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Guben
Lesestoff allein reicht nicht mehr

Digital aufgerüstet hat auch die Kinderabteilung der Stadtbibliothek mit den „Tonies“. Die kleinen Figuren spielen Geschichten und Lieder ab, sobald sie auf die Box gestellt werden. Die einfache Handhabung begeistert Eltern und Kindern, wie Bibliotheksmitarbeiterin Sophie Winkler verrät.
Digital aufgerüstet hat auch die Kinderabteilung der Stadtbibliothek mit den „Tonies“. Die kleinen Figuren spielen Geschichten und Lieder ab, sobald sie auf die Box gestellt werden. Die einfache Handhabung begeistert Eltern und Kindern, wie Bibliotheksmitarbeiterin Sophie Winkler verrät. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Gubener Stadtbibliothek steigert durch Onleihe-Projekt und Veranstaltungen Besucherzahlen.

Weg von der reinen Buchausleihe und hin zum Veranstaltungszentrum – das ist das Erfolgsrezept der Gubener Stadtbibliothek. Die städtische Einrichtung hat im vergangenen Jahr bei den Besucherzahlen, Veranstaltungen und Entleihungen kräftig zugelegt. Wichtigster Erfolgsmotor war die Einführung der „Onleihe“ im Februar, wie Leiterin Kerstin Mattner betont.

„Hauptsächlich ältere Menschen nutzen diese Form der Buchausleihe“, sagt Mattner.  Die Gründe für diesen Trend liegen ihrer Ansicht nach klar auf der Hand: Mit digitalen Geräten wie E-Book-Reader oder Tablet kann der Nutzer die Schriftgröße – im Gegensatz zur gebundenen Ausgabe – ganz individuell an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Gubener Bibliothek ist dem Onleihe-Verbund Niederlausitz beigetreten, zu dem auch die Häuser in Forst und Spremberg gehören.

Digital aufgerüstet hat auch die Kinderabteilung. Seit Jahresbeginn gibt es dort das neue Audio-System „Tonies“ zu entleihen. Kleine Figuren, die mit einem speziellen Chip ausgestattet sind, spielen Geschichten und Lieder ab, sobald sie auf die dazugehörige Toniebox gestellt werden. Die einfache Handhabung begeistert Eltern und Kindern, wie Bibliotheksmitarbeiterin Sophie Winkler verrät. Beliebt sind aber auch die interaktiven Tiptoi-Bücher und -Spiele.

Insgesamt 2300 eingetragene Nutzer hat die Gubener Bibliothek aktuell, die die Einrichtung im vergangenen Jahr mehr als 35 000-mal besuchten und insgesamt 82 000 Medien entliehen. Angestiegen ist vor allem die Nachfrage nach Fachliteratur. „Immer mehr Schüler holen sich Bücher zur Vorbereitung ihrer Fach- und Seminararbeiten“, sagt Mattner. Zur Fachliteratur gehören aber auch Ratgeber zu populärwissenschaftlichen Themen wie Garten, Gesundheit und Reisen. „Bücher und Vorträge zum Thema Reisen sind nach wie vor der Renner bei den Gubenern“, erzählt die Bibliotheksleiterin. Schon jetzt, im Januar, würden wieder viele Neißestädter Tipps für die nächste Urlaubsreise suchen. Solch ganz aktuellen Nachfragen, aber auch allgemeine Trends wie die guten Vorsätze fürs neue Jahr werden von den Mitarbeitern in Themenausstellungen entlang der Bücherregale aufgegriffen.

„Die Bibliothek ist heute viel mehr als eine reine Bücherausleihe“, sagt Kerstin Mattner. Dementsprechend wandle sich auch das Aufgabenfeld der vier Bibliotheksmitarbeiter. Rund 200 Veranstaltungen mit insgesamt 4000 Besuchern haben sie im vergangenen Jahr organisiert. „Oft mussten wir sogar noch Stühle hereintragen, weil die Nachfrage so groß war“, erzählt die Bibliotheksleiterin. Zu den erfolgreichen Klassikern gehören der Bücherfrühling und Leseherbst. An beiden Angeboten soll auch weiterhin festgehalten werden.  

Neuland hat die Bibliothek mit ihrem Fantasy-Library-Abend im Rahmen der Museumsnacht betreten. Solche Themenpartys sind vor allem bei Jugendlichen beliebt, die sich dann in Kostümen ihrer Helden aus bekannten Filmen wie „Harry Potter“, „Star Wars“ oder „Herr der Ringe“ zeigen. „Die Bibliothek wurde dafür von unseren jungen Kolleginnen vollkommen umdekoriert – und wirklich bis ins kleinste Detail“, erinnert sich die Chefin.

Aber auch Projekte wie das Bilderbuchkino für Kleinkinder oder der Leseklub für Schüler in den Sommerferien sollen dafür sorgen, dass die Besucher in der Bibliothek „verweilen“ , wie Kerstin Mattner sagt. Je nach Wetterlage wird im April wieder die Balkonsaison eröffnet. „Dann sitzen Rentnerpaare gemeinsam draußen, genießen ihre Lektüre und einen Becher Kaffee“, erzählt die Bibliothekschefin.

Der ausleihbare Bestand der Bibliothek wächst jährlich um rund 2000 Medien. Bei der Auswahl orientieren sich die Mitarbeiter oft an Empfehlungen von Lektoraten und Bestseller-Listen. Sebastian Fitzeks Thriller „Passagier 23“ und Ken Follets historischer Roman „Fundament der Ewigkeit“ gehören beispielsweise zu den aktuellen Neuanschaffungen. Im Gegenzug muss veraltete und überholte Literatur regelmäßig aussortiert werden.

Die Gubener Stadtbibliothek ist bereits seit Jahren ein anerkannter Ausbildungsbetrieb. Zwei Azubis lernen aktuell hier ihr Handwerk als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Im Anschluss daran werden sie entsprechend des Tarifvertrages für mindestens ein Jahr als Mitarbeiter übernommen. Einige bleiben auch über diesen Zeitraum hinaus, andere studieren beispielsweise Informationswissenschaften.