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Interview mit Michael Voigt
In der Gruppe Trauer zulassen und durchleben

Krankenhausseelsorger Michael Voigt.
Krankenhausseelsorger Michael Voigt. FOTO: Ute Richter
Guben. Am Donnerstag, 12. April, startet eine geschlossene Trauergruppenarbeit mit Krankenhausseelsorger Michael Voigt im Naemi-Wilke-Stift in Guben. Noch sind hier Plätze frei. Die RUNDSCHAU sprach mit Pastor Voigt. Von Ute Richter

An welche Zielgruppe richten Sie sich mit Ihrer Trauergruppenarbeit?

Michael Voigt Trauer nennen wir den oft außerordentlich schmerzhaften Abschied von einer geliebten Person; keine Krankheit, aber dennoch werden Menschen durch sie tief ins Leiden geführt. Je größer unsere Liebe zu einem Menschen war, desto tiefer empfinden wir die Trauer. Wir wollen Menschen ermutigen, in der geschützten Atmosphäre einer Gruppe, ihre Trauer zuzulassen, sie zu durchleben und darin ein Stück auf dem Trauerweg weiterzugehen. Gerade wenn Trauer andauert, fühlt man sich oft sehr allein gelassen und einsam, obwohl Kinder und Freunde sich um den Trauernden kümmern.

Welche Voraussetzungen zur Teilnahme an dieser Gruppe gibt es sonst?

Michael Voigt Wir setzen eine allgemeine Hör- und Gesprächsfähigkeit voraus. Auch sollte man Toleranz gegenüber Überzeugungen und Prägungen anderer Menschen mitbringen. Kirchliche Grundkenntnisse oder Kirchenzugehörigkeit sind hingegen keine Voraussetzung für eine Teilnahme. Jeder darf mit seinen Überzeugungen und Hoffnungen dabei sein, so wie man eben ist.

Können Sie uns etwas über die Art der Abende verraten? Was erwartet die Teilnehmer?

Michael Voigt Wesentlich wird der Erfahrungsaustausch mit anderen Trauernden sein. Viele empfinden ja schon das Aussprechen ihrer Not und die Wahrnehmung, dass ihnen jemand zuhört, als große Hilfe. So steht das Gruppengespräch in der Mitte. Die Abende beinhalten zudem einen knappen thematischen Impuls. Bei einem Imbiss kommt man auch persönlich ins Gespräch. Am Schluss steht dann jeweils ein „Wort auf den Weg“.

Was ist mit einer „geschlossenen“ Gruppe gemeint?

Michael Voigt Es gibt offene Trauergruppenarbeit, bei der man kommt und unverbindlich dabei sein kann, solange man möchte. Das geht bei uns nur am ersten Abend. Dann hat man ein Gefühl für die anderen bekommen und entscheidet sich für oder gegen die Teilnahme an fünf weiteren Abenden, was bedeutet, dass man sich im Verhinderungsfall abmeldet. Die Termine werden miteinander besprochen und sind in etwa alle 14 Tage.

Wo trifft sich die Trauergruppe?

Michael Voigt Wir treffen uns am Donnerstag zwischen 18 und 20 Uhr im Naemi-Wilke-Stift. Wer kurzentschlossen noch dabei sein möchte, kann mich unter Telefon 03561 431632 anrufen, sodass ein erster Kontakt entsteht und ich noch genauere Hinweise geben kann.

Mit Michael Voigt sprach
Ute Richter