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Landwirte starten in die Saison

Die Landmaschinen des Atterwascher Bauern Ulrich Schulz befanden sich zur Frühjahrsbestellung im Dauereinsatz.
Die Landmaschinen des Atterwascher Bauern Ulrich Schulz befanden sich zur Frühjahrsbestellung im Dauereinsatz. FOTO: FOTO-Werner/rww1
Guben. Die meisten Landwirtschaftsbetriebe im Raum Guben sind gut in die aktuelle Saison gestartet. Nach dem milden Winter macht den Bauern nun die Trockenheit zu schaffen. Die neue Agrarförderung sorgt indes für Bürokratie. Aber auch das nötige Kapital. Bernhard Schulz

Es ist zu trocken, zu trocken, zu trocken. So beschreibt der Atterwascher Landwirt Ulrich Schulz den Zustand der Felder in den vergangenen Wochen. Sein Familienbetrieb liegt derzeit mit der Maisaussaat gut im Rennen. "Die Trockenheit zu dieser Jahreszeit ist aber blankes Gift", erklärt Schulz. Ursache für das Defizit auf den Äckern sei ihm zufolge auch die fehlende Winterfeuchtigkeit, da eine entsprechende Schneedecke ausblieb.

Der zweite milde Winter in Folge sorgt allerdings dafür, dass kaum Ertragsausfälle zu beklagen sind, bestätigt Bernd Starick. Das Vorstandsmitglied der Bauern AG Neißetal in Groß Gastrose gibt sich trotz der Trockenheit optimistisch: "Die Bestellung unserer Ackerfläche läuft planmäßig." Die Maisaussaat ist in vollem Gange und der erste Grünschnitt soll am Samstag erfolgen.

Trotz solider Startbedingungen wird die Ernte aus dem Vorjahr wohl nicht erreicht, schätzt Starick: "Ein Lausbefall hat bei der Wintergerste starke Schäden angerichtet." Die Bauern AG, die mit 2500 Hektar zu bewirtschaftender Fläche und rund 100 Mitarbeitern zu den größten Landwirtschaftsbetrieben der Region gehört, nutzt rund 50 Prozent der Ackerflächen zum Anbau von Getreide wie Weizen, Roggen und besagter Wintergerste. Rund 20 Prozent macht der Maisanbau aus.

Auf rund zwei Prozent der Felder stehen Zuckerrüben. "Nach wie vor eine unserer wichtigsten Einnahmequellen", sagt der Chef. Geregelt ist die Abnahme durch einen Vertrag mit dem größten europäischen Zuckerproduzenten, der Südzucker AG, und einer streng reglementierten Zuckerquote.

Süße Früchte wachsen momentan auch auf den Feldern von Wilhelm Aldag heran. "Wir rechnen um den 20. Mai herum mit der ersten Erdbeer-Ernte." Das ist zwar nicht so zeitig wie 2014, aber im Hinblick auf die Vegetation immer noch recht früh. Auf etwa drei Hektar bei Albertinenaue baut er das beliebte Obst an.

Zuletzt hatten allerdings Nachtfröste den in Blüte stehenden Frühpflanzen trotz Folienschutz zugesetzt. Der Großteil der Ernte sei aber gesichert, bestätigt der Obstbauer. Aldag rechnet Anfang Mai mit der ersten Ernte. Die Erdbeersaison dauert in der Regel acht Wochen. Zudem hofft er, im September das erste Mal den Holunder zu ernten, der gerade verschnitten wird. Der Wirbel um die neue Agrarförderung stört ihn hingegen wenig.

Denn bei den Förderungsrichtlinien müssen die Bauern in diesem Jahr zahlreiche Neuerungen beachten, erklärt Annette Frie dow, Sachgebietsleiterin Landwirtschaft in der Kreisverwaltung. "Wir rechnen aber trotzdem mit einer ähnlichen Förderhöhe wie im Vorjahr", sagt sie. 2014 lag die Agrarförderung im Spree-Neiße-Kreis bei knapp 18 Millionen Euro.

Mit den Geldern aus den Töpfen der EU, des Bundes und des Landes konnten 360 Landwirtschaftsbetriebe anteilig ihre Kosten decken. "Entscheidend ist in diesem Jahr die Neuverteilung der Zahlungsansprüche", betont Friedow. Damit wird die Grundlage für die Förderung der Flächen des Landwirts für die kommenden fünf Jahre neu gelegt.

Lothar Müller nennt die Agrarförderung ein "bürokratisches Monstrum". "Aber wir sind nun mal auf die EU-Gelder angewiesen", sagt der Lauschützer Landwirt. Den Hafer, Sommerroggen und Mais hat er bereits auf seinen Äckern bei Groß Drewitz eingebracht. Ende August rechnet der Familienbetrieb mit der Mais ernte. "Nun müssen wir noch gut durch die Eisheiligen kommen und etwas mehr Regen abkriegen", sagt Müller.

Der Niederschlag in der Nacht zum gestrigen Dienstag hat die Situation schon etwas entschärft. "Aber die zehn Liter Regen waren noch zu wenig", sagt Horst Hanschke, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Jänschwalde. Die Frühjahrsbestellung haben seine 23 Mitarbeiter auf rund 1700 Hektar Fläche bereits abgeschlossen - Hafer, Sommergerste und Buttererbsen ruhen in der Erde. Die Milchkühe sind noch nicht auf der Weide. Das Graswachstum sei auch für den ersten Grünschnitt noch zu mager. "Nun hoffen wir auf den angekündigten Regen in den kommenden Tagen", sagt Hanschke.

Zum Thema:
Bis zum 15. Mai müssen Landwirte ihren Antrag auf Agrarförderung bei der Kreisverwaltung einreichen.Beantragt werden muss in diesem Jahr zudem zwingend die Neuzuteilung der Zahlungsansprüche, informiert der Landesbauernverband. Mit den bereitgestellten Mitteln sind generell aber strenge Auflagen verbunden, heißt es.Ulrike Weller, Kreisbauernverbandschefin Spree-Neiße, bemängelt den hohen Bürokratieaufwand. "Aber wir sind natürlich froh, dass die Gelder fließen."