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Ministerin bringt Geld und Ruhm an die Neiße

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (3.v.r.) übergab die Auszeichnung vor der schicken Fassade an Guwo-Geschäftsführer Martin Reiher (4.v.l.).
Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (3.v.r.) übergab die Auszeichnung vor der schicken Fassade an Guwo-Geschäftsführer Martin Reiher (4.v.l.). FOTO: sha
Guben. "Das Ergebnis lohnt sich", sagt Kathrin Schneider, Infrastrukturministerin in Brandenburg (SPD). Die gut sichtbare Fassade in der Gubener Pestalozzistraße sei quasi eine "Landmarke" in der Stadt, an der sie sich auch selbst bei ihrer Anreise orientiert habe. Silke Halpick / sha

Neben der Auszeichnung für die Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) für die Gestaltung hat die Ministerin auch einen 2,1 Millionen Euro schweren Fördermittelbescheid für die Stadt mitgebracht, den sie am Freitagmorgen überreicht.

Für den amtierenden Bürgermeister Fred Mahro kommt das Geld "genau zur richtigen Zeit", wie er sagt. Mit insgesamt 1,3 Millionen Euro sollen die denkmalgeschützten Gebäude entlang der Karl-Marx-Straße in der Altstadt West saniert sowie der Hort in der Gubener Friedensschule erweitert werden. Weitere 800 000 Euro sind für den Abriss von Wohngebäuden im Wohnkomplex II vorgesehen.

"Guben gehört zu den Städten, die es nicht einfach hatten und haben", sagt Maren Kern vom Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Während Berlin mit einem "starken Zuzug" kämpfe, seien in Guben nach wie vor die hohen Leerstände eine "besondere Herausforderung". Allerdings bescheinigt sie der Stadt auch, in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität gewonnen zu haben.

Als ein besonders gelungenes Beispiel für Kunst am Bau bezeichnet Kern die neu gestaltete Giebelwand des Wohngebäudes in der Pestalozzistraße. Hier finden sich Persönlichkeiten der Stadtgeschichte wie Gubens bekanntester Hutmacher Carl Gottlob Wilke, die von Goethe verehrte Sängerin und Schauspielerin Corona Schröter oder der zeitweilige Namensgeber der Stadt, Wilhelm Pieck, wieder.

Insbesondere Pieck habe für "diverse Diskussionen" gesorgt, erzählt Guwo-Geschäftsführer Martin Reiher gut gelaunt. "Letztlich hat er es aber aufs Bild geschafft", sagt er. Tatsächlich "spannend" findet auch Kern die Zusammensetzung der Persönlichkeiten - vom ersten Präsidenten der DDR bis hin zu Vertretern der kapitalistischen Bourgeoisie. "Bei der Straßenbahn dachte ich, die ist echt", sagt sie. Am Entwurf mitgearbeitet hat der Gubener Stadthistoriker Andreas Peter.

Für die kreative Gestaltung der vorher eher schmucklosen Fassade verleiht der BBU dem Gubener Wohnungsunternehmen am Freitag ganz offiziell das Qualitätssiegel "Gewohnt gut - fit für die Zukunft". Nur sechs Objekte jährlich im gesamten Land Brandenburg und Berlin werden ausgezeichnet. 96 Titel wurden bisher verliehen, für die Guwo ist es der zweite.

Über die Auszeichnung für die Guwo freut sich auch der amtierende Bürgermeister Fred Mahro. Nach "großen Turbulenzen" in der Vergangenheit sei die 100-prozentige Tochter der Stadt jetzt finanziell wieder gut aufgestellt. Für den Stadtchef geht es künftig auch darum, "noch stärker die Menschen" beim Stadtumbau "mitzunehmen". Von besonderer Bedeutung sei attraktiver Wohnraum in der Innenstadt, der die Entscheidung für den Umzug aus den Randlagen für die Betroffenen erleichtere.

Zum Thema:
Seit 1991 hat Guben bereits rund 52,5 Millionen Euro Fördermittel von Land und Bund für die Stadtentwicklung erhalten. 24,3 Millionen Euro wurden für die Modernisierung und Instandsetzung von Wohnungen bewilligt.Zu den aktuellen Großprojekten der Stadt gehört der Ausbau des Bahnhofs, der von 1000 Ein- und Aussteigern täglich genutzt wird. Die Hälfte davon stammt aus dem benachbarten Gubin. Mit einer eigenen Nahwärmeversorgung im Klimaquartier Hegelstraße soll der Kohlendioxidausstoß in diesem Wohngebiet um 50 Prozent gemindert werden. (sha)