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Neuer Hausarzt für Guben in Sicht

Der Hausarzt kann einem Patienten bei der Terminvereinbarung für einen Facharzt helfen. Foto: Jens Büttner
Der Hausarzt kann einem Patienten bei der Terminvereinbarung für einen Facharzt helfen. Foto: Jens Büttner
Guben. Gute Nachricht für alle Gubener: Die Neißestadt soll ab Sommer einen neuen Hausarzt bekommen. Das kündigt die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) an. Trotz des Zuwachses bleibt die Ärztesituation in der Region jedoch weiter angespannt. Silke Halpick

"Wir sind sehr zuversichtlich", betont Christian Wehry, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, am gestrigen Donnerstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses hatte er den neuen Hausarzt bereits in Aussicht gestellt. Seitdem sind drei Wochen vergangen. Der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet, räumt er jetzt ein. Allerdings verlaufen die Gespräche - auch mit den Ärzten vor Ort - seinen Angaben zufolge sehr erfolgversprechend.

Laut Plan soll eine junge Medizinerin mit Wohnsitz in Guben ab dem Sommer als neue Hausärztin in der Neißestadt praktizieren. Noch nicht ganz klar ist allerdings, ob sie unter dem Dach des KV-Regio-Med-Zentrums oder in einer eigenen Praxis arbeiten wird.

"Grundsätzlich fördert die Kassenärztliche Vereinigung die Freiberuflichkeit", stellt der Pressesprecher klar. Von den niedergelassenen Ärzten wird die Körperschaft des öffentlichen Rechts auch finanziert. "Mediziner in ländliche Regionen zu locken, ist aber nicht so einfach", betont Wehry. Zum Ende des vergangenen Jahres hatten beispielsweise zwei Hausärzte sowie ein Nervenarzt ihre Praxen in Guben geschlossen. Bislang konnte nur für einen der drei ein Nachfolger gefunden werden.

Um Mediziner aufs Land zu ziehen, setzen die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen mittlerweise sogar auf finanzielle Anreize. Bis zu 50 000 Euro Zuschuss gibt es für Ärzte, die sich in einem unterversorgtem oder von Unterversorgung bedrohtem Gebiet in Brandenburg mit einer eigenen Praxis niederlassen.

Von Unterversorgung bedroht ist auch der Mittelbereich Guben. 17 Allgemeinmediziner versorgen hier 32 442 Patienten. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 81,6 Prozent (Stand: 31. Januar 2015). Zum Vergleich: Im Mittelbereich Spremberg liegt der Vorsorgungsgrad bei den Hausärzten bei 87,2 Prozent, in Forst bei 97,2 Prozent. Cottbus gilt mit seinen 113,4 Prozent hingegen als "überversorgt". Das heißt: Das Gebiet ist für weitere Zulassungen gesperrt.

"Doch das Geld allein macht es nicht", betont Wehry. Gerade die jüngere Mediziner-Generation wähle ganz bewusst zwischen den einzelnen Angeboten das beste für sich heraus. "Es ist eine große Herausforderung, offene Stellen nachzubesetzen", erklärt auch Karin Rettkowski, Niederlassungsberaterin bei der KVBB. Das gelte zumindest für die Berlin-fernen Regionen.

Als gute "Startvariante" bezeichnet Wehry deshalb das Modell des KV Regio-Med-Zentrums. Hier sind die niedergelassenen Ärzte Angestellte der Kassenärztlichen Vereinigung. Das finanzielle Risiko einer eigenen Praxis entfällt für sie. "Vielleicht wagt der Arzt in drei, fünf oder auch in acht Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit", sagt der Pressesprecher.

Seit knapp zwei Jahren gibt es das KV-Regio-Med-Zentrum in der Neißestadt. Angesiedelt ist es am Naemi-Wilke-Stift. Hier praktizieren bereits ein Haus- sowie ein HNO-Arzt.

Zum Thema:
Im Land Brandenburg kommen auf einen Hausarzt im Durchschnitt 1616 Einwohner, im Landkeis Spree-Neiße sind es 1839 Menschen. Rund 27,7 Prozent der Allgemeinmediziner in Spree-Neiße sind bereits älter als 60 Jahre. Im Mittelbereich Guben gibt es: 17 Allgemeinmediziner, zwei Augenärzte, zwei Chirurgen, zwei Frauenärzte, drei HNO-Ärzte, einen Hautarzt, zwei Kinderärzte, einen Nervenarzt, drei Orthopäden und einen Urologen. Davon sind ein Augen- sowie ein Frauenarzt bereits älter als 60 Jahre. Der Mittelbereich Guben umfasst neben der Neißestadt auch die Gemeinde Schenkendöbern sowie Peitz, Jänschwalde und Turnow.