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| 17:41 Uhr

Guben
Neue Hoffnung für Pinnower See

Angela Purz vom Landesumweltamt zeigt eine Grafik zur Entwicklung des Grundwassers in Sembten. Auch hier ist der Trend fallend. Der Grund dafür seien aber die klimatische Bedingungen im Land Brandenburg. Der Sembtener Messpunkt wird seit dem Jahr 2011 nicht mehr betrieben.
Angela Purz vom Landesumweltamt zeigt eine Grafik zur Entwicklung des Grundwassers in Sembten. Auch hier ist der Trend fallend. Der Grund dafür seien aber die klimatische Bedingungen im Land Brandenburg. Der Sembtener Messpunkt wird seit dem Jahr 2011 nicht mehr betrieben. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Umweltministerium will fluten lassen, bis beide Teilgewässer wieder voll und vereint sind. Von Silke Halpick

Der Pinnower See soll geflutet werden, bis eine „geschlossene Wasserfläche“ erreicht ist - selbst wenn das den Pegelwert des Jahres 2010 übersteigt. Das kündigt das Umweltministerium am Dienstagabend im Rahmen einer Informationsveranstaltung in der Alten Färberei in Guben an. Hier stehen die zuständigen Behörden sowie der Tagebaubetreiber Leag erstmals Betroffenen öffentlich Rede und Antwort zur Zukunft der Seen im Umfeld der Kohlegrube Jänschwalde.

Schon am Eingang verteilt Matthias Bärmann von der Evangelischen Kirchengemeinde der Region Guben Infozettel mit Luftaufnahmen, die den Rückgang des Wassers an fünf Seen der Gubener Region seit dem Jahr 2000 zeigen. Kritisiert wird, dass sich die unter Federführung des Landes gegründete Arbeitsgruppe jetzt auf das Jahr 2010 als Referenzwert festgelegt hat. Wasserabsenkungen aufgrund des Tagebaubetriebes gebe es aber schon seit den 1970er-Jahren, wie es heißt.

Das Landesumweltamt verweist auf Daten des eigenen Messnetzes, das allerdings erst seit Ende der 1990er-Jahre in Betrieb ist und bei dem immer wieder einzelne Messstellen wegbrechen, wie Hydrologin Angela Purz einräumt. Den Kurven zufolge sinkt das Grundwasser aufgrund der „negativen klimatischen Wasserbilanz“ (zu wenig Regen, dafür viel Verdunstung in ganz Brandenburg) bereits seit Jahren. Der Rückgang ab 2010 sei aber „nicht natürlich“, wie Purz betont.

Deshalb wird der Tagebaubetreiber Leag nun per bergrechtlicher Anordnung verpflichtet, zusätzlich Grundwasser in die betroffenen Gewässer einzuleiten. Beim Großsee ist eine Differenz von 58 Zentimetern und beim Kleinsee der Verlust von 67 Zentimetern auszugleichen. Der Deulowitzer See geht hingegen leer aus, weil er heute mehr Wasser enthält als im Jahr 2010.

Beim Sorgenkind Pinnower See müssen rein rechnerisch 59 Zentimeter aufgefüllt werden. Vereinbart sei aber eine „geschlossene Wasserfläche“, wie Kurt Augustin, Referatsleiter im Umweltministerium betont. Aktuell ist der See aufgrund des Wasserrückgangs zweigeteilt. „Wenn ein Nachjustieren notwendig ist, bin ich gern bereit, mich dazu zu unterhalten“, sagt Augustin.

Der Tagebaubetreiber will eigenen Angaben zufolge 60 bis 100 Meter tiefe Brunnen bohren, aus denen unbelüftetes Grundwasser entnommen und in die Gewässer eingeleitet wird. „Auf keinen Fall sollen die Seen braun werden“, betont Thomas Koch, Geohydrologe bei der Leag. Aktuell laufe die Suche nach geeigneten Gemeindegrundstücken.

Mit dem Bau der Brunnen soll nach Angaben des Landesbergamtes im Januar 2019 und mit der Wassereinleitung drei Monate später begonnen werden. Im April 2021 sollen die Seen auf dem Stand von 2010 stabilisiert sein. Beim Deulowitzer See werden allerdings nur die Gräben entkrautet und beräumt, um den Wasserzufluss abzusichern.

Eine Transparenz-Offensive versprechen Umweltministerium und Landbergamt unisono den Menschen vor Ort. Beide Behörden wollen künftig Daten und Fakten zum Verfahren und Monitoring sowie den Fortschritten auf ihren Internetseiten veröffentlichen.