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| 02:48 Uhr

Neue Spielregeln für Sportförderung

Auch die Nachwuchskicker des BSV Guben Nord profitieren bisher von der Sportförderung.
Auch die Nachwuchskicker des BSV Guben Nord profitieren bisher von der Sportförderung. FOTO: FOTO-Werner/rww1
Guben. Die Stadt Guben gibt jährlich 13 000 Euro freiwillig für die Förderung von Sportvereinen aus. Jetzt sollen sich die Spielregeln für den Zuschuss ändern. In den Fokus rückt künftig die Nachwuchsarbeit. Die Vereine begrüßen die Neuregelung, die Stadtverordneten lehnen die Vorlage ab. Silke Halpick

"Alle Vereine in Guben haben Probleme mit dem Nachwuchs", sagt Dirk Fischer, Vorsitzender des ESV Lok Guben. Der Verein feierte im vergangenen Jahr sein 65-jähriges Bestehen. Aktuell hat er rund 200 Mitglieder, davon 40 Kinder und Jugendliche. Hier kickt die einzige Frauenfußballmannschaft der Neißestadt. Es wird aber auch erfolgreich gekegelt, Tischtennis und Billard gespielt.

"Besonders schwierig ist es bei den Jugendlichen", betont Fischer. Wenn deren Schulzeit vorbei ist und Ausbildung beziehungsweise Studium beginnen, verlassen die meisten von ihnen Guben und damit auch ihren Heimatsportverein. Bekanntes Beispiel ist die Gubener Leichtathletin Nele Heinrich, die ihre ersten Schritte beim SV Chemie Guben machte und nach dem Wechsel auf die Sportschule nun erfolgreich für den SC Potsdam startet.

Deshalb muss die Nachwuchsarbeit auch möglichst früh beginnen und eine breite Masse ansprechen, erklärt Fischer. Denn trotz des demografischen Wandels, der die Neißestadt seit der Wende hart getroffen hat, gibt es noch Sportler-Potenzial. Lediglich 697 Kinder und Jugendliche von insgesamt 2246 Gubenern im Alter bis zu 18 Jahren sind aktuell in einem Vereine aktiv. Das ist nur jeder Dritte.

"Warum gibt es in Guben keine Schule mit sportbetontem Profil?", fragt sich Fischer. Von einer Zusammenarbeit könnten Vereine, Schüler und Eltern gleichmaßen profitieren, begründet er. Die Schüler könnten sich in unterschiedliche Sportarten direkt in ihrer Schule austesten, den Eltern bleiben zeitaufwändige Anfahrtswege erspart, die Vereine gewinnen neue Mitglieder.

Auch die Stadt Guben will die Nachwuchsarbeit der Vereine künftig noch stärker in den Fokus ihrer finanziellen Zuwendungen rücken. Dazu soll die Richtlinie zur Sportförderung novelliert werden. 13 000 Euro jährlich stehen als freiwillige Leistung im Haushalt zur Verfügung. Bisher wurde die Hälfte des Gesamtbudgets als Pro-Kopf-Pauschale für Vereine mit mehr als zehn Nachwuchssportlern ausgezahlt. 16 Euro pro Mitglied waren das beispielsweise im vergangenen Jahr. Darüber hinaus wurden besondere Projekte und bauliche Maßnahmen an den Sportanlagen bezuschusst. Künftig soll es allerdings nur noch Geld für Projekte zur Nachwuchsgewinnung geben. Gleichzeitig steigt der Anteil der Kopfprämie auf 85 Prozent. Über die Verwendung des Geldes müssen die Vereine einen Nachweis erbringen. "Das sind mitunter Zuschüsse von 4000 Euro. Da will ich wissen, was mit dem Geld passiert", begründet Stefan Müller, zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus.

Die geplante Neuregelung wird von vielen Vereinen begrüßt. "Wir wollen einen höheren Anteil für den Nachwuchs und weg von der projektbezogenen Förderung", bestätigt Uwe Koschack, Vereinsvorsitzender des SV Chemie Guben. Mit 520 Mitgliedern, davon fast 50 Prozent Kinder und Jugendliche, ist der Sportverein der größte in der Neißestadt. Ausdrücklich für die Pro-Kopf-Pauschale, allerdings mit möglichst wenig bürokratischem Aufwand spricht sich auch Dirk Fischer aus.

Die Gubener Stadtverordneten sind hingegen skeptisch. Schon im Hauptausschuss wurde die neue Satzung abgelehnt. Kritisch bewertet wird unter anderem, dass Vereine mit weniger als zehn Nachwuchsathleten gar keine Förderung mehr bekommen, der Aufwand für den Verwendungsnachweis zu hoch ist und dass investive Maßnahmen nicht mehr zuschussfährig sind. Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro zog deshalb die Vorlage in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung zurück und will eine überarbeitete Version noch vor der Sommerpause einbringen, wie er ankündigte.

Zum Thema:
Insgesamt 25 Vereine mit mehr als 2300 Mitgliedern, darunter 697 Kinder und Jugendliche, gab es im Vorjahr in Guben. Das zeigen aktuelle Zahlen der Stadtverwaltung. Zum Vergleich: 2011 waren es insgesamt noch 2588 Mitglieder und 730 Kinder und Jugendliche. Die größten Vereine in der Neißestadt sind der SV Chemie Guben mit 520 Mitgliedern, der BSV Guben Nord (254) und der 1. FC Guben (244).