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Flüchtlinge
Mehr Mitsprache für Geflüchtete

Immer weniger Gubener kommen zum Allerweltscafé. Daher will das Netzwerk Flucht und Migration das Konzept überarbeiten.
Immer weniger Gubener kommen zum Allerweltscafé. Daher will das Netzwerk Flucht und Migration das Konzept überarbeiten. FOTO: Anne Nicolay-Guckland
Guben. Nicht über, sondern mit Flüchtlingen in Guben reden und die Selbstorganisation der Geflüchteten stärken - das sind zwei Ziele, die sich das Netzwerk Flucht und Migration auf ihrem Treffen am Montagabend für die Zukunft gesetzt hat.

Nicht über, sondern mit Flüchtlingen in Guben reden und die Selbstorganisation der Geflüchteten stärken - das sind zwei Ziele, die sich das Netzwerk Flucht und Migration auf ihrem Treffen am Montagabend für die Zukunft gesetzt hat. „Wir wissen eigentlich gar nicht so richtig, welche Probleme die Geflüchteten in Guben haben und ob wir sie richtig angehen“, gibt Flüchtlingspate Horst Wetzel zu. Er soll bald als neues Mitglied im Sprecherinnenrat nachrücken. „Es wäre hilfreich, wenn wir aus dem anderen Kulturkreis einen Vertreter bei den Netzwerktreffen hätten.“

Auch der Rest der Runde ist sich einig: Das Netzwerk Flucht und Migration will mit den Geflüchteten einen Dialog auf Augenhöhe führen. Dafür sei es aber auch wichtig, dass die Geflüchteten eine Chance bekommen, ihren Problemen einmal Luft zu machen.  „Bei akuten Problemen funktionierte das in der Vergangenheit schon ganz gut“, weiß die Gleichstellungsbeauftragte Regina Bellack. „Aber ansonsten ist die Kommunikation ein Problem.“


Das Netzwerk Flucht und Migration hat am Montagabend in großer Rund über die Zukunft diskutiert.
Das Netzwerk Flucht und Migration hat am Montagabend in großer Rund über die Zukunft diskutiert. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler / Zeidler, Michèle-Cathrin

Um in Zukunft feste Ansprechpartner innerhalb der Flüchtlingscommunity zu haben, würde das Netzwerk Flucht und Migration gerne eine Flüchtlingskonferenz durchführen. „Damit haben wir in Forst und Cottbus positive Erfahrungen gemacht“, erzählt Annette Berndt. So wurde in Forst erst im September im Rahmen der Interkulturelle Woche mit der Amadeu Antonio Stiftung eine solche Konferenz durchgeführt. Die Konferenz wurde dabei von Geflüchteten organisiert. Mit der Organisation und Durchführung dieser Konferenz sollten Geflüchtete ermutigt werden, ihre Selbstorganisation und Eigeninitiative zu stärken, Ideen zu entwickeln und sich mit Partnern vor Ort zu vernetzen. „Außerdem wurden dann auf der Konferenz von den Geflüchteten Sprecher nach den jeweiligen Länderzugehörigkeit benannt“, erklärt Annette Berndt. Seitdem gebe es in Forst Ansprechpartner aus den iranischen, syrischen und afghanischen Communitys.

„Guben und Forst sind zwar vergleichbar, aber nicht identisch“, wirft Regina Bellack ein. „Wir haben keine Kathleen Hubrich, die das Ganz hauptberuflich organisieren kann.“ Die Ehrenamtlichen im Netzwerk könnten ihrer Einschätzung nach eine solche Konferenz nur schwer stemmen. „Wir brauchen da Unterstüzung“, weiß Regina Bellack und erntet dafür Zustimmung in der Runde. Leider könne das Netzwerk dabei aber nicht auch auf die Amadeu Antonio Stiftung zurückgreifen. Das habe Regina Bellack bereits versucht.

„Wir sollten das Konzept für Guben passend machen, viel von der Konferenz in Forst übernehmen und einfach anfangen“, findet Horst Wetzel. Beispielsweise könnten die Flyer in den verschiedenen Landessprachen mit leichten Anpassungen übernommen werden. Beim nächsten Netzwerktreffen am Mittwoch, 29. November, um 17 Uhr möchten die die Beteiligten über die Umsetzung einer Flüchtlingskonferenz und eine mögliche Aufgabenverteilung diskutieren.

Dann möchte sich das Netzwerk Migration und Flucht auch noch einmal mit dem Allerweltscafé beschäftigen. Seit 2016 können sich auf dieser Veranstaltung einmal im Monat Alt- und Neu-Gubener im großen Ausstellungsraum der Stadtverwaltung treffen. Die Netzwerker bieten dafür den Raum, die Gäste bringen Essen und Trinken mit. „Anfang haben wirklich viele Gubener diese Treffen wahrgenommen“, sagt Regina Bellack. Mittlerweile habe das Interesse nachgelassen, aber es gebe einen festen Kern. Kritik äußert die Runde an der unruhigen Atmosphäre. „Wir müssen gucken, in welche Richtung es in Zukunft gehen soll“, so Regina Bellack. „Einige wollen eine strukturierte Veranstaltung und andere mehr ein lockeres Treffen.“ Auch hierbei wirft das Netzwerk einen Blick in die Region. „In Cottbus hat sich das Sprechcafé erfolgreich etabliert“, erzählt Annette Berndt. „Das ist allerdings kleiner und hat auch ein anderes Konzept.“ Auch hier will das Netzwerk schauen, wie eine solche Veranstaltungsreihe gestemmt werden könnte.

(Von Michèle-Cathrin Zeidler)