ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:45 Uhr

Kommentar
Ganz egal, wer kommt

 Daniel Schauff
Daniel Schauff FOTO: LR / Sebastian Schubert
Wie wichtig ist die Villa Wolf? Für Architektur-Liebhaber sehr. Aber für  Touristen? Von Daniel Schauff

Die Frage, ob ein Wiederaufbau einen spürbaren Effekt für Gubin und für Guben bringen würde, ist strittig. Attraktionen gibt es beiderseits der Neiße, zu einem ausgesprochenen Reiseziel haben aber weder die Stadt- und Hauptkirche, noch das Plastinarium, noch die beeindruckende Bausubstanz in beiden Teilen die Doppelstadt gemacht. Ausschließlich die Touristenkarte zu spielen, ist aber falsch. Im Verbund mit der Stadt- und Hauptkirche – wenn sie denn tatsächlich ins Auge der polnischen Regierung gefallen ist – böte ein Wiederaufbau der Villa Wolf eine besondere Chance für Guben und Gubin. Immerhin erzählen beide Gebäude eine Geschichte über Deutschland und Polen, die Nachkriegsgrenze, den Verlust und Gewinn wichtigen oder beeindruckenden Erbes. Und wo könnte die Geschichte besser sichtbar werden als in einer Stadt, die der Krieg geteilt hat, die aber Schritt für Schritt wieder zusammen wächst, auch über Staatsgrenzen hinweg?

Die Idee, eine neue Villa Wolf – auch wenn sie nie die echte Villa Wolf sein wird – in einen deutsch-polnischen Kontext zu stellen, Geschichte und Architektur zu verbinden, ist grandios. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob Schüler, Architekturstudenten, Historiker oder Touristen kommen. Schön wäre es nur, wenn die Träumereien demnächst mit deutlichen Ansagen unterfüttert würden. ⇥daniel.schauff@lr-online.de