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Kultur
Versexte Premiere in neuer Heimat des Fabrik e.V.

Franziska Goy vom Fabrik e.V. nutzte wie viele Besucher die Gelegenheit für ein Autogramm von Lilo Wanders nebst Foto.
Franziska Goy vom Fabrik e.V. nutzte wie viele Besucher die Gelegenheit für ein Autogramm von Lilo Wanders nebst Foto. FOTO: Ute Richter
Guben. Lilo Wanders unterhält Guben im Volkshaus. Von Ute Richter

Es war die erste Veranstaltung in den neuen Räumen des Fabrik e.V. Mit Lilo Wanders hatte Fabrikchef Karsten Geilich für die Premiere im Volkshaus die Grande Dame des deutschen Sex nach Guben geholt. Offenherzig und sehr direkt erzählte die Kunstfigur des Schauspielers und Travestiekünstlers „Ernie“ Reinhardt in ihrem Programm „Endlich 60 – gaga, geil und gierig“ natürlich  vom  lustvollen Älterwerden und den dazugehörigen Begleiterscheinungen. Außerdem gab es viel Privates aus dem Leben der Lilo Wanders zu erfahren.  So stolzierte sie herein in ihrem Glitzerfummel auf die große Volkshausbühne. Zugegeben mit Rollator, aber stolz wie eh und je. „Früher war auch weniger Lametta“, so die Wanders. Das Lametta legte sie im Laufe der Show ab und tauschte es gegen lange Abendroben, die wohl teilweise schon viele Jahre alt sind. „Jetzt passe ich wieder rein“, so die Wanders.

Es waren die kleinen Spitzfindigkeiten, die diese Show so amüsant machten. Sprüche wie „Oben fit, unten dicht, das wünscht man sich im Alter“ oder „alt werden ist nicht so prickelnd, weil man sich immer weniger merken kann“ kamen beim zahlreichen Publikum gut an. Lilo Wanders findet auch nicht, dass „60 das neue 40 ist. 60 ist 60“. Sie will „so spät wie möglich jung sterben“ und bis dahin „einfach so weitermachen wie es derzeit ist“.

Heute, so sagt sie, hat sie Sex nach dem Motto „Nur zusammen, wenn verlangen. Nur verkehren, wenn begehren.“ Sie sei ganz gern allein und ist dabei kein bisschen einsam. Und dennoch: „Dement zu sein ist eine Gnade, wer im hohen Alter noch klar denken kann hat die Arschkarte. Spätestens dann, wenn man in ein Heim kommt.“ Das belegt Lilo Wanders mit Episoden aus dem Heimaufenthalt ihrer Mutter. Natürlich mit Ironie, aber auch nachdenklich. Überhaupt ist die einstige spitze Zunge etwas ruhiger geworden, ohne dabei sich selbst untreu zu werden. „Ich habe beschlossen, glücklich zu sein, das ist besser für meine Gesundheit“, so die Travestiekünstlerin. Und deshalb spricht ihr das Lied „Ich bin gaga geil auf das Leben“, welches schon viele Jahre alt ist, noch heute aus der Seele. Beim Publikum jedenfalls kam diese Vorstellung gut an. Und Lilo Wanders bedankte sich bei den Gubenern mit viel Zeit für Fotos und Autogramme.

Für die Fabrikmitarbeiter, die noch tief bis Dienstagnacht gewerkelt hatten, war es eine gelungene Premiere. Auch wenn noch hier und da ein paar Kleinigkeiten zu erledigen sind, so hinterließen die kleine Gaststätte und der große Veranstaltungssaal bei den Besuchern einen durchweg positiven Eindruck. Für Lilo Wanders war es eine große Ehre, als erste Künstlerin im neuen Domizil des Fabrikvereins auftreten zu dürfen. Die Besucher waren an diesem Abend geteilter Meinung angesichts des Ambientes während der Show. Manche fanden es richtig schön, andere wiederum nicht so gemütlich wie in der Mittelstraße. Ein älteres Paar hätte sich gewünscht, dass jemand von der Stadt bei der ersten Veranstaltung mal Glückwünsche für den Mut gegenüber dem Fabrik e.V. ausspricht. „Ist doch richtig toll, dass jetzt wieder in diesem altehrwürdigen Haus mit langer Tradition Veranstaltungen und Gastronomie stattfinden“, sagten sie.