| 02:36 Uhr

Los Angeles – Nashville – Guben

Ein bisschen weniger Höhen, etwas mehr Hall und die Gitarren lauter – Soundchek in der Fabrik vor dem Auftritt am Dienstagabend.
Ein bisschen weniger Höhen, etwas mehr Hall und die Gitarren lauter – Soundchek in der Fabrik vor dem Auftritt am Dienstagabend. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Sie passen nach Guben in etwa so gut wie der Eiffelturm. Trotzdem: Die Musiker von "High South" haben eine besondere Bindung zur Neißestadt. Daniel Schauff

"I have tickets for your show”, sagt die Dame im Café auf der Berliner Straße. Sie hat Eintrittskarten fürs Konzert von "High South" am Dienstagabend in der Fabrik. "Das ist eine schöne Belohnung für die harte Arbeit", sagt Phoenix Mendoza, während er versucht, eins der Fladenbrote in der Auslage in gebrochenem Deutsch zu bestellen. Jamey Garner deutet derweil auf die Soljanka daneben und fragt: "What's this?" - Was ist das? Auch ohne eine konkrete Zutatenbeschreibung des Traditionsgerichtes entscheidet sich Jamey für einen Versuch - immerhin: Soljanka ist traditionell. Drei Minuten später das Urteil: "This was perfect!" - Perfekt hat's ihm geschmeckt.

Die Band aus den USA ist zu Gast in Guben - nicht das erste Mal. Eigentlich spielen sie in großen Städten, in Los Angeles (Kalifornien), in Austin (Texas), in Wien. Zu Guben aber ist der Kontakt ganz besonders eng. Seit einem Konzert in Cottbus, bei dem der Gubener Eddy Scholz und seine Frau Bianca zufällig mit Bandmanager Christian Knoll ins Gespräch kamen. Kurze Zeit später spielten die drei Musiker aus Kalifornien und Illinois in der Neißestadt ein Privatkonzert vor 120 Leuten. Das war vor zwei Jahren.

In der Zeit hat sich viel getan - nicht nur die Besetzung der Band ist mittlerweile eine andere, auch der Kontakt zwischen den Gubener "High South"-Fans und den Musikern wird enger. "Jedes Mal, wenn wir miteinander reden, ist das Englisch von Eddy und Bianca besser", sagt Jamey und gibt zu: "Wir sind da nicht so gut, aber ein paar Worte können wir." "Dankeschön" und "bis bald" hören sich etwa schon ziemlich Deutsch an. Beim Bäcker gibt es Gelegenheit für die drei Country-Musiker, ihr Deutsch zu testen.

Josh Leo, Produzent der Band, und in Guben an der E-Gitarre auf der Bühne, wollte unbedingt einmal zu Fuß nach Polen gehen, erzählt Eddy Scholz. Der letzte Tag an der Neiße startete - Rockstar-gemäß erst gegen drei Uhr nachmittags - also mit einem Spaziergang über die Neißebrücke in der Innenstadt. "Wir waren auf unserer Tour in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich und Luxemburg. Jetzt können wir sagen, dass wir auch 20 Minuten in Polen waren", sagt Phoenix, der genau wie der kalifornisch-braungebrannte Jamey Garner und der trotz Wolkenhimmel Sonnenbrille tragende Kevin Campos in etwa so nach Guben passt wie der Eiffelturm. Jameys Hut allerdings passt prima an der Neiße - schließlich ist es ein echter Gubener Hut aus der Zeit, als die Neißestadt noch berühmt war für ihre Hutproduktion. Das Geschenk kam von den deutschen Fans, erklärt Eddy Scholz. Fürs Erinnerungsfoto an der Neißebrücke setzt Jamey den Hut extra wieder auf.

Ein paar Minuten später laufen die Vorbereitungen fürs Konzert am Abend. Fast eine Stunde lang werden die Einstellungen am Mischpult und an der Beschallung auf Herz und Nieren geprüft. "Ein bisschen weniger Höhen auf dem mittleren Monitor, die Stimmen aufs gleiche Level ziehen, die dritte Gitarre etwas lauter." Für die große Halle ist ein bisschen mehr Vorbereitung nötig als vor zwei Tagen, als "High South" wieder vor einem Privatpublikum gespielt haben wie schon vor zwei Jahren. Auch am Vorabend des Konzerts beim Grillen am Ufer des Pinnower Sees konnten die Drei die Gitarren nicht einfach sehen lassen - so wie es sich für Vollblutmusiker gehört.

Und das sind sie noch. Für die 90 Minuten am Abend, sagt Phoenix, lohnt sich die ganze Arbeit. Die Drei teilen sich nicht nur die Noten ihrer Musik, sondern auch die Werbung, die Organisation von Tourneen und den Verkauf von Fanartikeln. Es gebe viel zu tun, sagt Kevin Campos, aber auf der Bühne fühle es sich nicht mehr an wie Arbeit.

Das durften am Dienstagabend dann auch die erleben, die in die Fabrik gekommen waren. Von "Gänsehautmomenten" spricht Eddy Scholz, der sich sicher ist, dass der nächste Besuch der drei Country-Stars in Guben nicht allzu lange auf sich warten lassen wird. Davor aber steht ein Umzug in die Country-Metropole Nashville (Tennessee) für Jamey Garner, Kevin Campos und Phoenix Mendoza auf dem Programm, sagen die Drei.