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| 18:08 Uhr

ÖPNV
Bus über die Grenze bleibt leer

Linienführung zwischen Guben und Gubin.
Linienführung zwischen Guben und Gubin. FOTO: LR / Katrin Janetzko
Guben. Die Nachfrage ist noch sehr gering. Deutscher Betreiber nimmt keine Zloty an. Von Silke Halpick

Pünktlich 9.57 Uhr rollt der grüne Bus des polnischen Verkehrsbetriebes PKS Zielona Gora an der Haltestelle des Neißecenters in Guben ein. Drei Zloty verlangt der Fahrer. Alternativ nimmt er auch einen Euro. Der Bus ist vollkommen leer. Das bleibt er auch auf seiner Weiterfahrt zum Bahnhof, in die Berliner Straße bis hin zum Busbahnhof in Gubin als Endstation. Zu anderen Zeiten gebe es mehr Passagiere, erzählt der Busfahrer.

Fünfmal fährt der polnische Bus der Linie 171 jetzt montags bis freitags nach Guben. Neunmal steuert die Linie 858 des deutschen Verkehrsunternehmens DB Regio Bus Ost GmbH den Busbahnhof im polnischen Gubin an. Mit der grenzübergreifenden Busverbindung werden beide Stadthälften verkehrstechnisch aneinander gekoppelt, der berufsbedingte Pendelverkehr vereinfacht sowie das Einkaufszentrum Neißecenter an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angeschlossen.

Mit dem Ergebnis nach den ersten drei Wochen Fahrbetrieb sind die Initiatoren zufrieden. „Nach ersten Beobachtungen handelt es sich bei den Nutzern bisher überwiegend um Bürger aus Guben und dem Gubener Umland“, erklärt Silvia Friese, Pressesprecherin des Landkreises Spree-Neiße. Das sei auch die „präferierte Zielgruppe“.

„Unsere Fahrer berichten Erfreuliches“, betont Burkhard Ahlert von der Deutschen Bahn, die den öffentlichen Busverkehr im östlichen Spree-Neiße-Kreis betreibt. Das neue Angebot werde von den Fahrgästen „erkundet“. Zählungen wurden allerdings noch nicht veranlasst.

Der Praxistest offenbart allerdings einige Schwachstellen. So können Passagiere, die in Gubin in die deutsche Buslinie einsteigen, nur mit Euro bezahlen. „Erfahrungsgemäß verfügen nach Deutschland einreisende polnische Fahrer über Euro“, sagt Ahlert. Die Anerkennung einer fremden Währung habe nach deutschem Recht erhebliche Mehraufwendungen zur Folge.

„In Polen ist der Euro offizielles Zahlungsmittel“, fügt Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) hinzu. Die Möglichkeiten eines gemeinsamen Tarifkonzeptes sollen im Rahmen des Interreg-VA-Projektes „GUB-E-BUS“ geprüft werden, wie Carsten Jacob, Geschäftsführer der Euroregion in Guben, betont. Mit Ergebnissen zu der hochkomplexen Materie rechnet er Anfang 2020.

Zweiter Schwachpunkt ist die fehlende zweite Bushaltestelle am Neißecenter, die auf der Tour von Gubin aus angesteuert werden kann. Der bislang nur improvisierte Zwischenstopp befindet sich auf dem hinteren Teil des Parkplatzes und ist für Uneingeweihte nicht erkennbar. Die Busfahrer müssen über den halben Parkplatz kurven, um die Haltestelle zu erreichen. Das sorgt für irritierte Blicke bei den Passanten.

Von einer „Übergangslösung“, bei der Rücksicht auf den Eigentümer genommen werden muss, spricht der Gubener Bürgermeister Fred Mahro. Geplant sei eine neue Haltestelle direkt gegenüber der bereits vorhandenen in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Möglicherweise steht diese schon in einem Jahr, wie Mahro in Aussicht stellt.

Spätestens ab September 2018 soll die Überlandlinie aus Richtung Schenkendöbern  in den grenzüberschreitenden Verkehr einbezogen werden, hatte Mahro auf der jüngsten Sitzung des Gubener Hauptausschusses ankündigt. Die Linie 877 kommt von Cottbus über Peitz, Tauer, Schenkendöbern nach Guben. Im Stadtgebiet fährt sie durch die Obersprucke. Dadurch können auch die Wohnkomplexe (WK) II und IV eingebunden werden.

„Das ist wirklich wichtig“, betont Horst Kühn, Vorsitzender des Seniorenbeirates in Guben. Denn im Gubener Neubaugebiet leben viele Senioren, die selbst nicht mehr Auto fahren und auf den ÖPNV angewiesen sind. Die Forster Linie 858 fährt nur am Industriegebiet Guben-Süd vorbei. Kühn hofft, dass die grenzüberschreitende Linie nicht aufgrund geringer Nachfrage sofort wieder eingestellt wird. „So etwas muss länger laufen, damit es auch angenommen wird“, begründet er.

Mit der deutsch-polnischen Busverbindung ist auch das Neißecenter an das öffentliche Busverkehrsnetz angeschlossen. Dafür haben die dortigen Händler  jahrelang gekämpft. Doch der erhoffte Kundenzustrom bleibt noch aus. Möglicherweise hängt das noch mit dem großen Interesse an der Fußball-Weltmeisterschaft zusammen, hoffen die Händler.