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| 15:56 Uhr

Bergschaden weiterhin nicht anerkannt
Leag bezahlt für Bröckel-Straße

Tiefe Risse und zahlreiche Senken: Der Weg zwischen Taubendorf und Kerkwitz ist für Radfahrer kaum noch befahrbar. Margitta und Manfred Quaal kämpfen seit Jahren für eine Lösung. Nun hat die Gemeinde mit der Leag einen Deal gemacht.
Tiefe Risse und zahlreiche Senken: Der Weg zwischen Taubendorf und Kerkwitz ist für Radfahrer kaum noch befahrbar. Margitta und Manfred Quaal kämpfen seit Jahren für eine Lösung. Nun hat die Gemeinde mit der Leag einen Deal gemacht. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Taubendorf. Klage vom Tisch: Gemeinde Schenkendöbern erhält jährlich 15 000 Euro für Instandhaltung. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Bereits seit fast zehn Jahren sorgt der Ortsverbindungsweg zwischen Taubendorf und Kerkwitz für Zündstoff. Der Asphalt ist gewölbt und zwischendrin klaffen lange und tiefe Risse. Autofahrer werden ordentlich durchgeschüttelt. Im Wagen von Margitta Quaal, der stellvertretenden Ortsvorsteherin von Taubendorf, fällt sogar regelmäßig das Radio aus dem Armaturenbrett. „2009 gab es die ersten Risse“, erinnert sich Margitta Quaal, zur Demonstration des Ausmaßes lässt sie ihre Hand in einem Asphaltriss verschwinden.

Doch nun scheint die unendliche Geschichte ein Ende zu haben. Die Gemeinde und der Bergbaubetreiber haben sich auf eine Vereinbarung geeinigt. Eine Klage ist vom Tisch, einen Bergschaden räumt die Leag allerdings nicht ein. Dabei betont die stellvertretende Ortsvorsteherin: „Die Ursache liegt ganz klar in der Grundwasserabsenkung durch den Tagebau Jänschwalde.“ Zwei bis vier Meter tiefe Torfschichten in und um den Weg würden dadurch trockenliegen und aufbrechen. „Es ist nicht nur der Weg. Die ganze Wiese ist ebenfalls abgerutscht“, sagt Margitta Quaal. „Das ist eindeutig ein Bergschaden.“

Risse im Weg von Taubendorf nach Kerkwitz.
Risse im Weg von Taubendorf nach Kerkwitz. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler

Doch beim Energiekonzern Vattenfall sah man das von Beginn an anders. Der damalige Bergbaubetreiber beharrte darauf, dass mangelnde Bauausführung und das Befahren mit schweren Landmaschinen die Ursache der Schäden sei. „An dieser Ansicht hat sich auch mit der Leag nichts geändert“, weiß Margitta Quaal. „Die wollten damit keinen Präzedenzfall schaffen.“

Auch Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) beschäftigt das Problem seit Langem. „Noch schlimmer als auf dem Weg sind die Schäden auf der Wiese sichtbar“, verrät Schenkendöberns Rathauschef. Vor einiger Zeit sei dort sein Zwei-Meter-Zollstock in einem Riss komplett verschwunden. Nachdem die Anzeige als Bergbauschaden abgewiesen wurde, ging die Gemeinde in Widerspruch. „2016 fiel die Entscheidung zur Klage in der Sitzung der Gemeindevertreter“, lässt der Bürgermeister den Ablauf Revue passieren. Danach sei es weiter hin und her gegangen.

„Das Problem bei einer Klage ist der Zeitfaktor“, sagt Jeschke. Laut Rechtsberatung der Gemeinde könnte ein Urteil bis zu vier Jahre dauern: „Bis dahin laufen uns die Kosten aber aus dem Ruder.“ Allein seit 2013 musste Schenkendöbern 45 000 Euro in den Weg pumpen. „Schließlich haben wir eine Verkehrssicherungspflicht“, erklärt Jeschke. „Aber es gibt auch noch viele andere Straßen in der Gemeinde.“ Außerdem seien die Reparaturmaßnahmen nie von Dauer gewesen: „Die Straße ist in Bewegung, und nach zwei Wochen gibt es wieder die ersten Risse.“

In dieser Woche dann die Wendung: „Wir haben uns mit der Leag auf eine Vereinbarung geeinigt“, berichtet Jeschke. Darin verpflichtet sich der Bergbaubetreiber, für den 900 Meter langen Weg jährlich 15 000 Euro für die Instandsetzung zu zahlen. „Darüber hinaus war uns die Hangsanierung wichtig“, sagt Jeschke. Dafür soll die Gemeinde nun eine einmalige Zahlung von 22 000 Euro erhalten. „Wenn der Boden dann in einigen Jahren nicht mehr in Bewegung ist, werden wir eine abschließende Vereinbarung zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes aushandeln“, erklärt Jeschke. Auch wenn der Bergbaubetreiber weiterhin nicht eingesteht, dass auf dem Weg ein Bergschaden vorliegt, ist Peter Jeschke zufrieden. „Ursprünglich wollte die Leag uns nur 13 000 Euro jährlich zugestehen und auch die Hangsanierung nicht übernehmen“, verrät er. Knackpunkt der Vereinbarung sei außerdem die Definition des Weges gewesen. Für die Gemeinde ist der Weg der Ortsverbindungsweg zwischen Taubendorf und Kerkwitz. Für die Leag ist er ein Radweg. Damit die Einordnung als Radweg in Zukunft nicht nachteilig für die Gemeinde ausfällt, bestand diese darauf, dass der Weg derzeit durch Radfahrer, land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge sowie den Anliegerverkehr genutzt wird. „Diese Nutzung muss damit am Ende auch wieder gewährleistet werden“, so Jeschke.

Sobald der Vertrag von beiden Parteien unterschrieben ist, muss der Klagebeschluss aufgelöst werden. Mit der Vereinbarung verzichtet Schenkendöbern darauf, Schadensersatzansprüche gerichtlich geltend zu machen. „Sollten neue Schäden auftreten, sind diese von der Regelung allerdings nicht betroffen“, sagt Jeschke. „Das war uns ebenfalls wichtig.“