| 18:51 Uhr

Neuer Mann am Pinnower See

Der Wasserverlust am Pinnower See bereitet Uwe Kruschel Sorgen. Er ist der neue Pächter des Campingplatzes am See.
Der Wasserverlust am Pinnower See bereitet Uwe Kruschel Sorgen. Er ist der neue Pächter des Campingplatzes am See. FOTO: Silke Halpick
Pinnow. "Den FFK-Strand habe ich als Erstes abgeschafft", sagt Uwe Kruschel. Damit hat sich der neue Pächter des Campingplatzes am Pinnower See (Gemeinde Schenkendöbern) erst einmal keine Freunde gemacht. Silke Halpick

Doch die Welle der Empörung scheint an ihm abzuprallen. "Ich kann niemanden verbieten, nackt zu baden", erklärt er. Ein Extra-Bereich nur für diese Klientel übersteige jedoch die Platzkapazitäten.

Der Schenkendöberner Bauunternehmer startet in seine erste Saison am Pinnower See. Den Pachtvertrag für das 1,4 Hektar große Areal hat Kruschel bereits Anfang des Jahres unterschrieben. Die Laufzeit liegt zunächst bei drei Jahren. "Ich muss erst sehen, ob es funktioniert", begründet er. Erst im zweiten Anlauf ist es der Gemeinde Schenkendöbern überhaupt gelungen, einen Interessenten für den in die Jahre gekommenen Campingplatz zu finden.

"Viele haben mich für verrückt erklärt", erzählt Kruschel schmunzelnd. Doch die Zukunft des Pinnower Sees liegt dem stellvertretenden Kreisgewässerwart des Landesangelverbandes offenbar so sehr am Herzen, dass er einen möglichen Verkauf des Campingplatzes an einen auswärtigen Investor nicht riskieren wollte. Nun ist er verantwortlich für den Platz, der für 75 Dauercamper reicht, derzeit aber nur von 38 belegt ist. Wirtschaftlich wären 60, sagt Kruschel.

Doch der Bauunternehmer ist ein Mann der Tat und hat bereits einen Plan, wie das Areal für Touristen attraktiver werden könnte. Umgebaut wird aktuell die ehemalige Fahrradverleihstation. Hier wird demnächst ein Frühstücksraum für Camper eröffnen. Aus dem ehemaligen Imbiss gleich nebenan soll ein kleines Steakhaus werden. Dort will der Chef dann selbst am Herd stehen. "Kochen, das wäre ist auch noch so ein Traum von mir", sagt Kruschel. Doch noch ist die Hütte in einem desolaten Zustand.

"Immer der Reihe nach" will der 54-Jährige die "vielen Baustellen" auf dem Campingplatz angehen. Schon fest eingeplant sind die Renovierung des Gäste-Bungalows sowie das Aufstellen zusätzlicher Blockhäuser für Übernachtungsgäste. Zunächst soll aber die alte Wellblechhütte, die einst eine Kegelbahn beherbergte und nun nur noch den Blick auf den See behindert, abgerissen werden. Noch Zukunftsmusik ist ein jährliches Event am Strand sowie der Ausbau der Strandbühne.

Sorgen bereitet dem neuen Pächter allerdings der Zustand des Pinnower Sees. "Der Wasserstand ist in den vergangenen Jahren um rund zwei Meter gefallen", sagt er. Über die Ursachen wird in der Gemeinde Schenkendöbern heftig spekuliert. Laut einem Gutachten aus dem vergangenen Jahr sinkt der Wasserspiegel aufgrund klimatischer Veränderungen, des höheren Wasserverbrauchs und des geringeren unterirdischen Zuflusses.

"Auch die Taucher sagen, dass die Quellen des Pinnower Sees versiegt sind", erzählt Kruschel. Trotzdem ist der stellvertretende Kreisgewässerwart gegen eine zusätzliche Wassereinleitung, weil dadurch auch das sensible Seebiotop gestört werden könnte. Er verweist auf den Pastlingsee, "der aus angeltechnischer Sicht nicht mehr zu retten ist".

Zum Thema:
Der Pinnower See ist 54 Hektar groß und ein Stillgewässer. Mit einer maximalen Tiefe von elf Meter ist er ein Flachsee, der während der Eiszeit entstanden ist. "Die Wasserqualität ist gut", sagt Uwe Kruschel. Hier leben zahlreiche Fischarten wie Wels, Aal, Hecht und sogar Großkarpfen mit einer Länge von einem Meter.Auch andere Seen der Region verlieren immer mehr Wasser. Dazu gehören der Groß- und der Kleinsee. Bekanntestes Beispiel ist der Pastlingsee, der im Sommer 2015 vor dem Kollaps stand. Ob der Tagebau Jänschwalde schuld daran ist, ist unklar. Die Ergebnisse eines Gutachtens sind noch nicht veröffentlicht.