Der Besuch des kolumbianischen Botschafters in der Lausitz hat eine lange Vorgeschichte. Seit 2011 steht das Cottbuser Institut für Neue Industriekultur (INIK) in Kontakt mit kolumbianischen Partnern zum Transfer der Erfahrungen der Internationalen Bauausstellung (IBA). Lars Scharnholz und Sebastian Hettchen, die Geschäftsführer des INIK, waren bereits mehrfach in Kolumbien. "Wir haben uns Kalk-, Steinkohle-, Smaragd- und Goldabbaustätten beziehungsweise -industrien angesehen und Partner vor Ort gefunden. Unsere Arbeit und die IBA-Erfahrungen haben wir in der Lausitz bereits der Botschaft Kolumbiens, kolumbianischen Unternehmen und Universitäten vorgestellt", so Lars Scharnholz, der im Jahr 2013 Kontakt zum kolumbianischen Botschafter, Juan Mayr, aufnahm.

Der Botschafter hat erkannt, dass die Lausitzer Bergbaufolgelandschaft für Kolumbien von Bedeutung ist und sich sein Land das mit ihr verbundene Know-how dienstbar machen könnte. "Bei unseren Besuchen konnten wir vor Ort aus erster Hand den Stand der Dinge im Braunkohletagebau in Deutschland kennenlernen. Wir haben vieles zum Thema Raumordnung in Bergbaugebieten erfahren sowie über die Sozialarbeit, die mit den anliegenden Gemeinden geleistet wird, über Vorgänge in der Umweltsanierung und über das vorhandene Regelwerk", sagt Juan Mayr, der Gemeinsamkeiten zwischen seinem Land und der Lausitz sieht.

"Kolumbien und die Lausitz sind herkömmlich Kohlebergbaugebiete und daher mit den damit verbundenen Entwicklungen und Folgen für Mensch und Natur in den betroffenen Gebieten befasst. Beide sind wir an einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung interessiert. Aus all diesen Gründen ist für uns in Kolumbien eine Beziehung zu dieser deutschen Region so wichtig", betont Mayr. Deutschland allgemein und speziell die Lausitz verfüge über einen großen Erfahrungsschatz im Kohlebergbau. "Die Lausitz ist beispielhaft für ihre bewährte Praxis im nachhaltigen Bergbau und in der Umsetzung von umweltpolitischen Maßnahmen durch Regulierung der Ausbeutung seines Bodenschatzes und Umweltsanierung. Kolumbien kann von diesen Erfahrungen profitieren und Kenntnisse zur Restaurierung von Landschaften sammeln, die durch Untertagebau und Tagebau geprägt sind, sowie Einblick in die damit notwendig verbundenen Möglichkeiten institutioneller und legaler Erneuerungen erhalten", sagt Mayr.

Neben Bürgermeister Holger Kelch (CDU) wird auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze bei seinem Cottbus-Besuch mit dem Botschafter zusammentreffen. Schulze war mehrfach im Kontext des Bundesumweltausschusses in Kolumbien. Scharnholz: "Er will unsere INIK-Aktivitäten unterstützen, so dass wir den internationalen Transfer in den kommenden Jahren weiter ausbauen."

Schulze begrüßt den Wissenstransfer von der Lausitz nach Südamerika. "Warum sollen wir die Erfahrungen, die wir in der Lausitz im Umgang mit Bergbaufolgelandschaften gesammelt haben, nicht weitergeben. Länder wie Kolumbien, wo es rund 100 000 noch nicht rekultivierte Bergbauflächen gibt, können von unserem Wissen profitieren", sagt der frühere Bürgermeister von Spremberg. Dass der Botschafter persönlich in die Lausitz kommt, zeigt nach Auffassung von Schulze, wie groß das Interesse der Kolumbianer an einer Zusammenarbeit ist. "Unsere Zielstellung ist, dass sich aus dem Kontakt nach Südamerika Aufträge für Lausitzer Unternehmen entwickeln", betont der Bundestagsabgeordnete.

Die Kontakte nach Kolumbien weiten sich bereits aus. Das INIK arbeitet mit weiteren Partnern aus der Lausitz zusammen: "Karsten Feucht von ,Transform' Großrä schen wird im Mai nach Bogota reisen, um unsere Idee eines deutsch-kolumbianischen Austauschs weiter zu festigen", erklärt Lars Scharnholz. Für die kommenden Jahre seien Fachbesuche in Kolumbien und von kolumbianischen Delegationen in der Lausitz geplant.

Scharnholz ist überzeugt, dass ein Wissenstransfer sich lohnt: "Kolumbien hat einen beachtlichen kulturellen und natürlichen Reichtum. Dieser droht angesichts des Rohstoffhungers der etablierten Industrienationen gefährdet zu werden.

Eine unglaubliche Artenvielfalt ist ein großer Schatz, den Kolumbien schützen will. Dies erfordert einen verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Diesen Umgang kann man anhand der guten Beispiele, aber auch mittels der Fehler in der Lausitz weiterqualifizieren."