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| 01:07 Uhr

Nachts, wenn alles schläft. . .

Eisenhüttenstadt.. Mieter in Eisenhüttenstädter Parterrewohnungen leben gefährlich: Seit Wochen nun schon steigt ein Unbekannter in den frühen Morgenstunden durch offene Fenster oder Balkontüren in Wohnungen ein auf der Suche nach Bargeld, Kreditkarten, Schmuck und technischen Geräten. (moz)


Alarmierend sind nicht nur die bislang zehn Einbrüche in den zurückliegenden zwei Monaten an sich, die sich vor allem auf den V. Wohnkom plex konzentrieren, sondern auch die Tatsache, dass der Täter keine Rücksicht darauf nimmt, ob die Mieter während des Einbruchs vielleicht sogar friedlich in ihrem Bett schlummern. Die Kriminalpolizei jagt den Unbekannten und lässt am Tatort hinterlassene Spuren im Landeskriminalamt auswerten.
Fest steht: Er ist jung, er ist sportlich, er kommt meist zwischen 3 und 7 Uhr - und er ist vor allem lautlos. Die Kriminalpolizei hat nur vage Vorstellungen vom Einbrecher, der seit Wochen in ungesicherte Parterrewohnungen einsteigt und sie nach Wertsachen durchstöbert. Nach Ansicht von Wolfgang Schumann von der Eisenhüttenstädter Kriminalpolizei ist der Unbekannte dreist und skrupellos. Wie sonst lässt sich erklären, dass er sich bei einem nächtlichen Beutezug in einer Wohnung auf Wertsachensuche ins Schlafzimmer begab, in der der Mieter schlief?
Nur einmal kam es zum Aufeinandertreffen von Täter und Opfer: Beide begegneten sich nachts auf dem dunklen Flur, und der Einbrecher brachte sich durch einen Sprung aus dem Badfenster in Sicherheit.
Nun sind Wohnungseinbrüche an sich nichts Besonderes, auch nicht für Eisenhüttenstadt. Im Jahr 2003 häufen sie sich allerdings: Seit Mai sind es zehn Einbrüche, von denen überwiegend der V. Wohnkomplex betroffen war. Die Kripo schließt nicht aus, dass es sich auch um mehrere Täter handelt, aber in den meisten Fällen lässt die Handschrift auf den gleichen Mann schließen, der am zurückliegenden Wochenende erstmals durch einen Zeugen gesehen worden ist.

Durch die offene Balkontür
Meist steigt er an Wochenenden in Wohnungen ein - mal durch eine offen stehende Balkontür, mal durch ein offenes Fenster. Nicht selten erleichtern ihm die Mieter den Einbruch. „Wir wissen auch noch nicht, ob er eine Taschenlampe benutzt, wenn er nach Wertgegenständen sucht“ , sagt Wolfgang Schumann. In einigen Fällen haben die Bewohner erst später bemerkt und vermutet, dass jemand in der Wohnung war, weil sie Wertgegenstände vermissten. Lediglich in drei Fällen hat der Täter durch Geräusche auf sich aufmerksam gemacht.
Von seinem Diebesgut nimmt er nur das mit in sein Versteck, was er auch wirklich gebrauchen kann. Ein weiteres Phänomen für die Kripo ist, dass er nach „getaner Arbeit“ das achtlos wegwirft, was ihm nichts nützt. Bislang hat er von gestohlenen Kreditkarten noch keinen Gebrauch gemacht, die Inhaber haben zudem ihre Karten sperren lassen.
Seit Tagen warnt die Polizei nun schon davor, Fenster und Balkontüren unbeaufsichtigt offen stehen zu lassen und rät, zumindest Balkontüren in der Nacht zu schließen. „Man kann nicht verlangen, dass bei der Hitze alle Fenster geschlossen werden“ , sagt Wolfgang Schumann. Angeklappte Fenster neuerer Bauart bieten an sich einen ausreichenden Schutz vor Einbrechern. Kosten für Sicherungsmechanismen wie abschließbare Fenstergriffe müssten vom Mieter getragen werden. „In einer Parterrewohnung würde ich nachts generell kein Fenster komplett auflassen. Auch Gazefenster bieten keine Sicherheit, die kann der Einbrecher einfach herausdrücken“ , weiß Schumann. Schließlich gehe es auch um den Versicherungsschutz.
„Bei den letzten Fällen haben wir am Tatort Spuren gesichert, die jetzt zur Auswertung beim Landeskriminalamt sind“ , sagt Schumann. Dort werden sie mit landesweit gespeicherten Daten verglichen, um dem Einbrecher auf die Schliche zu kommen. Wer einen Einbruch feststellt, sollte umgehend die Polizei rufen, damit sie die Spuren sichern kann.
Richtig brenzlig kann es werden, wenn sich Täter und Opfer beim nächtlichen Einbruch begegnen. „Da sollte keiner den Helden spielen“ , warnt der Kripo-Mann. Ein Patentrezept gebe es allerdings nicht.