"Das war einfach nötig", fasst es der neue Chefredakteur der Gubiner Wochenzeitschrift "Fakty z Gubina" zu deutsch "Fakten aus Gubin" zusammen. Seit wenigen Wochen sitzt Marcin Zajaczkowski in seinem kleinen Büro an der ul. Obronców Pokoju, schräg gegenüber des Gubiner Marktes. Die Wände sind lachsrosa und mintgrün. Die Einrichtung ist karg und beschränkt sich auf einen großen Schreibtisch mit Computer und eine Couchgarnitur. Auf den Fluren herrscht Betrieb. Kunden einer Kanzlei, des Friseursalons oder des Kleiderladens eilen vorbei. Das Büro hat der 28-jährige Politikwissenschaftler und freier Mitarbeiter von Lokal- und Kirchenzeitungen bewusst gewählt: "Es darf nicht viel kosten und es ist dicht dran am Gubiner Leben." Genau das sei auch das Ziel der neuen Wochenzeitung: Nachdem die ersten zwei Ausgaben noch gratis verteilt wurden, kostet seit Freitag das zwölfseitige Wochenblatt einen Zloty. Zum Vergleich: Die rathausnahe Zeitung "Wiadomosci Gubinskie" erscheint alle zwei Wochen und kostet 1,70 Zloty. Die Themen bei "Fakty" sollen sich an jüngeren Lesern orientieren: Themen aus Gesellschaft und Politik, aber auch ein breites Spektrum aus der Kultur sind geplant. Unterstützt wird Chef Marcin Zajaczkowski von Adam Rymkiewicz. Der 26-Jährige schreibt unter anderem für die Wochenzeitung des Landkreises und die "Gazeta Lubuska". Ebenfalls mit dabei ist die 22-jährige Soziologie-Studentin Aleksandra Basara und der 28-jährige Layouter und Informatiklehrer Witold Czaja. Bis jetzt arbeiten alle unentgeltlich für ihr neues Projekt. Die ersten beiden Ausgaben haben zwei finanzkräftige Gubiner Geschäftsmänner finanziert, die kommenden Ausgaben sollen sich über Anzeigenkunden auch aus Deutschland tragen. Erscheinungstag ist immer freitags. Die Idee, eine Alternative zur bestehenden Wochenzeitung "Wiadomosci Gubinskie" zu gründen, die nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell vom Gubiner Rathaus unterstützt wird, kam ihnen vor einem halben Jahr: "Manche Themen werden dort einfach tot geschwiegen. Da reizt es natürlich, dagegen zu steuern und ein neues ausgewogenes Sprachrohr aufzubauen", sagt Marcin Zajaczkowski. So berichtete die neue Zeitung über das Drogenproblem junger Gubiner: "Offiziell gibt es das nicht", so Zajaczkowski. Die Dinge von allen Seiten beleuchten, ist das Anliegen der Vier, die noch Mitstreiter suchen. Derzeit hat "Fakty z Gubina" eine Auflage von 1200 Exemplaren, 800 weniger als die "Gubiner Nachrichten". "Fakty" wird in und um Gubin vor allem in Supermärkten verkauft, bis jetzt gibt es nur die "Gubiner Nachrichten" am Kiosk. Das solle sich in Zukunft ändern, sagt Marcin Zajaczkowski. Derzeit liefen Verhandlungen, in die "Kolporter"-Kette aufgenommen zu werden, die die einzelnen Kioske mit Zeitungen und Zeitschriften bestückt. Interessierte können die Zeitung auch im Netz lesen unter: www.gubin.com.pl