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| 01:05 Uhr

Kurz vor Weihnachten abgebrannt

Guben.. Immer wieder sind es Frauen, die mehr oder weniger unverschuldet in soziale Not geraten. Montagabend hatte der Beirat der Gubener „Wir helfen“ -Aktion gleich über zwei sehr dringende Hilfsanträge zu beraten. Die Entscheidung fiel zumindest bei einem Antrag nicht leicht. B. Remus

Doreen D. wird von Mitarbeitern zweier verschiedener Gubener Vereine betreut, zum einen als psychisch Kranke von einer Mitarbeiterin der Volkssolidarität Spree-Neiße, zum anderen als Schuldnerin von der Schuldnerberatungsstelle des Gubener DRK. Letztere reichte auch den Hilfsantrag für die junge Frau ein. Denn wenige Tage vor deren Umzug in eine kleinere und vor allem preiswertere Wohnung passierte ein Missgeschick, das alle bestehenden und funktionierenden Finanz- und Schuldenabbauplanungen über den sprichwörtlichen Haufen warf.
Normalerweise bleiben Doreen D. von ihrer Arbeitslosenhilfe, dem Kindergeld und dem Wohngeld nach Abzug aller festen Ausgaben - Miete, Strom, Kabel-TV, Platzgeld und Ratenzahlungen - noch rund 100 Euro im Monat für sich und ihre Tochter. Doch in diesem Monat änderte sich das schlagartig.
Da das Konto von Doreen D. im November gepfändet worden war, muss sie seitdem, gemeinsam mit ihrer Betreuerin, alle Zahlungen selbst durchführen. Das war auch im Dezember so. Doch als sie wenig später ihren Kontoauszug abholte, stellte sie fest, dass ihr Geldinstitut fälschlicherweise nochmals die Miete überwiesen hatte. Bemühungen der Schuldnerberatung und der RUNDSCHAU, eine Rückbuchung oder Rückzahlung des Betrages zu erreichen, schlugen fehl. Durch die doppelt gezahlten mehr als 300 Euro Miete bleiben der jungen Frau und ihrer Tochter jetzt nur noch rund 100 Euro für den ganzen Monat zum Leben. Aber um umziehen zu können, muss zum einen die Kaution beim neuen Vermieter entrichtet werden, zum anderen sind die Umzugskosten zu begleichen - ein Fehl von fast 400 Euro.
Nach teils kontroverser Diskussion - die vor allem aus dem Fehler des Geldinstitutes resultierte - einigte sich der „Wir helfen“ -Beirat auf einen Kompromiss: Doreen D. erhält die zu zahlende Kaution und das Umzugsgeld aus der „Wir helfen“ -Kasse. Doch das Umzugsgeld in Höhe von 200 Euro ist schrittweise zurückzuzahlen. Die Schuldnerberatungsstelle war mit dieser Verfahrensweise einverstanden.
Leichter fiel die Entscheidung beim Antrag des Gubener Frauenhauses. Die dort Hilfesuchende Emma E. musste in diesem Monat aufgrund massiver gesundheitlicher Probleme kurzfristig eine Kur antreten. Da es kurz zuvor in ihrer Wohnung zu einem Brand gekommen war, hatte sie nur noch wenig brauchbare Winterbekleidung. Das Sozialamt gewährte ihr aufgrund dessen ein Darlehen in Höhe von 60 Euro. 126 Euro muss Emma E. aber auch noch für die Kur zuzahlen.
Nach Abzug aller Festkosten - Miete, Energie, Schuldentilgung, Rundfunkgebühren, Telefon, Kabel-TV - bleiben ihr von ihrer Arbeitslosenhilfe pro Woche ohnehin nur noch 45 Euro.
Die Schuldentilgung bezieht sich auf frühere Miet- und Energieschulden. Durch den Wohnungsbrand entstanden ebenfalls Geldprobleme. Eine Hausratversicherung besitzt Emma E. aus finanziellen Gründen nicht. Der große Sachschaden entstand, weil sie aufgrund ärztlich verordneter Medikamente nicht rechtzeitig auf den Ausbruch des Brandes reagieren konnte.
Um eine Neuverschuldung der Gubenerin zu verhindern, bewilligte der „Wir helfen“ -Beirat die Zahlung von insgesamt 186 Euro (Kur und Rückzahlung Darlehen an das Sozialamt) aus dem „Wir helfen“ -Konto.