| 02:35 Uhr

Lichtbilderfahrt durch Gubens Geschichte

Andreas Peter (l.) und Hans-Joachim Bergmann (2.v.r.) beantworteten im Anschluss Fragen der Besucher.
Andreas Peter (l.) und Hans-Joachim Bergmann (2.v.r.) beantworteten im Anschluss Fragen der Besucher. FOTO: Jana Pozar/zar1
Guben. Der Gubener Stadtwächter, Historiker und Verleger Andreas Peter hatte zum zweiten Stadtwächterstündchen eingeladen. Als Gast begrüßte er den Schriftsteller und Historiker Hans-Joachim Bergmann. Außerdem gab es eine Lichtbilderfahrt mit der alten Gubener Straßenbahn durch die Geschichte der Neißestadt. Jana Pozar / zar1

Bergmann, der sich selbst als Wandervogel bezeichnet - nicht nur, weil er für seine geführten Radwanderungen bekannt ist, sondern auch, weil es ihn nie lange an einem Ort hielt - ist ein Mann der leisen Töne und Worte. Die würden sich am wohlsten auf Papier fühlen, sagt Andreas Peter. Ruhig und doch unterhaltsam las und erzählte Bergmann seine Geschichten, die meisten mit autobiografischem Hintergrund.

So erfuhren die Zuhörer, dass er sich als Junge bei den anderen Hofkindern mit gefülltem Streuselkuchen "einkratzte". Damals wohnte die Familie nahe Bitterfeld, wo sie auf engstem Raum lebte. "Der Hof war ein idealer Spielplatz", erzählte er. Viel später lebte er einige Zeit in Budapest, arbeitete dort in einem Buchladen. "Die schönste Begegnung war mit Rolf Hoppe, der gerade dort drehte", erinnerte sich Bergmann. Und: "Die Straßenbahn zur Arbeit wurde mein ganz persönliches Literaturinstitut."

Die alte Gubener Straßenbahn startete etwas später vom Bahnhof. Die letzte Fahrt legte sie im Jahr 1938 zurück. Andreas Peter erzählte, dass damals viele zur Baumblüte in die Neißestadt kamen. Ein Raunen ging durch das Stadtwächterstübchen in der Frankfurter Straße, als die Bilder von der Baumblüte, dem Ausblick von Engelmanns Berg, dem mit leuchtenden Apfelblüten eingerahmten Bismarckturm an der Wand erschienen. Auch ein Abstecher zum alten Gubener Hafen und zum einstigen Bootshaus des Gubener Ruder-Clubs 05 am Königpark war ebenfalls drin. Das alte Hafengebäude erstrahlt heute fast in alter Pracht, ebenso die lange Kaimauer. Natürlich machte die Lichtbilderfahrt auch auf der Theaterinsel Halt.

In voller Schönheit erschien das einstige Theater, das übrigens 25 Jahre vor dem Cottbuser Theater erbaut wurde und in denen Schauspielgrößen wie Heinrich George auf der Bühne standen. Eine Winteraufnahme des einstigen Gubener Stadtzentrum gehörte ebenfalls zur Auswahl von Andreas Peter. "Der Schnee auf dem Dach der einstigen Stadt- und Hauptkirche lässt erahnen, welche Dimensionen das noch im Jahr 1939 neu eingedeckten Dach hatte", betont der Historiker.

Die Spenden, die die Besucher des Stadtwächterstündchens an diesem Nachmittag zurückließen, werden wiederum in die Gestaltung einer Gedenktafel zu Ehren von Karl Gander fließen. Die Tafel soll am Haus an der ehemaligen Crossener Straße 7 angebracht werden.