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| 01:27 Uhr

Oberförsterei Tauer setzt Alt- und Totholzkonzept für Tauersche Eiche um

Arne Barkhausen, Leiter der Oberförsterei Tauer, und Ute Steinberg, Chefin des Reviers Kleinsee, inmitten Tauerscher Eichen. Foto: Remus
Arne Barkhausen, Leiter der Oberförsterei Tauer, und Ute Steinberg, Chefin des Reviers Kleinsee, inmitten Tauerscher Eichen. Foto: Remus FOTO: Remus
Tauer. Ein Alt- und Totholzkonzept hat die Oberförsterei Tauer für die Tauerschen Eichen entwickelt. Das Konzept beinhaltet Holznutzung und Naturschutz auf derselben Fläche. Die Eichen sind wesentlicher Bestandteil des Naturschutzgebietes „Pinnower Läuche und Tauersche Eichen“. Von Barbara Remus

Gelb, goldfarben und braun leuchten im Licht der späten Oktobersonne die Eichenmischwälder im Forstrevier Kleinsee. Dessen Leiterin Ute Steinberg und den Leiter der Oberförsterei Tauer, Arne Barkhausen, führt die Autotour durch den Herbstwald zu einer ausgewählten und mit Plaketten gekennzeichneten Baumgruppe. Die Plaketten weisen die zwei Handvoll Traubeneichen als Methusalem-Bäume aus, benannt nach der biblischen Gestalt. “Methusalem-Bäume sind Eichen und andere Bäume, die einzeln stehen, sehr alt und irgendwann auch Totholz werden sollen.„ Fünf Bäume je Hektar werden für dieses schon vor einigen Jahren begonnene Projekt ausgewählt. Die Baumgruppe ist zudem Bestandteil des Alt- und Totholz-Projektes. “Dieses ist gewissermaßen die Krönung unseres Methusalem-Projektes„, merkt Arne Barkhausen an.

Alt, aber erhaltenswert

Er weist auf den grauen, zackigen Stamm einer bereits abgestorbenen Eiche. Sie ragt inmitten des gelbbraunen Laubes der lebenden Bäume in den Himmel. Ein weiterer grauer Stamm, schon deutlich vom Verfall gekennzeichnet, streckt sich ein paar Meter weiter quer über den modrig riechenden Waldboden. “Dieses Totholz wird nicht beräumt, egal, ob stehend oder liegend. Es ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung und die Sicherung der Artenvielfalt„, erklärt Barkhausen. Er hat recherchiert, dass sich in den hiesigen Wäldern etwa 11 000 Arten von Pilzen, Flechten, Moosen, Schnecken, Käfern, Vögeln und Säugetieren befinden. “Und die sind zu 20 bis 50 Prozent auf Totholz angewiesen. Deshalb streben wir an, dass im Bereich der Tauerschen Eichen je Hektar mindestens 20 Kubikmeter Totholz stehen oder liegen„, sagt der Oberförstereileiter. Stehendes Totholz (Habitatbäume) besitze zudem eine besondere artenschutzrechtliche Bedeutung. Es diene als Entwicklungsraum für seltene, Holz bewohnende Käferarten, zum Beispiel den Eremit. Und es stelle für viele andere Totholzbewohner, beispielsweise Spechte, wichtigen Lebensraum dar. “Schwarz- und Buntspechte sind häufig, aber auch Grün- und Mittelspechte haben wir hier„, sagt Ute Steinberg. Wiederhopf und Mauersegler nennt sie als weitere Beispiele für Vögel, die Höhlen in Alteichen für ihr Überleben brauchen.

Deshalb beinhaltet das Projekt Tauersche Eiche, je fünf Hektar Eichenfläche eine Habitatgruppe mit jeweils zehn Bäumen auszuweisen und diese von der Nutzung auszuschließen. Vorhandene Strukturen sollen dafür vorzugsweise genutzt werden. Doch das heißt, so macht Barkhausen deutlich, auch Eichengruppen unter 100 Jahren einzubeziehen.

Eine der 109-jährigen Tauerschen Eichen in der Habitat-Gruppe, auf die die beiden Forstleute verweisen, hat eine deutliche Stammwulst. “Ein Krebsgeschwür„, merkt der Oberförster an. Und eher schadhafte, zum Beispiel faulastige, knorrige Exemplare sind es auch, die, wie bei Methusalem-Bäumen, außer gesunden Bäumen vorrangig für ein künftiges Dasein als Alt- und Totholz auswählt werden. “Es ist schon hart, wenn ein Baum, der an die 0,6 Festmeter bestes Furnierholz bringen würde, stehen bleibt„, gesteht Ute Steinberg. In ihrem Revier sind es auf den rund 850 Hektar Landeswald insgesamt 580 Eichen, die als Habitat- oder Methusalem-Baum aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen wurden. 17 Hektar sind gar Totalreservat mit 350-jährigen Muttereichen, und die sterben bereits ab. “Traubeneichen werden aber bis zu 750 Jahre alt„, merkt Ute Steinberg an.

Wertvolles Holz

Die Tauerschen Eichen werden von ihrer Holzqualität her mit der Spessartseiche verglichen. Die wirtschaftliche Seite der Forst in den Tauerschen Eichen kommt jedoch auch zu ihrem Recht, denn: “Wir haben in Deutschland eine prognostizierte Holzlücke von 20 Millionen Kubikmetern in den kommenden zwei Jahrzehnten. Die Holznachfrage ist bereits jetzt deutlich gestiegen. Dem müssen auch wir Rechnung tragen - mit Holz aus unseren Wäldern„, sagt Arne Barkhausen. Er merkt noch an, dass etwa 200 Kubikmeter Holz einen Arbeitsplatz in der Holzindustrie sichern. Doch die Tauersche Eiche erfordere eine sensible, aber engagierte und auf hohem fachlichen Niveau stehende Bewirtschaftung. “Das heißt zum Beispiel, dass im Projektgebiet der Eichenanteil erhalten und, wo möglich, mit Saat aus der eigenen Sonderherkunft, den Muttereichen, vermehrt wird. Und Holzeinschlag wird generell außerhalb der Brutzeiten der Vögel, in der Regel zwischen 1. Oktober und 31. März, durchgeführt„, sagt der Leiter der Oberförsterei. Auch die Jagd auf Schalenwild könne zum Erhalt der Eichen beitragen. “Durch verminderten Verbiss der kleinen Naturverjüngungseichen kann unsere heimische Eiche sich selbst verjüngen. Wir müssen dann keine teuren Pflanzungen vornehmen„, so Barkhausen. Und starkes Eichenholz, das nicht dem Naturschutz unterliegt, werde in Einzelstämmen mit der Kettensäge geerntet.

Zum Thema:
Das Alt- und Totholzkonzept dient der Einhaltung des europäischen Rechts. Die Forstwirtschaft stellt das Waldgebiet auf Karten dar, erfasst und dokumentiert kontinuierlich den Totholzanteil. Der Revierleiter bestimmt und dokumentiert die Habitatgruppe. Um disese Gruppen ausweisen und erkennen zu können, werden Revierleiter und Waldarbeiter geschult.