Die Gubener Gartenkultur hat Tradition, verteidigt Günther Lohse sein Ziel, keinen Garten in den 32 Anlagen der Stadt leer stehen zu lassen. Die älteste Gartenanlage „Süd-West“ feiere im Jahr 2011 gar ihren 100. Geburtstag, so der Vorsitzende des Gartenverbandes der Gartenfreunde Guben und Umgebung.

Dies sei ein Grund zum Feiern, aber zugleich Ansporn, für den Erhalt der Gärten zu kämpfen, sagt der oberste Gubener Gärtner. Durch jeden ungenutzten Garten entgingen dem Gartenverband Mitgliedsbeiträge, die unter anderem dem Erhalt der Gartenanlagen dienten.

Auch für einen Garten ohne Nutzer müsse laut Verbandsvorsitzendem die Pacht gezahlt werden. „Wenn Gärten zu lange leer stehen, müssen sie platt gemacht werden“, erklärt Günther Lohse das Dilemma. Das Bundeskleingartengesetz schreibe im Falle eines Leerstandes vor, Bäume zu fällen und Lauben abzureißen. „Das ist doch Irrsinn“, urteilt der 1. Vorsitzende.

Dass 25 Parzellen leer stehen, sei noch überschaubar. Doch der Trend, dass immer weniger Gartenfreunde ein Stück Gubener Boden pachten möchten, zeige nach oben, merkt der Verbandsvorsitzende an.

Deshalb werde auch auf die Jugend zugegangen. „Statt Gartenarbeit wollen die jungen Leute lieber eine Satellitenschüssel und eine Veranda, um zu feiern. Auch Partys müssen möglich sein“, zeigt sich Günther Lohse kompromissbereit. Es gebe auch bereits Bonsai-Gärten. Das sei eine eventuelle Nische für junge Gartenbesitzer, verdeutlicht der Vorsitzende, dass die starren Gartengesetze von einst längst gelockert worden seien. Im Übrigen werde laut Günther Lohse kein Garten der Verwilderung preisgegeben. Leer stehende Gärten seien zu Gemeinschaftsflächen deklariert worden. Die Beschäftigungs -und Sanierungsgesellschaft Guben mbH (BSG) pflege die Flächen für den Gartenverband unentgeltlich und nutze sie für gute Zwecke.

„Die BSG baut dort Gemüse für die Tafel an. Das ist eine tolle Sache“, sagt der Verbandsvorsitzende. Den Abriss von Lauben übernehme die Gubener Lebenshilfe Werkstätten „Hand in Hand“ gGmbH. So auch auf der Parzelle 25 in der Gartenanlage „Süd-West“. Auf der ungenutzten Fläche entsteht ein Kräuter-Schau-Garten, kündigt Günther Lohse an. „Schulen und Kindergärten können dort viel über Kräuter lernen. Ein Koch soll den Kindern das Kochen mit Kräutern zeigen“, sagt der Verbandsvorsitzende. Einen Schaugarten für Obstsorten gebe es bereits in der Gartenanlage „Am Wasserwerk“, sagt der Vorsitzende. Ein anderer Garten ohne Nutzer sei laut Günther Lohse zu einem zentralen Kompostlager geworden. Und auch die Idee, Gärten für kleinere Feiern oder an Skat spielende Rentner zu vermieten, werde im Verband diskutiert.