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Mit Pinsel und Farbe gegen Barrieren

Der 82-jährige Joachim Kobelius aus Guben war der älteste Plenair-Teilnehmer.
Der 82-jährige Joachim Kobelius aus Guben war der älteste Plenair-Teilnehmer. FOTO: Ingrid Ebert/ieb1
Spree-Neiße/Sprottau. Da habe ich mir doch ein kleines Souvenir aus dem polnischen Wiechlice (Wichelsdorf – nicht weit von Sprottau und Sagan entfernt) mitgebracht, wenn auch unfreiwillig. Einige winzige blaue Farbtupfer zieren meine Bluse. ieb1

Sie erinnern an eindrückliche Begegnungen mit elf polnischen und neun deutschen Hobbykünstlern aus der Euroregion Spree-Neiße-Bober, erinnern an den Geruch von Lindenblüten, Lavendel und Ölfarbe, an Pinsel, Paletten und Leinwände, an interessante Gespräche und fröhliche Abende. Vor allem erinnern sie an die vielen Landschaftsbilder, die im Park des Schlosshotels entstanden sind. Überall wurde eine Woche lang gemalt: unter 200 Jahre alten Bäumen, am Angelteich, am Weinberg, auf der Wiese. Akustisch begleitet vom Ruf des Kuckucks, vom Schreien der Mauersegler und dem Schlag der Nachtigall. Open Air eben. Hemmungen, die eine weiße Leinwand durchaus verursachen kann, wichen schon bald einer unbändigen Lust auf Kreativität.

Das mit EU-Geldern geförderte polnisch-deutsche Malerpleinair, organisiert von Teresa Zima, der Direktorin des Hauses der Kultur in Szprotawa (Sprottau), war nicht das erste seiner Art. Diesmal stand es unter dem Thema "Barrieren reduzieren - gemeinsame Stärken nutzen". Zum wiederholten Male mit dabei und immer den Skizzenblock parat, um Details einzufangen, war der 82-jährige Joachim Kobelius aus Guben. Pleinairerfahrungen haben auch Sylvia Bleasing und Gitta Kulisch aus Spremberg sowie Frank-Reiner Woyt aus Reuthen, um nur einige der deutschen Laienkünstler zu nennen. Sie probierten sich aus und genossen das entspannte Ambiente.

Mit großer Energie verwandelte Waldemar Pawlikowski, Leiter der städtischen Kunstgalerie von Gubin, weiße Flächen in Bilder, in die sich der Betrachter verlieren konnte. Der Maler, Musiker und Autor ließ sich dabei auch nicht von den Eintagsfliegen stören, die der Wind an die Ölfarben klebte. Beim Malen war jeder mehr oder weniger in sein eigenes Schaffen vertieft und gab die Welt wieder, wie er sie sah - gedämpft in friedlichen Farben oder sommerlich bunt, abstrakt oder naiv. Die Laienkünstler aus Zary, Zielona Gora, Gubin und aus dem Spree-Neiße-Kreis sahen einander über die Schulter, guckten sich manches ab, ermutigten, gaben Hinweise. Nach getaner Arbeit saß man dann gerne noch in fröhlicher Runde zusammen. Alte Kontakte wurden vertieft, neue Freundschaften geknüpft, und wenn es an Sprachkenntnissen fehlte, halfen Mimik und Gestik.

Als der Bürgermeister die Künstlergruppe im Sprottauer Rathaus empfing, sprach er davon, dass er am Ende des Pleinairs 20 Bilder wolle. Kaufen? Geschenkt? "Erst einmal sehen." Zu sehen bekamen Josef Rubacha, Teresa Zima, die Einwohner der Stadt und viele Touristen weitaus mehr. Die Vernissage fand am 23. Juni statt, dem polnischen Vatertag. Vor dem Rathaus sorgte ein Kulturprogramm für Unterhaltung. Eine große Leinwand war gespannt, Farbtöpfe luden ein, das schwarz-weiße Bild bunt auszumalen. Die Kinder ließen sich das nicht zweimal sagen. Dann griffen auch die deutschen und polnischen Künstler zum Pinsel.