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Luthers Staub in Kerkwitz

Nach Paris, London und mehr als 60 weiteren Städten ist der Europäische Stationenweg zum Lutherjahr mit seinem Geschichtenmobil in Kerkwitz angekommen. In dem kleinen Ort der Gemeinde Schenkendöbern ist das Grund genug, ein großes Reformationsfest zu feiern.
Nach Paris, London und mehr als 60 weiteren Städten ist der Europäische Stationenweg zum Lutherjahr mit seinem Geschichtenmobil in Kerkwitz angekommen. In dem kleinen Ort der Gemeinde Schenkendöbern ist das Grund genug, ein großes Reformationsfest zu feiern. FOTO: Daniel Schauff
Kerkwitz. Zufall? Schicksal? Nein, wohl doch eher Zufall: Die Tauben, die am Mittwochabend gegen 19 Uhr in den Kerkwitzer Himmel starteten, kommen aus der Lutherstadt Eisleben. Sie verteilten sozusagen Lutherischen Staub über dem Kirchplatz, so Superintendentin Ulrike Menzel. Daniel Schauff

Ein idealer Start für das kleine Dorf der Gemeinde Schenkendöbern in die knapp zwei Tage, in denen Kerkwitz das Geschichtenmobil des Europäischen Stationenwegs beherbergt.

Die 63. Station des Mobils hatte der leuchtend blaue Lkw bereits am frühen Morgen erreicht. Gegen 5 Uhr hatte er seine Parkposition auf dem Kerkwitzer Sportplatz eingenommen, berichtet Ulrike Menzel. Man habe wohl gedacht, der Weg von Herborn (Hessen) in den äußersten Osten der Republik würde etwas länger dauern, so die Superintendentin. Immerhin: Mit dem bereits geparkten und bereitstehenden Geschichtenmobil konnte der Startschuss für die wohl größte Reformationsfeier in Schenkendöbern pünktlich gegeben werden.

Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) betonte, wie stolz die Gemeinde sei, dass Kerkwitz das einzige Dorf sei auf der seit November 2016 andauernden Reise des Geschichtenmobils. In Genf, in Graz, in Prag, in Rom, in Dublin, London und Berlin hat es bereits Station gemacht und in jeder der Städte Reformationsgeschichten gesammelt. Am Ende der Reise in Wittenberg im Juni werden auch Kerkwitzer Reformationsgeschichten im Inneren des Mobils zu erleben sein. Er sei schon ein wenig überrascht über die Entscheidung für das Dorf gewesen, sagt Jeschke. Vielleicht, so der Bürgermeister, sei es die Kerkwitzer Dorfkirche - die erste, die zu DDR-Zeiten geweiht wurde. Vielleicht aber auch das knappe Jahrzehnt, in der die Kerkwitzer um Ungewissen gelebt haben, ob nun der Tagebau kommt und sie ihre Heimat verlassen müssen.

Was auch immer der ausschlaggebende Grund für den Besuch des Geschichtenmobils in Kerkwitz gewesen sein mag - am Donnerstag sind die bisher gesammelten Geschichten für alle Interessierten auf dem Kerkwitzer Sportplatz zu erleben. Ab 9.30 Uhr und bis 21 Uhr gibt es dort ein buntes Programm rund um die Reformation und das Geschichtenmobil, das bereits so viele Stationen hinter sich hat. Auf dem Trafalgar Square in London hat Bischof Martin Dröge das Geschichtenmobil bereits erleben dürfen, berichtet er. Ebenso in Berlin auf dem Alexanderplatz. Dass es allerdings nun in Kerkwitz stehe, sei schon etwas Besonderes, so Dröge. Und eine Ehre für Schenkendöbern, wie Jeschke betont.