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| 18:11 Uhr

Infrastruktur
Neue Chance für Gubens Altbauten

Die Gerüste rund ums Gubener Torhaus sollen Ende August fallen. Für die Immobilie besteht aber weiterhin Sanierungsbedarf.
Die Gerüste rund ums Gubener Torhaus sollen Ende August fallen. Für die Immobilie besteht aber weiterhin Sanierungsbedarf. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Das Land Brandenburg fördert jetzt auch Nicht-Wohngebäude. Davon können das Torhaus, der Bahnhof und die Fischfabrik profitieren. Von Silke Halpick

Rund 20 neue Objekte hat die Stadt Guben jetzt in ihrer Altbau-Erhaltungsstrategie stehen. Damit reagiert die Kommune auf die neuen Städtebauförderrichtlinien des Landes Brandenburg. Zu den Neuaufnahmen gehören so prominente Immobilien wie das Torhaus, das Gebäude D der Gubener Wolle, die ehemalige Fischfabrik sowie das Bahnhofsgebäude.

Der Bahnhofsvorplatz wird aktuell neu gestaltet. Das Empfangsgebäude gehört der Deutschen Bahn.
Der Bahnhofsvorplatz wird aktuell neu gestaltet. Das Empfangsgebäude gehört der Deutschen Bahn. FOTO: LR / Silke Halpick

Neu an den Richtlinie ist, dass künftig auch Nicht-Wohngebäude gefördert werden können, erklärt Carola Huhold, Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung im Gubener Rathaus. Allerdings müssen diese Objekte unter Denkmalschutz und in der Altstadt Ost oder West stehen, stadtbildprägenden Charakter haben sowie vor dem Jahr 1949 entstanden sein.

Die ehemalige Fischfabrik in Guben wurden im Vorjahr verkauft. Nun hofft man auf eine Neubelebung des Areals.
Die ehemalige Fischfabrik in Guben wurden im Vorjahr verkauft. Nun hofft man auf eine Neubelebung des Areals. FOTO: LR / Silke Halpick

Die ehemalige Wilhelm-Pieck-Schule und das Filmtheater Friedensgrenze haben es beispielsweise nicht in die Liste geschafft, weil sie erst Mitte der 1950er-Jahre gebaut wurden. „Wir werden versuchen, andere Fördertöpfe dafür zu finden“, verspricht Huhold. Beide Objekte gehören zum Klimaquartier Hegelstraße. Das Areal mit rund 520 Wohnungen soll energetisch saniert werden.

„Nur Gebäude, die in der Altbauerhaltungsstrategie stehen, können auch Fördermittel aus dem Stadtumbauprogramm Ost bekommen“, sagt Huhold. Eine Zuschuss-Garantie gebe es allerdings nicht. Doch insbesondere die Förderung aus dem Teilprogramm „Sanierung, Sicherung und Erwerb“ (SSE) kann sich lohnen. Hier liegt die Zuschussquote bei 100 Prozent. Davon können auch private Investoren profitieren.

Aktuell im Bestand gesichert wird das Gubener Torhaus. Das Dach wird neu gedeckt und Feuchtigkeitsschäden im Innern beseitigt. Ende August sollen die Baugerüste endlich fallen. Erst im Zuge der Arbeiten wurde klar, dass die Bausubstanz stärker als angenommen  geschädigt ist. Rund 150 000 Euro stammen aus dem Programm „Aktives Stadtzentrum“ (ASZ), das Ende 2017 auslief. Weitere 120 000 Euro sollen aus dem SSE-Topf folgen.

Das Torhaus gehört nach wie vor der Stadt Guben. Alle Verkaufsversuche sind bisher gescheitert. Da aus Sicht der Stadt auch künftig weiterer Sanierungsbedarf besteht, wird das Einzeldenkmal in die Altbau­erhaltungsstrategie aufgenommen, betont Huhold.

Auch das Gebäude D der ehemaligen Gubener Wolle steht jetzt in der Liste. Für das alte Fabrikgebäude am Ufer der Neiße gab es in der Vergangenheit große Pläne. So sollten hier moderne Loft-Wohnungen entstehen. Realisiert wurde das Vorhaben nie. Im Jahr 2014 musste das Haus „bestandskonserviert“ werden. Das war für die Stadt Guben damals absolutes Neuland. Dachgeschoss, Fenster und die Außenanlagen wurden gesichert sowie die Südfassade im Erdgeschoss geschlossen.

Ungewiss ist auch die Zukunft des Bahnhofsgebäudes. Die Deutsche Bahn hatte das Haus schon mehrfach der Stadt Guben zum Kauf angeboten. Doch die Stadtverordneten lehnten ab, weil es mittel- und langfristig keine Verwendungsmöglichkeit dafür gebe. Möglicherweise findet sich ein privater Investor, hofft Huhold. Der Bahnhofsvorplatz wird für 1,5 Millionen Euro neu gestaltet.

Neu in der Altbauerhaltungsstrategie ist jetzt auch die ehemalige Fischfabrik, die im vergangenen Jahr verkauft wurde. Die Wiederbelebung des Areals an der Neiße sei aus Sicht der Stadt wichtig, betont Huhold. Hier führt beispielsweise der Oder-Neiße-Radweg entlang, auf dem jährlich mehrere Tausend Touristen unterwegs sind.

In den Jahren 2015 bis 2017 sind bisher insgesamt 1,9 Millionen Euro aus dem SSE-Programm nach Guben geflossen. Profitieren konnten davon die beiden Villen in der Alten Poststraße 63 und 46, das Wohnhaus in der Mittelstraße 6 sowie das Torhaus in der Berliner Straße 45. Seit 2013 gibt es die Altbauerhaltungsstrategie, deren Fortschreibung die Stadtverordneten bereits zugestimmt haben.