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Männer, die Guben entscheidend prägten

Guben.. Das Jahr 1931 neigte sich unaufhaltsam seinem Ende zu. Viele Gubener dachten: „Endlich!“ Der letzte Monat jenes ereignisreichen Jahres war schon bald zur Hälfte verflossen. Jedermann stellte sich auf das nahende Weihnachtsfest und den Jahreswechsel ein. Andreas Peter


Die anschwellende Festtags-Vorfreude wurde vielen jedoch durch die Mitteilung über das Ableben des Dirigenten, Gesangslehrers und Komponisten Fritz Zierau mit einem Schlage genommen. Als der Tod ihm am 13. Dezember 1931 für immer seinen Taktstock aus der Hand nahm, lag eine 27-jährige vielfältige musikalische Tätigkeit in Guben hinter ihm.
Im Frühjahr des Jahres 1904 war Fritz Zierau nach Guben gekommen. Der Gemeindekirchenrat der Stadt- und Hauptkirche sowie die Leitung des Gymnasiums versprachen sich viel von dem damals noch nicht mal 40-jährigen Musiker. Schließlich hatte er mit Eduard Köllner, Traugott Ochs und Franz Wagner bedeutende Vorgänger in Guben, an deren hohe Maßstäbe und musikalische Leistungen anzuknüpfen eine nicht geringe Herausforderung darstellte.
Doch der am 30. Januar 1865 in Demker in der Altmark geborene Zierau sollte die in ihn gesetzten Erwartungen vollauf erfüllen. Schließlich hatte er schon als 13-Jähriger ein melodisches Streichquartett komponiert und am Seminar in Barby (Landkreis Schönebeck) eine hervorragende Ausbildung erfahren. Studien in Magdeburg und am Berliner Institut für Kirchenmusik vervollkommneten seine Fähigkeiten, die unter anderem mit seiner Ernennung zum Königlichen Musikdirektor im Jahre 1902 eine öffentliche Anerkennung erfuhren. Zu dieser Zeit war er in Groß Salze im Kreis Magdeburg ansässig, als der seit 1900 in Guben tätige Franz Wagner nach Berlin wechselte und die Stelle als Kantor und Organist der Gubener Stadt- und Hauptkirche vacant wurde. Mit dieser Anstellung war in Guben auch die Arbeit als Gesangslehrer am hiesigen Gymnasium verbunden.
Kaum ein halbes Jahr in Guben, brachte er sein Oratorium „Christus der Tröster“ Mitte November 1904 in der Gubener Stadt- und Hauptkirche zur Aufführung. Es wurde sogar ins Niederländische übersetzt und 1917 in Rotterdam aufgeführt. Ein weiteres Oratorium aus seiner Feder trug den Namen „Jairos“ und kam erstmals 1910 in Guben zur Aufführung. Vier Jahre später gastierte er mit diesem Werk in Magdeburg und erntete dort ebenfalls sehr großen Erfolg. Mit Braunschweig, Hamburg und Basel sind weitere bedeutende Städte zu nennen, in denen Fritz Zieraus Werke erfolgreich aufgeführt wurden.
Der Musik hatte er sein ganzes Leben gewidmet. Das Kantorenamt an der Gubener Stadt- und Hauptkirche sowie die Lehrerstelle am Gubener Gymnasium ließen immer noch Gelegenheit für weitere musikalische Unternehmungen. So übernahm er 1907 neben seinem Amt als Leiter des Kirchenchores auch das des Dirigenten des „Gubener Gesangsvereins“ . Daneben veröffentlichte er eigene Kompositionen in der „Preußischen Lehrerzeitung“ und in der „Neuen Musikzeitung“ .
Als im Sommer 1905 die Kirche in Atterwasch eine neue Orgel vom Orgelbaumeister Grünberg aus Stettin erhielt, wurde Fritz Zierau gebeten, sie auf Herz und Nieren zu prüfen, und sein Urteil fiel sehr günstig aus. 1913 erhielt die Stadt- und Hauptkirche eine neue Orgel, auch hierbei wurde großer Wert auf das Urteil von Fritz Zierau gelegt. Zehn Jahre danach prüfte er die von der Firma Gustav Heinze aus Sorau in der Markersdorfer Kirche eingebaute Orgel.
Überregionale Anerkennung erfuhr er unter anderem durch die Wahl zum Bundesdirigenten des „Niederlausitzer Sängerbundes“ im Januar 1923 in Cottbus.
Wie sehr seine überaus vielfältige musikalische Arbeit in Guben selbst geschätzt wurde, lässt sich an den ausführlichen Würdigungen sowohl anlässlich seines 50. als auch seines 60. Geburtstages ermessen. In der Festschrift, die anlässlich des 3. Sängerfestes des Berliner Sängerbundes in Guben 1929 erschien, heißt es über ihn: „Als Dirigent ist er eine temperamentvolle Sängernatur, seine unverwüstliche Ruhe beruhigt die Nervösen, seine Begeisterung reißt die Massen mit.“
Umso größer war der Verlust für das Gubener Musikleben, als er im Dezember 1931 im Alter von erst 66 Jahren starb. Vier Jahre später - im Juni 1935 - errichteten ihm der „Gubener Sängerbund“ und die Gubener Stadtverwaltung auf dem Ostfriedhof einen Gedenkstein. Der Gubener Bildhauer Voß hatte den schlichten Stein aus märkischem Granit angefertigt. Leider wurde auch er ein Opfer politisch motivierter Flurbereinigung deutscher Kulturdenkmäler Anfang der 1970er-Jahre in Gubin. Was bleibt, ist seine Musik. Kürzlich wurde ein fast 100 Jahre altes Exemplar einer Veröffentlichung von Fritz Zierau wiederentdeckt (siehe Bild unten). Diese Klavierstücke werden in absehbarer Zeit wieder erklingen.