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| 12:18 Uhr

Neujahrsempfang der Städte Guben und Gubin
Amüsant und nachdenklich

 Eine ganze Tüte voll Guben und Gubin - nicht nur auf den Stühlen in der Alten Färberei. Das Programm: bunt, nachdenklich, amüsant und ein klein wenig eilig.
Eine ganze Tüte voll Guben und Gubin - nicht nur auf den Stühlen in der Alten Färberei. Das Programm: bunt, nachdenklich, amüsant und ein klein wenig eilig. FOTO: LR / Daniel Schauff
Guben/Gubin. Guben und Gubin sind am Freitagabend ganz offiziell gemeinsam ins neue Jahr gestartet. Von Daniel Schauff

Neujahrsempfänge haben Tradition – in vielen Kommunen. Dass Guben und Gubin allerdings gemeinsam das neue Jahr willkommen heißen, ist etwas besonderes. Der Veranstaltung tut das keinen Abbruch – im Gegenteil. Am Freitag gab es gleich eine ganze Reihe von Höhepunkten für die rund 180 geladenen Gäste.

Der Knall – Erschrecken Sie nicht, warnt Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) zu Beginn der Veranstaltung. Die startet standesgemäß mit einem Salutschuss. „Draußen hört es sich wesentlich lauter an“, sagt Mahro nach einem dumpfen, leisen Donnerschlag. Dass der Salutschuss in der Tat wesentlich lauter ist, können die Gäste am Ende des offiziellen Teils an den eigenen Ohren erfahren. Dann nämlich geht es vor die Tür.

Die Eile – Er hoffe, dass man im Zeitrahmen bleibe, sagt Mahro gleich zu Beginn der Veranstaltung. Zwei Stunden sind eingeplant, damit würden die Gäste noch das Handballspiel der Deutschen gegen die Norweger schaffen. Für Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne (CDU) ein Pflichttermin, schließlich spiele er auch Handball. Für die polnischen Gäste wohl eher kein solcher Pflichttermin. Beim letzten Spiel der polnischen Handballer gegen Deutschland ging 35 zu 23 für die Deutschen aus.

Das Geschenk – Traditionell gibt es beim Empfang Mitbringsel der Laatzener Delegation. Dieses Jahr sorgt eins davon für den größten Lacher des Abends – eine Flasche Sherry. Das Besondere: Die ist mit einem Vorhängeschloss gesichert, der Schlüssel geht zurück ins Laatzener Rathaus – damit die Flasche auch gemeinsam geleert werde. Mahro aber wüsste sich zu helfen – schließlich gebe es einen bekannten Schlüsselnotdienst in Guben. „Wir kriegen die Flasche auch ohne Schlüssel auf“, versichert Mahro, schiebt aber nach, dass sich er und sein Gubiner Kollege Bartlomiej Bartczak dann doch lieber gedulden werden bis zum nächsten Besuch in der Partnerstadt.

Die Geehrten – Gubins Bürgermeister Bartlomiej Bartczak ehrt beim Neujahrsempfang Harald Wiedei, Geschäftsführer der Kranbaufirma Tekra in Gubin. Er hat – gemeinsam mit seinen Kollegen, wie Wiedei selbst betont – in der polnischen Neißestadt die Tochter eines Leverkusener Unternehmens aufgebaut. Eine gute Entscheidung, sagt er. Guben hat zum Neujahrsempfang die Landwirte in seiner Gemarkung eingeladen. Landwirtschaft, sagt Mahro, sei ein „identitätsstiftendes Kulturgut“, Landwirte würden aber immer mehr zu „Antragswirten“ aufgrund der strengen Vorgaben und dem dichten Behördendickicht. Geladen sind auch fünf Ersthelfer, die nach der Explosion eines Wohnhauses in der Kaltenborner Straße im Juni 2018 ihre eigene Gesundheit hinter die der Betroffenen gestellt hatten. Weitere Ehrungen gibt es für Robert Bednarek, Betriebsleiter im Gubener Logistikzentrum der polnischen Grupa Azoty stellvertretend für die Arbeitgeber in der Stadt. Mahro: „Danke für Ihr Engagement, und natürlich auch für die Gewerbesteuer.“ Jungmeister und Inhaber silberner und goldener Meisterbriefe sind unter den Gästen, Jens-Uwe Kellberg, noch Ortsvorsteher in Groß Breesen und bei der nächsten Wahl nicht mehr im Rennen, wird stellvertretend für alle Gubener Ortsbürgermeister geehrt. Ebenso Rico Nowka, Stadtwehrführer bei der Feuerwehr, Horst Kühne für sein Engagement im Seniorenbeirat und der mittlerweile pensionierte Fahrlehrer Wolfgang Thiem.

Die Musik – Die glorreichen Sieben, Schüler der Musikschule Johann Crüger in Guben, spielen Pop statt schwere Klassik und bringen unter anderem mit dem James Bond-Song „Skyfall“ und den Petula Clark-Klassiker „Downtown“ auf die Bühne der Alten Färberei – Applaus. Eine große Überraschung ist am Freitag die Gewinnerin des Deutsch-Polnischen Talentwettbewerbs beim Frühlingsfest. Karolina Gralak sing sich mit zwei Songs in die Köpfe und Herzen der Gäste. Die härteste Jury, sagt Mahro, gebe es in Guben und Gubin. Da sei kein Dieter Bohlen nötig.

Ein politischer Moment – Auch wenn es in den vergangenen Wochen gleich zweimal eine „Eskalation der Gewalt“ im Gubener Asylbewerberheim gegeben habe – Asyl sei ein Grundrecht, betont Mahro. In Niedersachen gebe es einen Migrationsfonds, sagt er, aus dem die Kommunen unterstützt würden. „Gibt es so etwas eigentlich auch in Brandenburg“, fragt der Rathauschef. Einen Vertreter der Landesregierung könne er ja leider nicht fragen – aus Potsdam habe leider keiner den Weg nach Guben zum Neujahrsempfang gefunden.