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| 22:00 Uhr

Diskussion nach Vorfällen in Gubener Asylbewerberheim
Brennpunkt Deulowitzer Straße

 In wenigen Tagen ist es zweimal zu blutigen Auseinandersetzungen in der Flüchtlingsunterkunft in der Deulowitzer Straße gekommen.
In wenigen Tagen ist es zweimal zu blutigen Auseinandersetzungen in der Flüchtlingsunterkunft in der Deulowitzer Straße gekommen. FOTO: LR / Daniel Schauff
Guben. Zwei Attacken in zwei Wochen im Asylbewerberheim. Wie’s nun weitergeht, ist offen. Von Daniel Schauff

Schon wieder? Die Frage wird einer ganzen Reihe von Gubenern am Donnerstagnachmittag durch den Kopf geschossen sein, als die Polizei über einen weiteren Zwischenfall mit blutigem Ende in der Gubener Asylbewerberunterkunft in der Deulowitzer Straße informiert hat. Ein 20-jähriger polizeibekannter Syrer sticht auf einen 19-jährigen Äthiopier ein. Der landet im Krankenhaus, der Syrer bei der Polizei. Erst ein paar Tage zuvor war er auf dem Revier, ebenfalls wegen eines Angriffs mit einer Stichwaffe, diesmal auf einen Landsmann. Der erste Fall vom Dienstag vergangener Woche endet mit einem Beil-Angriff auf Mitarbeiter der Unterkunft. Die können sich nur mit der Flucht in ein Büro retten, bis die Polizei vor Ort eintrifft.

Der Fall soll am Montag ausgewertet werden, heißt es vonseiten des Landkreises. Der ist zuständig für die Unterbringung von Asylbewerbern auch in Guben. „Als zuständige Ausländerbehörde sind wir über die aktuellen Vorfälle in der Gubener Asylbewerberunterkunft informiert“ sagt auch Carsten Konzack, Leiter der Ausländerbehörde Cottbus/Spree-Neiße. Vorschnell will Konzack keine möglichen Konsequenzen für die Unruhestifter im Gubener Asylbewerberheim öffentlich machen. „Wir müssen aber die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen abwarten, bevor wir gegen die beteiligten ausländischen Akteure ausländerbehördliche Maßnahmen einleiten“, sagt der Fachbereichsleiter. Die Maßnahmen seien abhängig vom aktuellen ausländerrechtlichen Status der jeweiligen Person.

Viel ist über den nun zweimal binnen weniger Tage auffällig gewordenen 20-Jährigen nicht bekannt. Offenbar hat er allerdings wenig Interesse an Integration, spricht kein Deutsch. Wie Polizeisprecher Torsten Wendt bestätigt, konnte er nur mit der Hilfe eines Dolmetschers vernommen werden.

Klar ist: Einem Ermittlungsverfahren und einem Gerichtsverfahren werden sich die Beteiligten kaum entziehen können. Der Täter von Donnerstag ist 20 Jahre alt, der Angreifer mit Beil sogar 22. Ein Strafverfahren nach Erwachsenenstrafrecht ist wahrscheinlich. Die immer wieder geschehenden Zwischenfälle in der Unterkunft am Gubener Altstadtrand aber wird das nicht ungeschehen machen.

Ein Blick zu den Nachbarn nach Cottbus. Anfang 2018 bringen Stadt und Ausländerbehörde eine negative Wohnsitzauflage für einen wiederholt straffällig gewordenen 15-jährigen Syrer und seinen Vater ins Spiel. Zuvor war der Jugendliche aufgefallen, als er gemeinsam mit weiteren Flüchtlingen ein älteres Ehepaar vor dem Einkaufszentrum „Blechen Carré“ bedroht hatte. Auch ein Messer soll im Spiel gewesen sein. Wenige Wochen später setzt die Stadt die negative Wohnsitzauflage – gleichsam eine Ausweisung aus Cottbus und Spree-Neiße – aus. Der Junge habe sich gebessert, besuche die Schule, auch der Vater zeige Integrationswillen. Es wäre landesweit die erste negative Wohnsitzauflage gewesen, das härteste Mittel der Kommune gegen Wiederholungstäter unter den Flüchtlingen, die nicht abgeschoben werden. Syrien etwa gilt als unsicheres Herkunftsland.

Ob Ausländerbehörde und Kreisverwaltung eine negative Wohnsitzauflage in Betracht ziehen könnten, bleibt am Freitag, einen Tag nach dem zweiten Zwischenfall, offen.