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| 14:00 Uhr

Guben
Mit Knäckebrot und Wasser für fünf Minuten in den Knast

Die Gubener Gymnasiasten Niclas Piatkowski und Jördis Wipfler schlossen mutige Besucher für fünf Minuten in die Zellen ein.
Die Gubener Gymnasiasten Niclas Piatkowski und Jördis Wipfler schlossen mutige Besucher für fünf Minuten in die Zellen ein. FOTO: Ute Richter
Guben . Gubener Gymnasiasten schließen Besucher im ehemaligen Gefängnis weg, lassen sie aber gleich wieder frei.

Der Städte- und Gemeindebund lädt jedes alle Kommunen, die mit Mitteln der Städtebauförderung an der Gestaltung ihrer Städte und Gemeinden arbeiten, zur Mitwirkung am Tag der Städtebauförderung ein. Auch Guben beteiligte sich wiederholt an diesem Tag und öffnete diesmal seine Türen im ehemaligen Gubener Gefängnis.

400 000 Euro Fördermittel flossen in die Sicherungsmaßnahmen des unter Denkmalschutz stehenden Objektes, welches der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) gehört. Mit der Sicherung soll das historische Gebäude nun vor allem für Investoren interessant gemacht werden, denn bisher gab es noch keine Zukunftsidee für dieses Haus.

Das Gubener Gefängnis war für die Öffentlichkeit vor rund fünf Jahren bei der Museumsnacht schon einmal zugänglich. Der Ansturm damals war riesengroß. 1899 erbaut, wurde das Gefängnis mit der Verwaltungsreform in der ehemaligen DDR 1952 in eine Untersuchungshaftanstalt umgewandelt. 1962 verließen die letzten Häftlinge das Gemäuer. Bis 1991 nutzte die Polizei das Gebäude als Materiallager.

Damit dieser Tag für die zahlreichen Besucher auch unvergesslich bleibt, hatten sich die Gubener Gymnasiasten des Pestalozzi-Gymnasiums gemeinsam mit der Guwo und der Stadt etwas Besonderes einfallen lassen. Gegen einen kleinen Obulus, der bei der Finanzierung des Abiturballs der Schüler helfen soll, konnten sich Mutige in die Zellen einschließen lassen. Dafür waren die Zellen im ersten Obergeschoss mit Liegen, Pappen als Matratzenersatz und Decken ausgestattet worden.

Fleißig hatten die jungen Leute am Vormittag alles aufgebaut. Und weil die „Gefangenen“ nicht hungern und verdursten sollen, gab es einen Becher Wasser sowie Knäckebrot mit in die „Unterkunft auf Zeit“. Für fünf Minuten schlossen die  Zwölftklässler immer wieder die Türen hinter den mutigen Besuchern. „Heute können die Leute mal einen Eindruck davon bekommen, wie sich ein Gefangener hier gefühlt haben muss. Doch wir lassen sie gleich wieder raus. Das Glück hatten die echten Eingesperrten damals nicht“, erzählen Marcel, Niclas, Jördis, Evelin, Victoria, Valeria und Nils.  Stadtwächter Andreas Peter empfing die Besucher schon vor der Tür. Er erzählte, dass das Gefängnis kurz vor Weihnachten 1899 in Betrieb genommen wurde. Die letzte Hinrichtung fand im Dezember 1933 statt – es soll eine Kindsmörderin gewesen sein. Über die ersten und letzten Insassen hingegen weiß man nichts, so Peter. Doch man weiß, dass bekannte Gubener wie beispielsweise die Brüder August und Wilhelm Wilke und der Hutfabrikant Schäfer dort einsaßen. „Das war im Rahmen einer Aktion, bei der viele Selbstständige verhaftet worden waren“, so der Stadtwächter.

4,155 Millionen Euro hat die Stadt Guben in den Jahren 2016 bis 2018 an Fördermitteln in die Städtebauförderung gesteckt. Das Programm „Aktives Stadtzentrum“ war dort ebenso eingeschlossen wie die Teilprogramme Aufwertung, Sanierung, Sicherung und Erwerb von Altbauten und Rückbau. Der Tag der Städtebauförderung fand zum vierten Mal statt. Mehr als 400 Kommunen aus ganz Deutschland haben sich daran beteiligt.