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Luther-Jahr
Pionier, Vorbild und Ansporn

Martin Luther übersetzte das Alte und Neue Testament in den Jahren 1521 bis 1534 ins Deutsche.
Martin Luther übersetzte das Alte und Neue Testament in den Jahren 1521 bis 1534 ins Deutsche. FOTO: Peter Endig
Guben. Umfrage zeigt: Gubener sind bis heute von der Glaubenskraft Martin Luthers beeindruckt. Michéle-Cathrin Zeidler

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. In ihnen prangerte er den Ablasshandel der katholischen Kirche an und erklärte, allein durch den Glauben erreiche der Christ die Gnade Gottes. Der Thesenanschlag verkörpert den Startpunkt der Reformation, die nicht nur zur Entstehung der Evangelischen Kirche führte, sondern auch die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland stark geprägt hat. Aus diesem Grund ist der Reformationstag am Dienstag in diesem Jahr auch ein bundesweiter gesetzlicher Feiertag. Doch welche Bedeutung hat die Reformation heute noch, zum Beispiel für die Menschen in der Gubener Region?

„Das Leben und das Wirken Martin Luthers war, ist und bleibt von größter kirchenhistorischer und weltgeschichtlicher Bedeutung“, befindet Bürgermeister Fred Mahro. „Mit einem ungebrochenen Glauben wollte er die von ihm als Fehlentwicklungen wahrgenommenen Erscheinungen der Kirche seiner Zeit beseitigen. Ohne das Werk des großen Reformators Martin Luther hätte die Geschichte selbst und auch die Entwicklung unserer Stadt sicher eine ganz andere Bahn eingeschlagen.“ Dabei habe Guben sogar einen handfesten Bezug zum Erbe Luthers: „In jedem Gesangbuch in der evangelischen Kirche ist der in Groß Breesen 1598 geborene Johann Crüger verzeichnet.“ In seinen Liedern ist das Vermächtnis Martin Luthers vertont.

Monika Wachsmann vom Stadtchor Guben dankt Martin Luther für die Weichen, die er mit seiner Reformation in der Musik gestellt hat. „Nur durch ihn haben wir heute überhaupt den Kirchengesang zusammen mit der ganzen Gemeinde“, weiß sie. „Er hat ihn eingeführt.“ Vorher hat der Chor immer nur alleine auf Lateinisch gesungen. Darüber hinaus bewundert Monika Wachsmann Martin Luther für seine Stärke. „Er hat Pionierarbeit geleistet und dafür braucht es viel Mut“, so die Chorsängerin. Jeder der gedanklich weiter als andere sei, mache sich auch angreifbar.

 Da ist Günter Quiel, SPD-Stadtverordneter und Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche, ganz ihrer Meinung. „Martin Luther war nicht nur eine Person der Zeitgeschichte, er hat die Voraussetzungen für einen großen Umdenkprozess in Gang gesetzt“, sagt der Gubener. „Bereits 12 Jahre nach seinem Thesenanschlag hat sich Guben geschlossen auf dem Platz vor der Stadtkirche zur Reformation bekannt.“ Den größten Verdienst von Martin Luther sieht Günther Quiel im Beitrag für die deutsche Sprache. „Durch die Übersetzung der Bibel hat er das Wort Gottes den Menschen gebracht“, so der Politiker. „Außerdem hat er damit maßgeblich die deutsche Sprache geprägt.“ Viele Redewendungen und Gleichnisse hätten bis heute Bestand.

„Martin Luther war ein Vorreiter seiner Zeit“, erklärt auch Werner Soyke, Vereinsvorsitzender vom Bürgerverein Kaltenborn. „Obwohl ich nicht gläubig bin, finde ich es gut, dass er in diesem Jahr so viel Anerkennung bekommt.“ Der Kaltenborner findet es fantastisch, wie sehr der Reformator für seine Ansichten gekämpft hat.

Pfarrer Dschin-u Oh verdankt nicht zuletzt Martin Luther sein berufliches und persönliches Glück. „Mit der Reformation hat er es ermöglicht, dass auch Pfarrer heiraten und Kinder kriegen können“, erzählt der Gubener. Auch Martin Luther habe sich für die Ehe entschieden und die ehemalige Nonne Katharina von Bora zur Frau genommen. „Außerdem gaben seine Reformen den Anstoß dafür, dass auch meine Frau heute eine Pfarrerin sein kann“, so der Familienvater.

Außerdem bewundert Dschin-u Oh Martin Luther für seine Überzeugung. „Er konnte ja nicht wissen, dass seinen Worten viele Menschen folgen würden. Er hätte auch einfach auf dem Scheiterhaufen enden können, ohne etwas zu bewirken“, betont der Geistliche. Er wird am Dienstag den ökumenischen Gottesdienst in der Kirche des guten Hirten abhalten. „Das Lutherjahr war eine Bereicherung für unser Gemeindeleben und nun gehen die Feierlichkeiten mit einem großen Abschluss zu Ende.“