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| 17:20 Uhr

Menschen treiben auf der Neiße

Insgesamt 57 Gubener und Gubiner haben sich am Samstag in die reißenden Fluten der Neiße gewagt. Bereits zum fünften Mal luden Deutsche und Polen zum gemeinsamen Neißetreiben ein.
Insgesamt 57 Gubener und Gubiner haben sich am Samstag in die reißenden Fluten der Neiße gewagt. Bereits zum fünften Mal luden Deutsche und Polen zum gemeinsamen Neißetreiben ein. FOTO: Pozar
Guben. Insgesamt 57 Gubener und Gubiner haben sich am Samstag in die reißenden Fluten der Neiße gewagt. Bereits zum fünften Mal luden Deutsche und Polen zum gemeinsamen Neißetreiben ein. zar1

Auch das elf Grad Celsius kühle Wasser schreckte die Schwimmer nicht ab. Einige hatten sich mit Baströckchen geschmückt, die meisten waren jedoch mit einem Neopren-Anzug unterwegs.

"Oh nein, die haben das Wasser gestaut", rief Joachim Kloß vom Gubener Bootsverein etwa eine halbe Stunde vor dem Start an den Neißeterrassen erschrocken. Doch im selben Augenblick wurden die Schotten des Wehrs geöffnet, und die Unterneiße führte zusehends mehr Wasser. Mit einer Strömungsgeschwindigkeit von sieben bis acht Kilometern pro Stunde sei die Neiße einer der schnellste Flüsse Europas. "Man muss sich einfach ins Wasser legen und sich treiben lassen", erklärte Regine Wächtler-Richter von der Gubener Wasserwacht. Sie hatte auch noch einen Tipp: "Auf den Rücken legen, ein Hohlkreuz machen, die Füße nach vorn, damit man eventuelles Treibgut beizeiten sieht. Treiben lassen kann sich jeder." Dieses Mal sei das Wasser ziemlich schmutzig, weil sich in der Oberneiße jede Menge Treibgut angesammelt hatte. "Da muss man schon ziemlich vorsichtig sein", so Regine Wächtler-Richter.

Hans-Jürgen Gräber aus Guben wagte sich erstmals als Schwimmer in die Neiße. "Ich habe schon etwas Muffensausen", gab der 62-Jährige zu. Die Helmkamera sollte die Tour aufzeichnen. Bisher ist er immer mitgepaddelt. "Das macht einfach Spaß. Ich habe Freude an jeglicher Bewegung", begründete er seinen Sprung in die Neiße. Seit drei Jahren kommt Helmut Schlee aus Finsterwalde zum Neißetreiben nach Guben, sonst schwimmt er "jeden Sonn- und Feiertag in der Elbe herum. Egal, wie kalt es ist. Nur in Badehose", versicherte der 61-Jährige.

Bernd Unger aus Guben gestand: "Ich würde da nie bei diesen Temperaturen reingehen. Besser ist Zuschauen."

Unter dem Applaus zahlreicher Zuschauer an den Neißeufern und auf der Fußgängerbrücke sprangen die Mutigen gegen 14 Uhr ins frische Nass. Allerdings war nach einigen Hundert Meter erst einmal Schluss mit dem Sich-Treiben-lassen. Das Wasser war einfach zu niedrig. Also wurde in Höhe Nordbrücke durch das Wasser gestapft, bis es wieder tiefer wurde. Strahlend und singend winkten die Neiße-Eroberer den Zuschauern am Ufer zu. Auch Hans-Jürgen Gräber jubelte seiner Frau zu, die jede Menge Fotos machte.

Eigentlich war am Ziel, dem alten Klärwerk, auf polnischer Seite eine Grillparty geplant. Doch die fiel buchstäblich ins Wasser, das nach 15 Uhr von oben kam. "Egal, es war wieder ein Riesenspaß. Trotzdem werden wir im nächsten Jahr wieder auf der Oberneiße starten, weil dort der Wasserstand höher ist", sagte Joachim Kloß.