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Mehr als nur Güterverkehr

Künftig sollen laut polnischem Raumentwicklungsplan auf der Strecke Guben-Czerwiensk wieder Personenzüge fahren.
Künftig sollen laut polnischem Raumentwicklungsplan auf der Strecke Guben-Czerwiensk wieder Personenzüge fahren. FOTO: FOTO-Werner/rww1
Spree-Neiße/Cottbus/Lubuskie. Wenn's gut läuft, braucht man vom Gubener Bahnhof bis zum Stopp Zielona Gora in Polen knapp drei Stunden. Zwischen den beiden Städten liegen laut Googlemaps genau 61,7 Straßenkilometer. Daniel Schauff

Eine Stunde Fahrzeit mit dem Auto rechnet der Routenplaner dafür aus.

Vielleicht geht es bald mit der Bahn genauso schnell wie mit den eigenen vier Rädern. Im Raumordnungsplan der Woidwodschaft Lubuskie ist der Ausbau des Schienennetzes zwischen Czerwiensk und Guben vorgesehen. Aktuell verkehren auf diesem Gleisabschnitt nur Güterzüge, mit der Modernisierung wäre auch ein Personenverkehr wieder möglich. Heißt: Künftig könnte es eine direkte und nutzbare Gleis-Verbindung zwischen den beiden Partnerstädten Cottbus und Zielona Gora geben, die auch über die Neißestadt führen würde. Bislang scheitert das an der fehlenden Elektrifizierung eines Teils der Strecke zwischen Guben und Czerwiensk.

Allerdings bleibt das "bald" äußerst vage. Zwar orientiert sich der Raumentwicklungsplan des Woiwodschaft an Entwicklungskonzepte bis 2020 und 2030, wie über den Tagebau Gubin-Brody aber sagt der Plan nicht konkret, wann der grenzüberschreitende Bahnverkehr möglich wäre. Immerhin: Im Plan ist die Modernisierung der Strecke Gubin-Czerwiensk als eine der wichtigsten Investitionsmaßnahmen der Verkehrsenwicklungsstrategie 2020 und den Nationalen Programms "Schienenverkehr 2023" aufgeführt.

Das registrieren auch diejenigen, die zu einer Stellungnahme zum Raumordnungsplan aufgerufen waren, darunter die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern. "Aus Sicht der Stadt Guben kommt einer Weiterführung der Bahnstrecke LK 358 bis Guben (Deutschland), verbunden mit der Möglichkeit, eine grenzüberschreitende Verbindung zwischen Zielona Gora und Cottbus aufzunehmen, eine besondere Bedeutung zu", heißt es in der Stellungnahme der Stadt Guben. Mit LK 358 ist der nicht für den Personenverkehr genutzte Abschnitt gemeint, der bislang Reisenden zwischen Cottbus oder Guben und Zielona Gora den Umweg über Frankfurt (Oder) beschert. Die Entwicklungsmöglichkeiten beiderseits der Grenze würden mit einer durchgehenden Bahnverbindung deutlich erhöht, schätzt Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro ein.

Auch die Gemeinde Schenkendöbern begrüßt die Ausbaupläne für Bahnstrecken über die Grenze hinweg, erwähnt auch die Modernisierung des Streckenabschnitts Forst-Zary, den einst der "Wawel" zwischen Hamburg und Wroclaw (Breslau) befuhr. Mit einer Sanierung und Elektrifizierung wäre eine Neuauflage des Wawel wieder drin. Ende 2014 war der letzte Zug von Berlin nach Wroclaw nur unter Protest zahlreicher Politiker ein letztes Mal gefahren. Das Trostpflaster ist der Kulturzug, der regelmäßig ausgebucht ist und Cottbus mit der Kutlurhauptstadt 2016 beim polnischen Nachbarn verbindet. Einen erneuten Bahnanschluss in eine polnische Großstadt würde auch Angelika Geisler, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung in Forst, begrüßen. Derzeit führt die einzige Bahnverbindung nach Polen zweimal täglich nur bis nach Zagan, 46 Kilometer entfernt von Zielona Gora, 163 von Breslau.

Zum Thema:
Guben und Gubin planen noch bis Ende 2017 eine deutsch-polnische Buslinie in der Doppelstadt. Damit sollen der Busbahnhof in Gubin mit der Innenstadt in Guben verbunden werden, so dass ein unkomplizierter grenzüberschreitender Busverkehr möglich wäre. Langfristig wollen beide Städte einen Linienplan entwickeln, der die deutsche und die polnische Seite so miteinander verbinden, als gäbe es den Grenzübergang nicht. Eine Umfrage hatte ergeben, dass vor allem Gubiner sehr an einer Busverbindung in die deutsche Hälfte der Neißestadt interessiert wären.