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Mann stirbt bei rätselhaftem Unfall

Auf der B 115 zwischen den Abzweigen nach Tschernitz und Eichwege überrollte ein Auto in der Nacht zum Freitag einen Mann, der auf der Fahrbahn lag.
Auf der B 115 zwischen den Abzweigen nach Tschernitz und Eichwege überrollte ein Auto in der Nacht zum Freitag einen Mann, der auf der Fahrbahn lag. FOTO: René Wappler
Spree-Neiße. Albtraum auf der Bundesstraße 115 zwischen den Abzweigen nach Tschernitz und Eichwege: Ein Auto hat am Donnerstag kurz vor Mitternacht einen Mann überrollt, der aus ungeklärten Gründen auf der Fahrbahn lag. Nach Angaben der Polizei starb der 49-Jährige sofort. René Wappler

Derzeit scheint nur so viel festzustehen: Der 56-jährige Autofahrer war um 23.15 Uhr auf der Bundesstraße unterwegs. Er erkannte den liegenden Mann nicht mehr rechtzeitig, um ihm auszuweichen, und fuhr über ihn hinweg. Erst dann bremste das Auto.

Die Polizeibeamten aus der Nachtschicht begaben sich sofort zur Unfallstelle. Sie ließen die Straße sperren. Zudem riefen sie den Sachverständigen der Dekra, Ronald Kanter, an, um ihn in die Unfallanalyse einzubeziehen. Er sagt: "Ich war in der Nacht zum Freitag vor Ort, wo ich mich um das Vermessen der Spurenlage kümmerte und Fotos anfertigte." Nun wartet er weitere Schritte der Polizei und der Staatsanwaltschaft ab, ohne die er sich zur möglichen Ursache des Unfalls nicht näher äußern möchte. "Ich nehme keine öffentlichen Spekulationen vor", erklärt Ronald Kanter.

Der Autofahrer steht unter Schock. Polizeisprecher Torsten Wendt gibt zu bedenken: "Man muss sich nur mal vorstellen, wie es den meisten Menschen schon nach einem Wildunfall geht, das zehrt an den Nerven." Umso schlimmer treffe es einen Autofahrer, wenn jemand bei einem Unfall stirbt - völlig unabhängig von der Schuldfrage.

Die Bundesstraße blieb bis zum Freitagmorgen gegen 6.45 Uhr gesperrt. Die Polizeibeamten informierten die Staatsanwaltschaft. Wie Pressesprecher Torsten Wendt erläutert, wird in der Regel ein Seelsorger hinzugezogen, der mit der Familie des Verstorbenen spricht.

Die Polizei erforscht nun den möglichen Grund des Unfalls auf der Bundesstraße 115. Ähnlich wie der Dekra-Sachverständige halten sich die Beamten momentan mit Vermutungen zurück.

3368 Menschen starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2014 auf deutschen Straßen. Gerade zum Anbruch des Frühlings seien "mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer" unterwegs - wie zum Beispiel Fußgänger. Im Land Brandenburg starben bei Unfällen auf der Straße im vergangenen Jahr 139 Menschen. Diese Zahl liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Im Jahr 2011 begründete das Bundesministerium für Verkehr ein Sicherheitsprogramm. Das Ziel lautet: Die Zahl der Unfalltoten in Deutschland soll bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent sinken. In der Einleitung heißt es: "Das Programm zielt vor allem auf dieMinderung menschlichen Leids ab." 60 Prozent aller Verkehrstoten verunglücken demnach auf den Landstraßen.

Allerdings werden die Ideen, die das Ministerium gesammelt hat, auch künftig Autofahrer und Passanten kaum vor einem tragischen und nahezu unvorhersehbaren Unfall schützen, wie er sich in der Nacht zum Freitag auf der Bundesstraße 115 bei Döbern ereignet hat. So enthält das Programm Projekte wie das Einrichten eines dritten Fahrstreifens an riskanten Stellen, Spurhalte-Assistenzssysteme in den Fahrzeugen und hindernisfreie Seitenräume, die Autofahrer vor einer Kollision mit einem Baum schützen sollen.

Für ein Tempolimit von 80 km/h auf den klassischen Landstraßen plädiert unterdessen Professor Reinhold Maier vom Institut für Verkehrsplanung in Dresden. Eine Geschwindigkeit von 100 km/h hält er auf Überlandverbindungen für zulässig - wenn sie großzügig genug gestaltet sind. "Man wird deshalb gut prüfen, wo solche Straßen ohne Schaden für Landschaft und Umwelt angelegt werden können", sagte der Wissenschaftler bei einem Seminar mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Im Grunde dürften nach seinen Worten Hindernisse wie Pfosten, Geländer, Abhänge oder auch Bäume an solchen Straßen nicht zu finden sein.

Kommentar: Tempo runter auf der Landstraße

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Schon im Oktober 2014 ereignete sich auf der Bundesstraße 115 ein tödlicher Unfall. Im Abschnitt zwischen Rietschen und Weißkeißel kollidierte ein Auto auf gerader Strecke nahezu frontal mit einem 40-Tonner. Der 27-Jährige Fahrer des Autos starb an seinen Verletzungen. Die Polizei ging nach ihren Ermittlungen davon aus, dass er die Kollision mit dem Lastkraftwagen mutwillig in suizidaler Absicht herbeigeführt hatte.