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| 02:35 Uhr

Neutrino-Jagd am Südpol

Emanuel Jacobi berichtet über ein Experiment am Südpol.
Emanuel Jacobi berichtet über ein Experiment am Südpol. FOTO: S. Halpick
Guben. Als die spannendste Zeit seines Lebens bezeichnet der Physiker Emanuel Jacobi sein Jahr am Südpol. Er gehörte zum internationalen Forscherteam, das 2013 erstmals 28 hochenergetische Neutrinos nachweisen konnte. Silke Halpick

Für die Fachwelt war das eine Sensation. Mehr als 30 Schüler, Lehrer und Gäste lauschten seinem Vortrag am Donnerstagabend im Pestalozzi-Gymnasium.

"Das ist doch total spannend: Haben Neutrinos nun Masse oder nicht?", sagt ein älterer Herr. Immer wieder muss er beim Aufstieg in die Aula stehen bleiben und verschnaufen. Physik interessiere ihn, auf den Vortrag sei er sehr gespannt.

"Unvorstellbar leicht" seien Neutrinos, sagt Jacobi. Da sie fast unbehindert durch den Weltraum wandern, sind sie auch schwer aufzuspüren. Bereits seit 1930 sucht die Wissenschaft nach ihnen. Schon damals vermutete der österreichische Wissenschaftler und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli, dass es diese Geisterteilchen gibt.

Mithilfe von rund 5000 hochempfindlichen Lichtsensoren, die am Südpol auf einer Eisfläche von einem Kubikkilometer eingefroren wurden, gelang nun der Nachweis von 28 Neutrinos mit einer Energie von mehr als 50 Teraelektronenvolt. "Die Ersten beiden haben wir Ernie und Bert genannt", erzählt Jacobi. Neutrinos entstehen unter anderem im Innern der Sonne und bei Sternexplosionen. Sie liefern den Wissenschaftlern wichtige Informationen aus weit entfernten Teilen des Universums.

Interessant für die Schüler waren aber auch die Arbeitsbedingungen am Südpol: Im Winter geht die Sonne hier nie auf, im Sommer nie unter. Die Temperaturen liegen zwischen minus 25 und minus 80 Grad Celsius. 13 Monate lang war Jacobi am Südpol. Heute arbeitet er beim Deutschen Elektronen-Synchrotron in Zeuthen, einem Forschungszentrum für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung.