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Neu-Besitzer investiert in Objekte

Glenn Pettke vom Schenkendöberner Unternehmen Gellert & Meitzner installiert einen neuen Ölheizkessel. Das Objekt in Groß Gastrose gehört zu den Immobilien, die die Rivag von der Gemeinde gekauft hat.
Glenn Pettke vom Schenkendöberner Unternehmen Gellert & Meitzner installiert einen neuen Ölheizkessel. Das Objekt in Groß Gastrose gehört zu den Immobilien, die die Rivag von der Gemeinde gekauft hat. FOTO: S. Halpick
Schenkendöbern. Im leer stehenden Mehrfamilienhauses in der Straße des Friedens in Groß Gastrose wird gebaut. Zwei Techniker installieren im Keller einen neuen Ölkessel. Silke Halpick

"Die Arbeiten werden noch eine Woche dauern", schätzt Glenn Pettke vom Heizungs- und Sanitärunternehmen Gellert & Meitzner aus Schenkendöbern. Die Immobilie gehört zu den 81 Wohnungen, die die Gemeinde Schenkendöbern verkauft hat. Neuer Besitzer ist seit Anfang Juli die Rheinland Immobilienverwertungs AG (Rivag) mit Sitz in Guben.

Rund 1,8 Millionen Euro hat die Aktiengesellschaft für die 81 Gemeindewohnungen mit insgesamt 5224 Quadratmetern Wohnfläche in den Ortsteilen Sembten, Groß Drewitz, Grano, Lübbinchen, Bärenklau, Kerkwitz und Groß Gastrose gezahlt. Das teilt der Schenkendöberner Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) auf RUNDSCHAU-Nachfrage mit. Ursprünglich hatte die Gemeinde auf einen Verkaufspreis von 2,6 Millionen Euro gehofft. Diese Summe stand im öffentlichen Bieterverfahren.

Doch offensichtlich gab es keinen Interessenten, der diesen Preis zahlen wollte. "Die Sparkasse hat uns die Objekte angeboten", sagt Matthias Mengdehl, Handlungsbevollmächtigter der Rivag. Das Unternehmen kauft eigenen Angaben zufolge Immobilien aus finanziellen Notlagen preiswert auf, saniert und verkauft sie weiter, wenn "das Potenzial ausgeschöpft" ist. Dieses Geschäftsmodell werde schon seit Jahren erfolgreich betrieben. So steht es auf der Rivag-Internetseite, die Anleger anlocken soll.

Verunsicherung herrscht auch bei den betroffenen Mietern. "Viele von ihnen wohnen schon seit mehr als 30 Jahren in den Häusern und haben Fragen, die noch nicht beantworten sind", sagt Susi Kunze, Ortsvorsteherin in Grano. Bisher habe es nur zwei Infobriefe der Gemeindeverwaltung zum Verkauf der Wohnungen gegeben. Die Rivag selbst kenne man zumindest in Grano noch nicht. Kunze hofft nun auf eine Mieterversammlung. "Es wird viel spekuliert, was das Unternehmen mit den Wohnungen vorhat", betont Kunze.

"Ziel ist es, die Wohnungen langfristig gut zu vermieten", sagt Mengdehl. Dafür werden viele der Objekte aktuell saniert und modernisiert. In Kerkwitz sei man damit bereits fertig. In die Häuser in Groß Gastrose müssen neue Heizsysteme rein, weil die bisherige Wärmeversorgung über das Holzschnitzel-Heizkraftwerk künftig nicht mehr möglich sei. In Grano bestehe hingegen kein akuter Handlungsbedarf. Die Häuser seien "sehr gepflegt", betont der Rivag-Bevollmächtigte. "Mieterhöhungen sind keine geplant", stellt Mengdehl klar. Die Mietpreise seien durchweg sehr günstig und entsprechen teilweise noch dem Stand des Jahres 1989. Die Bewohner zahlen durchweg weniger als fünf Euro pro Quadratmeter Kaltmiete, so Mengdehl. Im Vergleich dazu bewegen sich die Preise ähnlicher Wohnungen im benachbarten Guben bereits in Richtung sechs Euro.

Vonseiten der Gemeinde hat es beim Verkauf der Wohnungen keine Auflagen wie eine begrenzte Mietpreisbindung gegeben. "Es gelten die gesetzlichen Regelungen", informiert Bürgermeister Jeschke. Nach Auskunft des Mieterbundes Cottbus-Guben muss der neue Eigentümer grundsätzlich die bestehenden Mietverträge übernehmen. Eine Kündigung sei nur im Fall von Eigenbedarf möglich. Auch Mieterhöhungen müssen begründet werden und der ortsüblichen Vergleichsmiete entsprechen. Wenn der neue Eigentümer die Wohnungen saniert, kann er maximal elf Prozent der tatsächlichen Modernisierungskosten umlegen.

Zum Thema:
Schenkendöbern will die 1,8 Millionen Euro aus dem Wohnungsverkauf für die Tilgung von Wohnungsmodernisierungsdarlehen einsetzen. Die Maßnahme war Bestandteil des Haushaltssicherungskonzeptes für 2017 bis 2020, erklärt Bürgermeister Peter Jeschke.Auch die Stadt Guben wollte ursprünglich im Jahr 2020 insgesamt 500 Wohnungen der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) verkaufen, um den Haushaltsausgleich zu schaffen. Doch dieser Passus im Konsolidierungskonzept wurde gestrichen - auf Wunsch der Stadtverordneten. Nun ist nur noch von Gewinnausschüttungen aus kommunalen Unternehmen die Rede.