring, Platanen- und Ahornstraße sowie Eschenweg (alles WK IV) abspielen. Diese Straßen stehen als Umstrukturierunsgebiete fest. Allerdings steht noch längst nicht fest, welche Häuser abgerissen werden sollen. Der Rückbau soll künftig "sozial verträglich" sowie von außen nach innen und von oben nach unten erfolgen. Damit sind zum einen die Aufwertung der Altstadt-Ost und West und zum anderen die Stilllegung von oberen Stockwerken gemeint.

Prognosen zufolge werden bis zum Jahr 2030 insgesamt 2350 Wohnungen in Guben leer stehen. Das sind fast 1000 weniger als noch im Jahr 2014 befürchtet. Die Neißestadt profitiert derzeit vom verstärkten Zuzug polnischer Familien aus dem benachbarten Gubin, älterer Menschen aus dem Umland sowie Flüchtlingen. Allerdings reicht dieser Trend nicht aus, um den Abriss zu stoppen.

"Der flächenhafte Rückbau ist illusorisch", stellt Roland Fröhlich von der Brandenburgischen Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (B.B.S.M.) klar. Er verdeutlicht das am Beispiel Leonhard-Frank-Straße. Hier will die Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) vier Blöcke Ende nächsten Jahres abreißen. Gleich daneben stehen Wohnhäuser der Gubener Wohnungsbaugenossenschaft (GWG). "Die GWG wird nicht schneller abreißen", sagt Fröhlich. Egal, was das Stadtumbaukonzept vorsieht. Bei einem Wohnungsleerstand von nur acht Prozent besteht für das Unternehmen derzeit kein Handlungsbedarf.

Karl-Heinz Mischner ist enttäuscht, dass die Alternativvariante nun keinen Platz in der Stadtumbaustrategie hat. "Wir müssen uns doch noch nicht schon heute festlegen, welcher Variante wir in Zukunft den Vorrang geben wollen", begründet er.

"Wir haben am Stadtumbaukonzept mitgearbeitet", betont Thomas Gerstmeier vom GWG-Vorstand. Von ihm wird die Variante favorisiert, die den Abriss im WK II und IV vorsieht. Vor allem auch deshalb, weil die GWG interessiert daran sei, "einen möglichst großen Querschnitt an Wohnungsportfolios zu behalten". Im WK IV dominieren die P2-Wohnungen, im WK II der Typ Lübbenau.

"Klare Leitlinien, denen man über einen längeren Zeitraum folgen kann", fordert auch Guwo-Geschäftsführer Peter Wiepke. Sonst seien die Lenkungsmaßnahmen der vergangenen Jahre "sinnlos verbrauchtes Geld" und "wirtschaftlicher Unfug".

Zum Thema:
Mit mehr als 4800 Einwohnern ist die Altstadt-West der mit Abstand größte Stadtteil Gubens. Hier soll künftig auch der Schwerpunkt für die Aufwertung liegen. An zweiter Stelle folgt die Altstadt-Ost mit 2728 Einwohnern, danach der Wohnkomplex (WK) I mit 2524 Einwohnern. Seit 2003 sind fast 2700 Wohnungen in Guben abgerissen worden. Vorrangig betroffen davon waren Häuser der Guwo in den WK I, II und IV. Stillgelegt wurden bis Ende 2016 insgesamt 378 Wohnungen, vorrangig in oberen Stockwerken.