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Mut zur Lücke bei Guwo und Stadt

Die Leonhard-Frank-Straße 11-19 soll im Zuge des Stadtumbaus abgerissen werden Der GWG-Block gegenüber bleibt stehen.
Die Leonhard-Frank-Straße 11-19 soll im Zuge des Stadtumbaus abgerissen werden Der GWG-Block gegenüber bleibt stehen. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Als alternativlos bezeichnet Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro den Abriss von Wohnblöcken am Stadtrand. Betroffene aus der Leonhard-Frank-Straße wollen das nicht hinnehmen und verschaffen ihrem Ärger Luft.

"Es gibt keine Alternative zum Rückbau", sagt Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro. Dass die Stadtverwaltung mit dem Plan, die Stadt von außen nach innen zu verkleinern, "keinen Blumentopf" gewinnen könne, sei ihm klar. Dass bei den Abriss-Planungen "nie alle Interessen" getroffen werden könnten, liege ebenfalls in der Natur der Sache. Trotzdem warb Mahro im jüngsten Hauptausschuss um Verständnis - auch unter den unmittelbar vom Rückbau betroffenen rund 90 Mietern aus der Leonhard-Frank-Straße 11 bis 19 und 31 bis 39, die am Montag in überraschend großer Zahl den Zuschauerraum des Rathaus-Sitzungssaals füllten und ihrem Ärger Luft machen wollten.

Unter Federführung von Mieter Bernd Warmuth hatten 24 Mieter aus zwei Blöcken der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) eine Petition gegen den Abriss eingereicht. Die Gründe zählt Warmuth im Hauptausschuss auf: "Die Wohnungen sind ideal für Rentner", sagt er. Kurze Wege bis zum Supermarkt in der Schillerstraße, kurze Wege bis in die Natur. Warmuth fühlt sich seit 1970 wohl in seiner Zweieinhalbzimmerwohnung. Einige der Mieter haben das letzte halbe Jahrhundert in der Leonhard-Frank-Straße gewohnt und wollen auch jetzt noch nicht weg, auch wenn der Abriss im kommenden Jahr unumgänglich scheint.

Ob eine etagenweise Abtragung der Blöcke denn nicht möglich sei, wollte eine Mieterin von Guwo und amtierendem Bürgermeister wissen. Nein, machte Mahro deutlich. Die Fördermittel flössen nicht für die teure Abtragung oberer Stockwerke, sondern nur für einen Abriss.

Zu schaffen macht den Mietern in der Leonhard-Frank-Straße auch der Blick vom Balkon. Von dort nämlich sehen sie Wohnblöcke der Gubener Wohnungsbaugenossenschaft (GWG), saniert und gewartet. Dass sie ebenfalls dem Stadtumbau zum Opfer fallen werden, ist unwahrscheinlich. "Wir haben nur Einfluss auf Guwo-Wohnungen", betont Mahro. Die nämlich sind städtisch. Das Stadtumbauprogramm greift hingegen nicht bei den nicht-kommunalen GWG-Wohnungen.

Ob man so die Bürger "mit Gewalt in die Hände der GWG treiben will, damit die Guwo keine Mieter mehr hat", fragt Warmuth. Man frage sich als Guwo-Kunde schon, ob irgendjemand am Abriss verdiene. Immerhin, so der Petitionseinreicher, hätten sowohl der Gubener Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner und ein Ex-Guwo-Chef wegen Untreue vor Gericht gestanden. Das, so Warmuth, mache schon nachdenklich. Darüber hinaus entstehe der Verdacht, dass die Stadt die Guwo kaputtmachen wolle - aus welchen Gründen auch immer.

Den Verdacht, die Guwo würde mit dem Rückbau verdienen oder gar mit dem Stadtumbau liquidiert werden können, wies Mahro entschieden zurück. Die Guwo sei eine feste Größe in der Zukunftsplanung der Stadtverwaltung. Vielmehr könne der allmähliche Rückbau die Wohnungsgesellschaft stabil halten. Das allerdings sehe voraus, dass in den kommenden Jahren weitere 1000 Wohnungen in Guben zurückgebaut werden müssen.

Als "unmenschlich" bezeichnete ein Mieter aus der Leonhard-Frank-Straße das Vorgehen der Stadt und der Guwo. Das jedoch wollte Mahro nicht gelten lassen. Menschlichkeit, so der amtierende Bürgermeister, müsse zwar immer eine Rolle spielen. Wenn das allerdings nur bedeute, selbst nicht betroffen sein zu wollen, sei der Begriff fehl am Platz.

Ein persönliches Gespräch mit den betroffenen Mietern außerhalb einer Ausschusssitzung und vor Ort in der Leonhard-Frank-Straße bot Fred Mahro am Montag an.