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Mehr Betreuer für Tagesgäste

Bordercolliedame Lotte kommt auch bei den Tagesgästen im Rosa-Thälmann-Heim in Guben bestens an.
Bordercolliedame Lotte kommt auch bei den Tagesgästen im Rosa-Thälmann-Heim in Guben bestens an. FOTO: Halpick
Guben. Mit einem Sprung sitzt Bordercolliehündin Lotte auf dem Stuhl und lässt sich streicheln. Einmal im Monat ist der Spremberger Bernd Müller mit seinem "Service rund um den Hund" und drei Vierbeinern im Rosa-Thälmann-Heim in Guben. Silke Halpick

"Das kommt gut an", sagt Gerlinde Keller, die neue Leiterin der Tagespflegeeinrichtung. Neben den Senioren werfen auch einige Mitarbeiter einen Blick auf die Kunststückchen der Therapiehunde.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz hat sich der Personalschlüssel für die Gubener Tagespflege-Einrichtung verbessert. Sechs Mitarbeiter in Teilzeit kümmern sich in den Stoßzeiten von 10 bis 14 Uhr um 15 Senioren. "Das ermöglicht uns eine sehr individuelle Betreuung", betont Keller. Den Tagespflegegästen, die vorwiegend aus Guben und der Gemeinde Schenkendöbern kommen, wird ein täglich wechselndes Programm geboten. Das reicht von Würfelspielen über Bingo bis hin zum gemeinsamen Backen und Kochen.

"Die Frauen bringen sogar ihre eigenen Rezepte mit", erzählt Keller. Manche von ihnen würden die Zutaten für die Quarktorte noch im Kopf haben. Im Frühling werden Stiefmütterchen gepflanzt, im Sommer Marmelade und Kompott mit Früchten aus dem Garten gekocht. Ein absoluter Renner bei den älteren Menschen sind die Badetage. "Dann drehen wir den Frauen auch die Haare ein", erzählt Keller. Viele würden sich dann fast "wie beim Friseur" fühlen.

Die Tagespflege-Einrichtungen in Deutschland gehören zu den Gewinnern der Pflegereform. So dürfen beispielsweise Demenzkranke durch das Pflegestärkungsgesetz I jetzt auch professionelle Tages- und Nachtpflege als Ergänzung zur häuslichen Pflege durch Angehörige beanspruchen, was zuvor nur körperlich eingeschränkten Personen mit Pflegestufe vorbehalten war.

Die Folge: Die Nachfrage nach Tagespflege stieg sprunghaft an. Bundesweit sind allein von Januar bis Oktober 2015 mehr als 5000 neue Tagespflegeplätze entstanden, wie der Internet-Branchenspezialist Pflegemarkt.com in einer eigenen Studie herausfand. Insgesamt 326 neue Einrichtungen seien in diesem Zeitraum an den Start gegangen, davon 28 in Brandenburg.

Auch in Guben wurden in den letzten beiden Jahren gleich zwei neue Einrichtungen eröffnet: die "Lebensräume Villa Guben" in Trägerschaft des Landesausschusses für innere Mission (Lafim) in der Altstadt sowie das Tagespflege- und Begegnungszentrum der Arbeiterwohlfahrt in der Obersprucke. 39 Tagespflegeplätze an drei Stätten gibt es aktuell in der Neißestadt. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2015. "Alle Einrichtungen sind gut nachgefragt", sagt Ina Schulz von der Stadtverwaltung bei der Vorstellung des Gesundheitsberichtes 2017 vor dem Sozialausschuss.

Die große Nachfrage ist kein Wunder angesichts der demografischen Entwicklung. Schon heute sind knapp 40 Prozent der Gubener über 60 Jahre alt. Prognosen der Bertelsmann-Stiftung zufolge wird die Neißestadt im Jahr 2030 die mit dem zweithöchsten Altersdurchschnitt in Deutschland sein - nach Bad Füssing (Passau).

Zum Thema:
Pflegebedürftigkeit wird immer mehr zum Armutsrisiko, kritisiert der Sozialverband VdK Deutschland. Viele pflegebedürftige Menschen könnten sich eine professionelle Pflege kaum noch leisten, weil der Eigenanteil immer mehr steige. Die Zahl der Empfänger von staatlicher Hilfe lag im Jahr 2013 bei 444 000. Der VdK fordert eine jährliche Anpassung der finanziellen Leistungen, die sich an der Lohn- und Preisentwicklung orientieren sollen. Verzichtet werden soll auf Unterhaltungsleistungen der Kinder, sofern deren Jahreseinkommen unter 100 000 Euro liegt.