ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:59 Uhr

LR vor Ort
Wohin mit den Windrädern?

Krayne. Die RUNDSCHAU will mit Experten und Bürgern in Krayne über die grüne Energie diskutieren. Silke Halpick

Windparks sind längst kein ungewohnter Anblick mehr in Brandenburg. Rund ein Drittel des Strombedarfs wird bundesweit bereits aus der grünen Energie gewonnen. Der Anteil soll weiter steigen. Auch in der Gemeinde Schenkendöbern gibt es zwei Parks: Zwölf Windräder stehen in Schenkendöbern und acht in Sembten. Über das Leben mit den Riesen vor der Haustür will die RUNDSCHAU im Rahmen der Veranstaltungsreihe „LR vor Ort“ am 23. November in Krayne diskutieren.

In dem kleinen Dorf der Gemeinde Schenkendöbern schlagen die Wellen nach wie vor hoch, wie Ortsvorsteher Jürgen Bursch bestätigt. Ende 2016 wurden vier neue Wind­räder im bereits bestehenden Park errichtet. Allerdings sind die neuen Anlagen höher. Seitdem beschweren sich viele der 150 Anwohner über den „nervtötenden Lärm“. „Ein konstantes Rauschen ist Tag und Nacht zu hören, wenn der Wind aus der Richtung kommt“, sagt Bursch.

Die vier neuen Windräder mit einer Gesamtleistung von 13,8 Megawatt, einer Nabenhöhe von rund 140 Metern und einem Rotordurchmesser von 120 Metern gehören zur Unternehmensgruppe UKA, Deutschlands zweitgrößtem Entwickler von Windparks an Land. Die Anlagen stehen 1000 Meter  von den Wohnhäusern entfernt, was den in Brandenburg geltenden Vorschriften entspricht. Zudem gehört der Windpark zu den im Teilregionalplan Windenergie ausgewiesenen Eignungsgebieten.

Erst seit Mitte Juni 2016 gibt es für Südbrandenburg wieder einen gültigen Teilregionalplan. Der Vorgänger war im Jahr 2007 vom Brandenburger Oberverwaltungsgericht aus formellen Gründen gekippt worden. Neun Jahre hat die Ausarbeitung des neuen Wegweisers für Windmüller gedauert. Die amtliche Orientierung ist nun bindend. Mit ihr soll auch die sogenannte Verspargelung der Landschaft unterbunden werden.

Insgesamt 41 Eignungsgebiete für die Windenergienutzung sind im Teilregionalplan ausgewiesen – von Königs Wusterhausen bis Senf­tenberg, von Cottbus bis Herz­berg. Dazu gehören auch die beiden Windpark-Areale in Schenkendöbern und Sembten. Neue Räder sollen nun nur noch in den Eignungsgebieten zugelassen werden. Vor Inkrafttreten des Teilregionalplans wurden die Genehmigungen auf Basis des Bundesimmissionsschutzrechtes erteilt.

Schenkendöbern mit 16 Ortsteilen liegt am Rand des Braunkohletagebaus Jänschwalde und steht erneuerbaren Energien grundsätzlich positiv gegenüber. Dennoch haben die Gemeindevertreter beschlossen, dass nur noch Windrädern innerhalb der im Teilregionalplan festgelegten Eignungsgebiete zugestimmt wird. Dieser Beschluss hat jetzt möglicherweise Folgen für die vom Windpark-Betreiber Prokon geplante Erweiterung des Windparks in Sembten-West. Denn eines der beantragten vier Räder steht 25 Meter außerhalb des Eignungsgebietes, weshalb die Gemeindevertretung auch die Zustimmung verwehrte. Allerdings gibt es laut Landesplanung einen sogenannten Unschärfebereich von rund 100 Metern, wie Andreas Stahlberg von der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern betont.

Wie groß der Widerstand gegen Windräder in der Region sein kann, hat auch ein Investor erlebt, der im Jahr 2012 einen zweiten Windpark in Sembten-West bauen wollte. Von der ortsansässigen Bürgerinitiative wurde schon damals kritisiert, dass es gar kein zweites Eignungsgebiet in diesem Bereich gibt. Der Teilregionalplan war damals noch in Arbeit. Letztlich gab der Interessent sein Vorhaben auf.

LR vor Ort - Logo 4c
LR vor Ort - Logo 4c FOTO: LR