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Medienandrang im Streit um die Gubener Apfelkrone

Das Medieninteresse ist groß: Steidel steht Frage und Antwort. Auf einen Anwalt verzichtet er vor dem Amtsgericht.
Das Medieninteresse ist groß: Steidel steht Frage und Antwort. Auf einen Anwalt verzichtet er vor dem Amtsgericht. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Wo in der Wahlausschreibung des Marketing- und Tourismusvereins (MuT) denn gestanden habe, dass der Apfelkönig oder die Apfelkönigin einen Führerschein haben müsse?, will der Richter von Marko Steidel wissen. "Das war nicht geschrieben", sagt Steidel. Daniel Schauff / dsf

Dass Antonia Lieske, amtierende Apfelkönigin in Guben und Schenkendöbern, keine Fahrerlaubnis besitzt, ist Steidels Hauptargument, warum sie den Titel der Symbolfigur nicht weiter tragen dürfe. Die Wahl vom letzten Jahr soll für ungültig erklärt werden, fordert Steidel: "Hätte sie gesagt, dass sie keinen Führerschein hat, hätte ich mehr Stimmen bekommen", sagt er zum Richter. Deshalb sei die Wahl vor knapp einem Jahr manipuliert gewesen.

Das sei aber doch eine Vermutung, fragt der Richter. Ja, sagt Steidel, eine Vermutung. "Tragbare Anhaltspunkte haben Sie nicht?", fragt der Richter. Steidel: "Nein."

Für gerade einmal zehn Minuten Verhandlungszeit hatten sich Kamerateams, Reporter und interessierte Gubener in den Saal im Gubener Amtsgericht gequetscht, darunter die Familie der amtierenden Apfelkönigin, der aktuelle Kandidat Steffen Heese, Kerstin Geilich als Geschäftsführerin des Marketing- und Tourismusverbands (MuT) und Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro.

Einmal muss der Richter die Zuhörer um Ruhe bitten, als sich in den Reihen Gelächter über die Ausführungen Steidels breitmacht. Es gehe also jetzt um die Gültigkeit der Wahl 2016 und die Aufgaben der amtierenden Apfelmajestät, sagt der Richter. Er wolle nur noch einmal nachfragen.

Eine Einigung ohne Gerichtsstreit schließt Klaus-Dieter Fuhrmann, Anwalt des MuT, gleich zu Beginn aus und stellt klar: Es sei tatsächlich keine Voraussetzung für die Symbolfigur, einen Führerschein zu besitzen.

Bisher aber, sagt Steidel, hätten alle Apfelköniginnen einen Führerschein gehabt, also sei das Voraussetzung.

"Das war's", sagt der Richter plötzlich. Die Verhandlung ist vorbei. Ein Urteil verkündet das Gericht am 7. September. "Da muss aber keiner kommen", sagt er.

Prozess im Apfelkönig Streit - Interview bei radioeins

Steidel stellt kurz darauf am Telefon noch einmal klar: "Ich habe noch nicht verloren." Und falls das Gericht gegen ihn entscheide, gehe er in Berufung. Noch einmal im Gerichtssaal erscheinen wird er so oder so. Vom MuT fordert Steidel Schadenersatz, insgesamt 25 000 Euro - um die ersten 5000 Euro geht es am 19. September in einer neuen Verhandlung am Gubener Amtsgericht in Sachen Marko Steidel gegen den MuT.

Zum Thema:
Ein Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz, mit dem Steidel eine Zulassung zur diesjährigen Wahl am 10. September durchsetzen wollte oder Schadenersatz in Höhe von 20 000 Euro forderte, hat das Amtsgericht zurückgewiesen. Eine Beschwerde dagegen beim Landgericht hatte keinen Erfolg. Für das bisherige Klageverfahren muss Steidel nun 1035 Euro zahlen. Tut er das nicht, wird dieses Verfahren weggelegt. Zahlt er, wird sich das Landgericht damit beschäftigen. Einfluss auf die Verfahren am Amtsgericht hat das nicht. (dsf)