Alles rund um den Apfel - von Saft über gebackene Apfelringe bis hin zu Sortenkunde, Baumveredelung und natürlich Apfelverkostung erwartete die Besucher. Die Gubener Pomologen wollen nicht nur den Warraschke aufleben lassen. Neben dem Spilling, dem sie sich in diesem Jahr widmeten, soll 2007 die Gubener Hauskirsche "Gubener Ehre" im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen. "Die Stadt Guben ist sehr traditionsbewusst. Unsere Pomologen erhalten die Traditionen im Obstbau am Leben und wollen sie weiterentwickeln", sagte Klaus-Dieter Fuhrmann, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung.
Auch die Einwohner wollen an der Obstbautradition festhalten. Zwölf junge Muttis und Vatis, pflanzten stellvertretend für alle neugeborenen Gubener der letzten zwölf Monate Baby-Apfelbäumchen. Jessica Thesenvitz bewaffnete sich mit Spaten und Gießkanne und setzte einen kleinen Apfelbaum der Marke "Jonagold" am neu gestalteten Weg an der Ahornstraße in die vorbereitete Pflanzstelle. "Wir werden so oft wie möglich das Bäumchen besuchen und schauen, wie es wächst", versicherte die 22-jährige Mutter. Auch ihr zehn Monate altes Söhnchen Jeremy-Lewin musste mit anpacken. Er bereitete ihm sichtlich Spaß, sich am Spaten festzuhalten.
Nadine und Franziska versuchten aus gewöhnlichen Kürbissen gruselige Halloween-Fratzen zu schnitzen. "Das ist schon ganz schön schwierig, weil der Kürbis so hart ist", gab Franziska zu. Doch ihr Grusel-Kürbis gewann sogar den zweiten Preis.
Nebenan gab Gärtnermeister Detlef Schulze Einblick in die Veredlung von Gehölzen. "Nur üben hilft. Am besten eignet sich dafür die Linde, weil die Reiser sehr weich sind und sich deshalb gut schneiden lassen", erklärte der Fachmann dem interessierten Publikum. Wichtig sei eine lange, glatte, gerade Schnittstelle. "Und es darf auf keinen Fall die Schnittfläche berührt werden", betonte Schulze.
Horst Vieweger hatte seine Apfelsorten Ingrid-Marie und Undine veredelt. Nach zwei Jahren bekamen die Früchte plötzlich braune Punkte. "Da liegt kein Fehler beim Veredeln vor, es könnte sich um eine Pilzerkrankung oder Mangelerscheinung handeln", wusste der Gärtnermeister. Günther Lohse von der Pomologischen Gesellschaft bot an, die Äpfel zum Pflanzenschutzamt zu schicken, um Klarheit über das ungewöhnliche Muster von Viewegers Äpfel zu bekommen.
Sprachlos waren einige Besucher am Stand des Pilzsachverständigen René Klaus Schumacher aus Fürstenwalde. "Grünlinge sind die giftigsten Pilze Mitteleuropas. Sie sind sogar noch giftiger als der Knollenblätterpilz", sagte er. Was viele nicht wissen, machte Schumacher deutlich: "Die Grünlinge sind geschützt, dürfen eigentlich gar nicht gesammelt werden."
Am Tisch neben der Pilztafel staunten Apfelfans nicht schlecht beim Anblick der Apfelsorten Riesiger Paesgoods Sondersgleichen, Elektra, Roter Eiserapfel, Karmeliter Renette bis hin zum kleinen Geheimrat Breuhahn. Überraschung des Tages war der Verkauf der ersten echten Warraschke-Bäume. "Die Pomologische Gesellschaft verschickte 2005 Reiser der Gubener Apfelsorte. Jetzt können wir die ersten Bäume bekommen", sagte Jana Wilke von der Pomologischen Gesellschaft stolz. Und tatsächlich gab es bereits Anfragen nach der traditionellen Gubener Apfelsorte.
Musikalisch wurde der Apfeltag vom Groß Gastroser Männerchor begleitet. Von überall her schallte außerdem leise Musik, die das Unterhalten und den Austausch von Apfel-Geheimnissen ermöglichte. Die kleinsten Gäste begaben sich am Abend mit den "Cottbuser Musikspatzen" zum Lampionumzug, dabei störte auch der einsetzende Regen nicht. Zum Abschluss zauberte ein Feuerwerk,einen Sternenregen kleiner Apfelblüten.