ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:03 Uhr

Kultur
Guben im Fokus der Zeit

Harald Nickel (l.) hat den Film mit historischen Aufnahmen von Guben selbst zusammengestellt. Vor der ersten öffentlichen Aufführung unterhält er sich mit der Stadtverordneten Gabriele Scholz (M.).
Harald Nickel (l.) hat den Film mit historischen Aufnahmen von Guben selbst zusammengestellt. Vor der ersten öffentlichen Aufführung unterhält er sich mit der Stadtverordneten Gabriele Scholz (M.). FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Hobbysammler „verfilmt“ historische Bilder der Neißestadt und zeigt sie erstmals öffentlich. Silke Halpick

Rund 2000 Fotos mit historischen Ansichten von Guben besitzt Harald Nickel . Diese umfangreiche Sammlung hat er nun „verfilmt“. Ursprünglich wollte er damit seinen Enkeln die Neißestadt zeigen, wie er erzählt. Am Mittwoch gab es die erste öffentliche Aufführung.

Rappelvoll ist das Infozentrum des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche. Rund 30 Menschen sind gespannt auf den Film von Harald Nickel. Der 80-jährige Gubener wiegelt ab. Als Film wolle er seine Arbeit gar nicht bezeichnen, sagt er. Schwarz-Weiß-Aufnahmen, colorierte Postkarten, Ausschnitte aus Stadtplänen, aber auch eine kurze Filmsequenz werden nacheinander gezeigt. Dazu gibt es Informationen über die Entwicklung Gubens im Laufe der Jahrhunderte.

„Ich hatte überlegt, ob ich die gezeigten Bilder beschrifte“, erzählt Nickel. Das sei allerdings sehr zeitaufwändig, räumt er ein. Letztlich habe er sich dagegen entschieden, weil die älteren Gubener die Straßen und Orte noch kennen. Das stimmt. Auch im Publikum hört man immer wieder geflüsterte Namen: Kaltenborner Straße, Universum, Gubener Wolle, Gaswerk, Altsprucke.

Die 45-minütige Filmshow ist chronologisch aufgebaut. Erinnert wird an die Verleihung des Stadtrechtes im Jahr 1235 durch Heinrich den Erlauchten. Zunächst gehört die Stadt zu Sachsen, erst 1790 wird Guben preußisch. Auch die Industralisierung spielt eine Rolle: 1866 gab es 17 Tuchfabriken und 18 000 Einwohner. Die Erfindung des wetterfesten Wollfilzhutes 1854 machte Guben weltweit bekannt.

Guben war aber auch eine „Stadt der Blüten und der Gärten". 1909 brachte der erste Baumblütenzug Berliner an die Neiße. Viele Fotos von Gartenlokalen, Wanderwegen und idyllischen Stadtansichten werden gezeigt. Gäste kamen auch aus Forst, Frankfurt (Oder) oder Cottbus. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete allerdings die Baumblüten-Tradition.

Eine kurze Filmsequenz von den Kämpfen in Guben 1945 aus der damaligen Kriegswochenschau zeigt auch Harald Nickel in seiner Präsentation. Danach folgen Bilder aus der Altstadt, die zu 80 Prozent zerstört war. „Das sieht aus wie heute die Bilder aus Syrien“, sagt Monika Wachsmann vom Förderverein leise.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Guben geteilt. Von den rund 47 000 Einwohnern lebten damals rund 40 000 im östlichen Teil, der nun zu Polen gehört. Innerhalb kürzester Zeit mussten die Menschen ihre Wohnungen verlassen. Die Neiße überquerten sie auf den Überresten der gesprengten Achenbachbrücke.

In Guben herrschte Wohnungsnot. Neue Wohnhäuser wurden in den 50er-Jahren gebaut. Auch Schulen, das Filmtheater „Friedensgrenze“ oder der Stadtpark entstanden. Zahlreiche Aufnahmen belegen das. 1961 bekommt Guben den Zusatz „Wilhelm-Pieck-Stadt“, im Gedenken an den ersten Staatspräsidenten der DDR. 1985 galt das Wohnungsproblem zumindest offiziell als gelöst.

Bei den Zuschauern kommt der Film gut an, auch wenn der Hobbyhistoriker selbst einräumt, das die Arbeit „nicht wissenschaftlich“ fundiert sei. Günter Quiel lobt die Fleißarbeit. Auch andere Einrichtungen wie Altenheime haben bereits Interesse an einer Vorführung signalisiert. Eins stellt Harald Nickel jedoch sofort klar: Zu kaufen wird es seinen Film nicht geben.

Auch das Filmtheater „Friedensgrenze“, das 1956 eröffnet wurde und heute verfällt, kommt in der Präsentation vor.
Auch das Filmtheater „Friedensgrenze“, das 1956 eröffnet wurde und heute verfällt, kommt in der Präsentation vor. FOTO: Sammlung Gunia