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"Nur nicht den Helden spielen"

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Guben. Die Täter kamen in der Nacht zum Samstag. Zuerst hatte es geheißen, sie seien erst in der Folgenacht in ein Wohnhaus in der Frankfurter Straße eingestiegen. Daniel Schauff

Durch ein Fenster kamen sie in eine Wohnung eines Mehrfamilienhauses, ließen sich offenbar nicht dadurch aufhalten, dass die Bewohner in nächster Nähe gerade schliefen.

Weder Schadenhöhe noch Täter sind bislang bekannt, sagt Polizeisprecher Ralph Meier. Vermutlich, sagt er, seien die Schuldigen allerdings auf einem anderen Weg aus der Wohnung gelangt, als sie hineingekommen waren. Die Bewohner der Wohnung hätten erst am nächsten Morgen gemerkt, dass Geld und Schmuck fehlten und umgehend die Polizei verständigt.

Es passiert nicht oft, dass Einbrecher zuschlagen, während die Bewohner eines Hauses oder einer Wohnung anwesend sind, sagt Ralph Meier. Ein Einzelfall sei der Gubener Vorfall aber auch nicht.

"Nur nicht den Helden spielen", lautet der Tipp aus der Polizeidirektion, falls tatsächlich einmal ein Einbrecher im Haus ist. Der finanzielle Schaden, der bei einem Einbruch entsteht, könne man ersetzen, sagt Ralph Meier. Im Zweifel aber seien die Schäden, die man bei einer Konfrontation mit dem Einbrecher am eigenen Körper davonträgt, von Dauer. Allein das Einschalten des Nachtlichts im Schlafzimmer könne dazu führen, dass sich die Übeltäter wieder aus dem Staub machten, sagt Meier. Auch Lärm schlage Einbrecher oftmals in die Flucht.

Die goldene Regel: Ein Einbrecher will so wenig Aufsehen wie möglich verursachen. In der Regel gebe sich ein Täter höchstens drei Minuten Zeit, um in eine Wohnung oder ein Haus zu gelangen, erklärte Kati Prajs, Präventionsexpertin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße.

Jede Störung beim Einbruch würde die Täter in aller Regel zur Flucht bringen. Flüchten können die aber nur, wenn der Fluchtweg frei ist. Sich dem Einbrecher in den Weg zu stellen, kann gefährlich enden. Auch wenn die Täter keine Messer oder Schusswaffen bei sich tragen, allein Einbruchswerkzeuge wie Schraubenzieher oder -schlüssel könnten zu gefährlichen Waffen werden.

Die Polizei rät Betroffenen, nach Möglichkeit das Schlafzimmer nicht zu verlassen, die Tür zu verriegeln und die Polizei zu verständigen. Ein Telefon im Schlafzimmer sei insofern sinnvoll.

Die eigene Sicherheit ist auch Regel Nummer eins, wenn Betroffene bei der Heimkehr bemerken, dass sich Fremde in Haus oder Wohnung aufhalten. Die Geschädigten sollen auf jeden Fall vor der Haustür und an einem sicheren Ort bleiben, von dem sie das Haus beobachten können, rät die Brandenburger Polizei auf ihrer Internetseite. Die Polizei solle sofort verständigt werden, die Geschädigten sollen auf das Eintreffen der Beamten warten. Selbst wenn die Täter bereits fort sind, rät die Polizei davon ab, das eigene Zuhause vor den Beamten zu betreten, damit mögliche Spuren nicht zerstört werden.

Die Aussicht allerdings, Einbrecher tatsächlich zu fassen, sofern sie den Tatort bereits verlassen haben, ist nur klein. Das zeigt die Aufklärungsquote bei Diebstahl im Landkreis. Nur rund 20 Prozent der Delikte werden in Forst und Spremberg aufgeklärt, in Guben sind es rund 25 Prozent. Der Grund: Die meisten Täter hinterließen kaum Spuren, wie Tino Glaser, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, erst kürzlich vor den Gubener Stadtverordneten erklärte. Allein deshalb sei ausreichende Einbruchsprävention die einzige wirklich wirkungsvolle Absicherung.

Tipps zum Einbruchsschutz gibt unter anderen auch die Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße (Telefon: 0355 49371224 oder im Internet unter

polizei.brandenburg.de

Zum Thema:
29 Wohnungseinbrüche, davon zehn am Tag, hat die Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße 2016 in Guben gezählt, im gesamten Landkreis und Cottbus waren es 299 und somit deutlich mehr als in den beiden Jahren zuvor (2015: 239, 2014: 246). Dazu kommen Diebstähle aus Bungalows, Gärten und Kellern - allein in Guben registrierte die Polizei 2016 insgesamt 273 Diebstahldelikte, im gesamten Landkreis und Cottbus 2513 Fälle. Nur 12,5 Prozent davon konnten den Zahlen zufolge aufgeklärt werden.