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| 02:36 Uhr

Nicht schön, aber notwendig

Martin Reiher und Peter Wiepke (v.l.) kennen die Nöte der Mieter in den Abrissblöcken in der Leonhard-Frank-Straße. Der Rückbau ist aber alternativlos, sagen sie. So sehe es das Stadtumbaukonzept vor. Damit die Guwo wirtschaftlich bleibt, muss der Leerstand auf ein Minimum sinken.
Martin Reiher und Peter Wiepke (v.l.) kennen die Nöte der Mieter in den Abrissblöcken in der Leonhard-Frank-Straße. Der Rückbau ist aber alternativlos, sagen sie. So sehe es das Stadtumbaukonzept vor. Damit die Guwo wirtschaftlich bleibt, muss der Leerstand auf ein Minimum sinken. FOTO: dsf
Guben. "Wir können nicht einfach Häuser abreißen", sagt Martin Reiher, Geschäftsführer der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo). Eine ganze Menge Voraussetzungen müssten geschaffen werden, darunter die Zusage von Fördermitteln für den Abriss und ein Stadtverordnetenbeschluss. Daniel Schauff

Die Guwo steckt gerade mittendrin, die Voraussetzungen für den Abriss von vier Wohnblöcken in der Leonhard-Frank-Straße zu schaffen. Dass sie dem Stadtumbau zum Opfer fallen werden, scheint unumgänglich. 2018 und 2019 sollen die Häuser verschwinden, Mitte dieses Jahres will die Guwo mit der sogenannten Freilenkung beginnen. Das heißt: Die Mieter müssen raus. Darüber hat die Guwo die Betroffenen im Sommer 2016 in Kenntnis gesetzt. Denjenigen, die sich bereits kurzfristig nach einer neuen Wohnung umsehen wollten, versprach die Guwo 2000 Euro für den Umzug innerhalb der Neustadt, 3000 Euro für einen Umzug in die Altstadt. Die Wohnblöcke, die die Guwo dort bewirtschaftet, gehören zum Kerngebiet Gubens und fallen nicht in die Gubener Stadtumbauplanung. Das Ziel von Stadt und Guwo ist deutlich: Im Kerngebiet soll ein möglichst niedriger Leerstand erreicht werden. Nur so, sagt Guwo-Chef Peter Wiepke, könne das Unternehmen auch in Zukunft wirtschaftlich bleiben. Steigt der Leerstand, steigen auch die Kosten für die einzelnen Mieter, erklärt Wiepke. Mit der Hälfte der betroffenen Mieter - 93 Mietparteien sind es in der Leonhard-Frank-Straße - stehe die Guwo nach dem ersten Schreiben bereits in Kontakt, rund ein Viertel der Bewohner der Abrissblöcke habe bereits eine neue Wohnung gefunden, sagt Martin Reiher.

Bei einem Teil der Mieter jedoch sorgte das Informationsschreiben der Guwo für Wirbel, der unter anderem zu einer Petition gegen den Abriss der Blöcke geführt hat. Die Guwo könne keine gleichwertigen Wohnungen anbieten, heißt es vonseiten der Mieter. Sie treibe ihre Kunden in die "Arme der Gubener Wohnungsbaugenossenschaft (GWG)", deren Blöcke vorerst vom Stadtumbau verschont bleiben. Die Guwo habe absichtlich für den Leerstand in der Leonhard-Frank-Straße gesorgt, um die Blöcke zum Abriss freigeben zu können.

Tatsächlich, sagt Wiepke, seien leer stehende Wohnungen in den Blöcken seit einigen Jahren nicht mehr vermietet worden. Das Ziel der Guwo sei es gewesen, den Leerstand in Blöcken im Kerngebiet Gubens zu verringern und Wohnungssuchende dorthin zu lenken. Es sei richtig, dass sich einige Mieter, deren Wohnung vor dem Abriss steht, nach GWG-Wohnungen umsähen, so der Geschäftsführer. Dass es für die Betroffenen in Guben keine gleichwertigen Alternativwohnungen bei der Guwo gebe, will Wiepke so nicht stehenlassen. Bis zum Beginn der tatsächlichen Freilenkung dauere es noch rund ein halbes Jahr, bis die Mieter ihre Wohnungen tatsächlich verlassen müssen, noch mindestens ein weiteres. Bis dahin könne man die Betroffenen in gleichwertigen Wohnungen außerhalb der Abrisskulisse unterbringen. Mit dem Schreiben an die Mieter im Sommer habe man beabsichtigt, die Betroffenen als erste zu informieren - vor allen anderen, sodass sie ausreichend Zeit haben, sich neu zu orientieren. "Dass die Menschen betroffen sind, ist verständlich", sagt Martin Reiher. Der Abriss der vier Blöcke komme aber nicht aus dem Nichts. Reiher verweist auf öffentliche Gespräche mit Betroffenen, das Stadtumbaukonzept wurde bereits 2014 unter anderem auch in der RUNDSCHAU öffentlich.

Dennoch will die Guwo Ende März noch einmal mit den Betroffenen zusammenkommen, kündigt Wiepke an. Klar sei jedoch schon jetzt: Am Plan des Abrisses wird sich auch nach der Diskussion mit den Bewohnern nichts ändern, individuelle Lösungen für einzelne Mieter ließen sich zudem im direkten Gespräch einfacher finden, als in einer großen Diskussion. Trotzdem hoffen Wiepke und Reiher, im offenen Gespräch mit den Betroffenen einige Fragen aus der Welt schaffen zu können. Auch wenn der Stadtumbau und damit der Abriss von Wohnblöcken alternativlos bleibt, wie es der amtierende Bürgermeister Fred Mahro im jüngsten Hauptausschuss deutlich gemacht hat.