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Neue Ausschreibung zu geänderten Konditionen
Neustart für Gubens Fabrik?

Auch die Band High South stand schon auf der Bühne in der Gubener Fabrik.
Auch die Band High South stand schon auf der Bühne in der Gubener Fabrik. FOTO: daniel schauff
Guben. Hinter verschlossenen Türen wird derzeit heftig um die Zukunft der Gubener Fabrik gestritten. Die Stadt lehnt jede Aussage dazu ab. Silke Halpick

Nach RUNDSCHAU-Informationen wird es womöglich eine ganz neue Ausschreibung zu geänderten Konditionen geben.

Im Juli 2017 hatte die Stadt die drei Bereiche Jugend-, Kulturarbeit und Gastronomie sowie Hausmeisterdienste am Objekt in der Gubener Mittelstraße ausgeschrieben. Allerdings nur im Gesamtpaket und im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens. Damit geht die Stadt keine Verpflichtung ein, die Leistungen im Anschluss vergeben zu müssen.

Nach RUNDSCHAU-Informationen hat sich auch nur ein einziger Interessent gefunden: der Fabrikverein, der als aktueller Betreiber die Ausschreibungsbedingungen erfüllen kann. Allerdings soll sein Angebot über den Vorstellungen der Stadt liegen, wie es aus gut informierten Kreisen heißt. Der Verein kritisiert ohnehin seit Langem, dass der Zuschuss, den Guben für die Kulturarbeit zahlt, nicht ausreiche. Im Vorjahr lief ein Defizit von 14 000 Euro auf.

Andere Interessenten kamen nicht zum Zug. "Wir konnten das Gesamtpaket nicht bedienen", sagt Dirk Kordt. Der Veranstalter ist vielen Gubenern durch Discos im Volkshaus und im Jugendclub Comet bekannt. Auch er ist interessiert - allerdings nur an der Kultur und Gastronomie. "Pädagogische Erfahrung haben wir keine und auch keine Referenzen für die Jugendarbeit", betont er.

Die Ausschreibung, wie sie erfolgt ist, gefällt offenbar auch vielen Abgeordneten nicht. Im Rahmen der nicht-öffentlichen Sondersitzung des Sozial- und Hauptausschusses ist die Beschlussvorlage der Verwaltung nach RUNDSCHAU-Informationen nochmals abgeändert worden. Die Ausschreibung muss jetzt wiederholt und die Leistungen einzeln ausgewiesen werden. Der Vertrag mit dem Fabrikverein soll aber vorerst verlängert werden, um mehr Zeit für die Neuordnung zu gewinnen.

Die Stadtverwaltung will sich zu diesem Thema überhaupt nicht äußern. Weil es "sich bei dem besagten Interessenbekundungsverfahren um ein noch laufendes Vergabeverfahren handelt, ist es nicht-öffentlich zu behandeln", betont Pressesprecher Bernhard Schulz.

Die Fraktionen haben sehr unterschiedliche Auffassungen. "Wir können nicht Zuschüsse ohne Ende zahlen", sagt Christiane Fritzschka (CDU). Sie will die Kulturarbeit auf "stabile Füße" stellen. Für eine Einzelausschreibung der Teilbereiche macht sich Frank Kramer ("Wir Gubener Bürger") stark. Eine Alternative sei ein Eigenbetrieb nach dem Vorbild des Cottbuser Gladhouse, sagt er.

Einen Eigenbetrieb lehnt wiederum Christiane Fritzschka ab. "Die Stadt muss nicht das machen, was ein freier Träger viel besser kann", begründet sie. Sie verweist auf den Städtischen Bauhof, dessen Eigenbetrieb wurde 2016 aufgelöst.

Monika Birkholz (FDP) betont, dass "der Gaststättenbetrieb nicht Aufgabe der Stadt" sein könne und plädiert ebenfalls für eine Aufschlüsselung der Teilbereiche.

Für den Erhalt des Fabrikvereins als wichtiger Bestandteil der Kulturarbeit in Guben sprechen sich hingegen die Linken aus. Es könne nicht immer nur bei der Jugend und beim Nachwuchs gekürzt werden, kritisiert Gerhard Lehmann. Notfalls müsse dafür zusätzliches Geld im Haushalt eingestellt werden, fordert er.

Zum Thema:
Das Jugend- und Begegnungszentrum in der Mittelstraße, besser als Fabrik bekannt, war im Jahr 1930 die Produktionsstätte der Goldleisten-Fabrik Aders-Blumberg. Nach dem Zweiten Krieg wurde das dreigeschossige Gebäude als Lehr- und Ausbildungsstätte genutzt. Seit den 1990er-Jahren sind in dem Komplex ganz verschiedene Vereine beheimatet. Im Jahr 2005 wurde das Haus mit Fördermitteln umfassend saniert. Die Zweckbindungsfrist für den Zuschuss läuft erst im Juni 2020 aus.