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| 02:38 Uhr

Menschenkette als Erfolg für Kohlegegner

Für die Veranstalter war die Menschenkette-Aktion mit 7500 Teilnehmern ein voller Erfolg.
Für die Veranstalter war die Menschenkette-Aktion mit 7500 Teilnehmern ein voller Erfolg. FOTO: dpa
Groß Gastrose. Als "vollen Erfolg" bezeichnen die Organisatoren die Menschenkette von Kerkwitz nach Grabice in Polen. Rund 7500 Menschen haben sich an der Protestaktion beteiligt. Überwältigt von der großen Unterstützung waren vor allem die Menschen in den vom Tagebau bedrohten Dörfern. Silke Halpick

"So viele Menschen an einem einzigen Tag habe ich noch nie in Groß Gastrose gesehen", sagt Wilfried Buder. Auch drei Tage nach dem Großereignis ist der Ortsvorsteher noch immer beeindruckt von der "großen Zahl der Sympathisanten". Insgesamt 7500 Kohlegegner haben sich nach Veranstalterangaben an der deutsch-polnischen Protestaktion beteiligt. Mit 5000 Menschen wurde im Vorfeld gerechnet.

"Es war ein bisschen wie Weihnachten. Wir wussten nicht, was uns erwartet. Doch am Ende waren wir glücklich", sagt Thomas Burchardt von der Klinge Runde. Die Interessenvereinigung gehörte zu den Mitorganisatoren der Aktion, die im Rahmen des diesjährigen Klimacamps stattfand. Unterstützt wurde die Menschenkette auch von großen Umweltorganisationen wie Greenpeace, Robin Wood und Campact. In 90 Bussen reisten Umweltaktivisten aus 20 Ländern an. Darunter waren Ungarn, Franzosen, Schweden, Finnen und Tschechen. "Mit der Menschenkette haben wir einen neuen Standard gesetzt, was die internationale Zusammenarbeit betrifft", betont Burchhardt.

"Es sind aber auch jede Menge Gubener und Schenkendöberner gekommen", sagt Peter Jeschke. Der Bürgermeister der Gemeinde Schenkendöbern hatte sich direkt an der Neiße in Groß Gastrose in die Menschenkette eingereiht. "Neben mir standen Menschen aus Frankfurt am Main, die mitten in der Nacht losgefahren sind, um hier dabeizusein", erzählt er. Mit einer so großen Resonanz habe er nicht gerechnet. "Das macht Mut im Kampf gegen den Tagebau Jänschwalde-Nord", so Jeschke.

"Ich habe die Deutschen noch nie so emotional gesehen", sagt Anna Dziadek von der polnischen Bürgerinitiative "Nie Kopalni Odkrywkowej" (Tagebau Nein!). Deutsche und Polen haben sich nicht nur die Hand gereicht, um die Menschenkette zu schließen, sondern im Anschluss an die Aktion sogar umarmt. "Männern standen Tränen der Rührung in den Augen", erzählt Dziadek. Auf die vielen polnischen Teilnehmer sei die erklärte Kohlegegenerin besonders stolz. "In unserem Land werden 90 Prozent der Energie aus Kohle gewonnen", begründet sie. Dementsprechend stark sei die Braunkohle-Lobby.

Auch während der Menschenkette-Aktion hat es Gegenaktionen von polnischen und deutschen Kohle-Befürwortern gegeben. Der Verein Pro Lausitzer Braunkohle und die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie und Energie (IG BCE) hatten beispielsweise auf Plakaten für die Arbeitsplätze in der Braunkohleindustrie geworben. Auf der polnischen Seite wurden Flugblätter verteilt und den Angaben zufolge die Pressekonferenz der Kohlekritiker gestört.

Aus Sicht der Polizei verlief die Aktion allerdings friedlich. "Es gab keine Vorkommnisse", sagt Bernd Birnfeld, Leiter des Gubener Polizeireviers. Im Einsatz waren seinen Angaben zufolge nur einige wenige Polizisten, die "neuralgische Punkte" absicherten. Dazu gehörten unter anderem der Kerkwitzer Bahnhof, der Bereich der B 112 sowie die für den Autoverkehr gesperrte L 46 zwischen Kerkwitz und Groß Gastrose.

"Es gab keinen Unfall, keinen Blech- und keinen Personenschaden", zieht auch Wilfried Buder Bilanz. Die Groß Gastroser haben sich seiner Ansicht nach als gute Gastgeber erwiesen. Jede Menge Kuchen sei für die Teilnehmer der Großaktion gebacken worden. Die Taubendorfer hatten Bratwürste auf den Grill gelegt, die Granoer Schulküche Kartoffelsuppe gekocht. "Jeder hat seinen Job gut gemacht", so Buder.

Als "Teamwork auf allen Ebenen" bezeichnet auch Thomas Burchhardt die Zusammenarbeit bei der Organisation der Aktion, über die sogar in überregionalen Tageszeitungen und im Fernsehen berichtet wurde. Für ihn steht fest: "Wir machen weiter und hören nicht auf, bevor die Kohlebagger still stehen."

Kommentar zum Artikel: Kohle-Debatte geht weiter