| 18:26 Uhr

Neuer Braunkohleplan gefordert

Schenkendöbern. Eine Änderung des Braunkohleplans samt strategischer Umweltprüfung für den Tagebau Jänschwalde fordert die Gemeindevertretung in Schenkendöbern. Hintergrund ist das neue Drei-Seen-Konzept der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) für die Bergbaufolgelandschaft. Silke Halpick

Geprüft werden sollen die Auswirkungen der Grundwasserabsenkung auf die Seen und FFH-Gebiete der Region. "Das hat die Gemeinde schon seit Langem forciert", erklärt Steffen Krautz (SPD) auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Für den Vorsitzenden des Umweltausschusses ist dabei besonders interessant herauszufinden, wie weit der Einfluss des Tagesbaus tatsächlich geht. "Neben dem Grundwasser ist das beispielsweise auch der Niederschlag, der fällt oder nicht fällt", sagt Krautz.

Im März 2017 hatte die Leag als Vattenfall-Nachfolger ein neues Konzept für die Bergbaufolgelandschaft auf dem Gebiet des heutigen Tagebaus Jänschwalde vorgestellt, der bis 2023 ausgekohlt ist. Statt eines großen Taubendorfer Sees sollen nun drei kleinere Restseen bei Taubendorf, Jänschwalde und Heinersbrück mit unterschiedlichen Wasserspiegelhöhen entstehen.

Begründet wurde die Anpassung mit der "hydrologischen Situation" vor Ort. Die "vorbergbauliche Hauptwasserscheide" zwischen Spree und Neiße müsse wiederhergestellt werden, damit sich ein selbst regulierender Wasserhaushalt nach dem Bergbau entwickeln könne, erklärte die Leag damals. Anderenfalls bestehe die Gefahr, dass das Gebiet westlich des Tagebaus Jänschwalde dauerhaft entwässert werde.

Die Änderung hat die Leag bereits der zuständigen Landesplanungsbehörde mitgeteilt, die das Konzept in einem so genannten "Zielabweichungsverfahren" umsetzen will.

Das reicht den Schenkendöbernern jedoch nicht aus. "Aus Sicht der Gemeindevertretung ist bei einer so erheblichen Zieländerung auch eine Änderung des Braunkohleplans erforderlich", begründet Andreas Stahlberg von der Gemeindeverwaltung. Damit verbunden ist eine strategische Umweltprüfung. Der Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) wurde nun beauftragt, diese Position der Gemeinde schon vor einer offiziellen Anhörung gegenüber der Landesplanungsbehörde sowie den Mitgliedern der gemeinsamen Landesplanungskonferenz deutlich zu machen.

Schon jetzt beeinflusst der Tagebau Jänschwalde in seinen aktuellen Ausmaßen die Seen und FFH-Gebiete auf dem Gebiet der Gemeinde Schenkendöbern, heißt es in der Begründung der Abgeordneten. Als bekanntestes Beispiel wird der Pastlingsee angeführt, der seit Jahren dramatisch an Wasser verliert. Selbst das Umweltministerium sieht dabei einen Zusammenhang zur Grundwasserabsenkung durch den Tagebau. Auch bei weiteren Gewässern könne dies aus Sicht der Abgeordneten nicht völlig ausgeschlossen werden.

Für die Zukunft rechnet die Gemeinde sogar noch mit einer Zuspitzung der Situation. Der Tagebau Jänschwalde zieht in Richtung Norden, verbunden damit sind weitere Grundwasserabsenkungen. Doch noch mehr Versickerungsverluste nach dem ohnehin schon problematischen Rückgang des Seewasserspiegels in den vergangenen Jahren könne der Pinnower See nicht mehr verkraften. "Dem muss unbedingt vorgebaut werden", heißt es in dem Beschlusstext. Der Pinnower See ist ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Leag-Pressesprecherin Kathi Gerstner verweist hingegen auf die vorliegenden Genehmigungen für die Kohlegewinnung im Tagebau Jänschwalde bis zum Jahr 2023. Daran schließe sich die Wiedernutzbarmachung der Bergbaufolgelandschaft entsprechend der rechtlichen Bestimmungen an. Am Abschlussbetriebsplan und möglicherweise weiteren Planfeststellungsverfahren für das Drei-Seen-Konzept seien auch die betroffenen Gemeinden beteiligt, erklärt sie.

Zum Thema:
Das neue Revierkonzept der Leag sowie das Drei-Seen-Konzept für den Tagebau Jänschwalde sind Schwerpunktthemen auf der nächsten Sitzung des Landwirtschafts- und Umweltschutzausschusses des Kreistages am kommenden Montag, ab 17 Uhr, im Kreishaus in Forst.Der Umweltverband Grüne Liga fordert in einem Rundbrief, dass die nördliche Abbaugrenze des Tagebaus Jänschwalde überprüft und die Kohlegrube früher gestoppt werden müsse, um weitere Schäden für den Wasserhaushalt der Region zu vermeiden.