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| 02:36 Uhr

Kunst in Großformat

"Wasserspiele” heißt das großformatige Tafelbild, an dem Sigrid Noack aktuell arbeitet.
"Wasserspiele” heißt das großformatige Tafelbild, an dem Sigrid Noack aktuell arbeitet. FOTO: S. Halpick
Guben. Gubens bekannteste Künstlerin Sigrid Noack feiert in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag. Ans Aufhören denkt die Malerin und Grafikerin aber noch längst nicht. Inspiriert fühlt sie sich von starken Persönlichkeiten. Nicht vergessen kann sie die Zerstörung des Fischkopfbrunnens. Silke Halpick

Wasser hat für Sigrid Noack "Symbolkraft". "Wasser ist Leben", sagt sie. Es bedeutet "Kraft" und "Lebendigkeit". "Wasserspiele" ist auch der Titel des Tafelbildes, an dem die 69-Jährige aktuell arbeitet. Noch ist es nicht vollendet, noch müssen Akzente gesetzt und die "Farbigkeit ausgespielt" werden. Mit einem Stück Kohle in der Hand steht die Künstlerin vor der 1,30 mal 1,40 Meter großen Leinwand. "Die Dynamik soll bleiben", sagt Noack.

Mehr als 300 Tafelbilder, zahlreiche Grafiken, Plastiken und mehr als 50 Künstlerbücher hat die einstige Meisterschülerin von Lea Grundig und Jürgen von Woyski in ihrem Leben bereits geschaffen. "Ich habe wahnsinnig viel mit Papier gearbeitet", erzählt sie. Vor allem große Formate, die sie oft farbintensiv und in der Tradition des abstrakten Expressionismus gestaltet, liegen ihr. Bestes Beispiel dafür ist der vierteilige Sonnenzyklus, den sie im Auftrag der Stadt Guben vor zwei Jahren für den Hort der Corona-Schröter-Grundschule malte. Sigrid Noacks Sonnen haben Charakter, kommen mal beschwingt, als Januskopf, im Wasser spiegelnd oder im Nebel daher.

Für die Künstlerin, die mit ihren Arbeiten in mehr als 80 Ausstellungen weltweit vertreten ist, war der Sonnenzyklus der erste Auftrag der Stadt Guben nach dem Mauerfall. "Die Kunst hat heute keinen Stellenwert mehr", bedauert Noack. Für viele sei sie nur "Dekoration". Eine Sichtweise, die die Gubenerin keineswegs teilt. "Kunst ist anregend und setzt Kreativität frei", betont sie. Das sei wissenschaftlich belegt. Doch selbst Unternehmen und Institutionen seien immer seltener bereit, in Kunst und Künstler zu investieren, kritisiert sie.

Trotz aller "Widrigkeiten" hat Sigrid Noack ihre Berufswahl nie bereut. Ihr künstlerisches Talent wurde schon in der Schule erkannt, sie war Mitglied des Malzirkels des Chemiefaserwerkes Guben. Nach einer Buchhändlerlehre studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Sigrid Noack war Meisterschülerin an der Akademie der Künste zu Berlin. Seit 1972 ist sie freischaffend. Im November feiert sie ihren 70. Geburtstag. Doch auch als Rentnerin kommt sie "fast jeden Tag" in ihr Atelier an der Sprucker Mühle. "Ich habe gar nicht die Absicht aufzuhören", sagt sie.

Vor allem Themen, zu denen sie "selbst einen starken Bezug" hat, reizen sie. Dazu gehören starke historische Persönlichkeiten und humanistische Charaktere wie Heinrich von Kleist, Ludwig Leichhardt oder Corona Schröter. Goethes Muse hat Noack auch das Künstlerbuch "Nebelstreif" gewidmet. Inspiration holte sich die Gubenerin aber auch auf zahlreichen Studienreisen, die sie unter anderem nach Israel, Italien, Südfrankreich, Kreta oder in den Jemen führten.

Im Gubener Stadtbild präsent ist Sigrid Noack mit der Mosaik-Märchenstele vor den Lebenshilfe-Werkstätten "Hand in Hand" und mit dem Wandbild "Weltall, Erde, Mensch" in der Corona-Schröter-Schule. In der Scharrengasse in Cottbus gibt es zudem vier von ihr gestaltete Tafeln, die Handwerker und deren Zunft zeigen. Andere Kunstwerke wie das Fassadengemälde "Alles fliegt" im Lohmühlenweg in Guben gibt es heute hingegen nicht mehr. Das Wandbild wurde überstrichen, weil es stark verwittert war. Zerstört wurde auch Sigrid Noacks Fischkopfbrunnen. Das schmerzt sie nach wie vor. "Das Schlimmste, was man einem Künstler antun kann, ist sein Werk zu vernichten."

Zum Thema:
Der Fischkopfbrunnen wurde im Jahr 2011 zerstört, als der Klaus-Herrmann-Platz in Guben zugunsten eines Einkaufszentrums umgestaltet wurde. Seitdem kämpft die Künstlerin für eine Wiedergutmachung. Fördermittel für den Wiederaufbau gibt es nicht. Ob die Stadt Guben Geld im Haushalt 2017/18 zur Verfügung stellt, ist noch unklar. Der neue Haushalt wird erst am 25. Januar den Stadtverordneten vorgestellt.