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Montessori-Chefin geht in den Ruhestand

Guben. Martina Petri hat nach der Wende 1999 das Montessori-Kinderhaus in Guben gegründet. Mit 65 Jahren verabschiedet sich die engagierte Leiterin nun in den Ruhestand und übergibt ihr Lebenswerk an die 53-jährige Kollegin Gudrun Sprenger, die ebenfalls "von Anfang an" mit dabei ist. Silke Halpick

"Es fällt mir nicht leicht", räumt Martina Petri ein. Doch sie gehe noch nicht ganz, sondern bleibe dem Förderverein erhalten, der auch der Träger der Einrichtung in der Geschwister-Scholl-Straße ist. Als Geschäftsführerin werde sie sich nun um die Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit kümmern, aber hin und wieder auch "ein paar Stunden bei den Kindern sein", wie sie ankündigt. Für Petri, die seit 45 Jahren als Kindergärtnerin arbeitet, soll es ein Ausstieg auf Raten werden. Ein abruptes Ende könne sie sich überhaupt nicht vorstellen.

Der Montessori-Leitgedanke "Hilf mir, es selbst zu tun" hat Martina Petri von Anfang an fasziniert, wie sie sagt. Nach Abschluss eines Studiums erwarb sie das Montessori-Diplom. "Bei uns bekommt jedes Kind die Hilfe, die es braucht", sagt sie. Die Entwicklung der Selbstständigkeit und des selbstständigen Lernens stehe im Mittelpunkt, aber auch die ganz individuelle Persönlichkeit des Kindes. Das kommt offenbar auch bei den Eltern gut an. Unter den insgesamt 64 Kindern im Alter von null bis sechs Jahre, die von neun Erzieherinnen betreut werden, sind auch einige, deren Eltern hier schon in der Kita waren.

Für die Zukunft wünscht sich die scheidende Leiterin, dass die von der Stadt Guben geplante Sanierung der Fassade, der Innenräume sowie die Neugestaltung des Außengeländes im kommenden Jahr realisiert wird. Die Stadt will dafür 412 000 Euro zur Verfügung stellen. Das Geld stammt aus dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz.

"Vor genau 110 Jahren hat Maria Montessori ihren ersten Kindergarten in San Lorenzo, einem Armenviertel vom Rom gegründet", erzählt Petri. Eine kleine Ausstellung im Foyer des Kinderhauses erinnert an die promovierte Medizinerin, die verwahrloste Kinder aufnahm und ihnen das Rechnen und Schreiben lehrte. Das erste Montessori-Kinderhaus in Guben wurde vom Kinderarzt Dr. Gerhard Ockel, der von 1925 bis 1937 hier praktizierte, gegründet. Es stand im heute polnischen Teil der Stadt. Während des NS-Regimes wurden die Montessori-Einrichtungen jedoch verboten und geschlossen.