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Kunstprojekt
Der Hände Werk in Szene gesetzt

Walter Schönenbröcher (r.) erzählt in Guben die Geschichten zu den Fotografien.
Walter Schönenbröcher (r.) erzählt in Guben die Geschichten zu den Fotografien. FOTO: Silke Halpick
Guben. Alte und aussterbende Handwerksberufe hat der Cottbuser Fotograf Walter Schönenbröcher in seinem Kunstprojekt "HANDwerk" in Szene gesetzt. Zwölf seiner Fotografien sind jetzt im Stadt- und Industriemuseum in Guben ausgestellt. Silke Halpick

Die Leidenschaft, mit denen die Handwerker ihren Berufen nachgehen, fasziniert den Fotografen immer wieder. Nach seinen Fototerminen, für die er durch die ganze Welt reist, ist er meist restlos begeistert und will dann am liebsten selbst Geigenbauer oder Goldschmied werden, wie er erzählt. Anfang 2011 startete er seine zeitgeschichtliche Dokumentation über das Handwerk. Mittlerweile umfasst seine Sammlung 800 Werke und 45 Handwerksberufe.

Zu sehen sind meist nur die Hände der Menschen, die ein Tierfell gerben, als Reifendreher Tiere aus Holz drechseln oder ein Klavier zusammenbauen. Manchmal, wie beim Geigenbauer, sieht man auch das Gesicht, in dem sich die Konzentration widerspiegelt. Die Bilder werden im Tiefdruckverfahren auf edlem Büttenpapier gedruckt und sehen fast aus, als seien sie mit Bleistift gezeichnet.

Für die Gubener Ausstellung hat Schönenbröcher neun groß- und drei kleinformatige Bilder ausgesucht. Natürlich ist auch ein Hutmacher darunter. Um diesen zu fotografieren, ist Schönenbröcher extra in eine Hutmanufaktur im Allgäu gefahren. Von der großen Gubener Huttradition wusste er damals nichts, wie er einräumt.

Seit 2010 fotografiert Schönenbröcher - vor allem Personen des öffentlichen Lebens wie den Schauspieler Urs Rechn, den Sänger Alexander Knappe, den Künstler Hans Scheuerecker oder Evan Christ, Generalmusikdirektor am Cottbuser Staatstheater.

Froh, die Fotoserie auch nach Guben geholt zu haben, ist Museumschefin Heike Rochlitz. "Das war gar nicht so einfach", erzählt sie. Schönenbröchers Arbeiten waren 2016 als Wanderausstellung im Rahmen des Brandenburger Kulturjahres landesweit zu sehen. Sein Projekt wird vom Land Brandenburg unterstützt. Guben soll nun vorerst die letzte Station der langen Ausstellungsreihe sein. Ausstellungsmäßig will er "pausieren", wie der Fotograf ankündigt.

Seine Bilder ergänzen die laufende Erlebnis- und Aktionsausstellung "Handwerk - Werke der Hand" hervorragend, wie Rochlitz findet. Beide Ausstellungen sind noch bis zum 26. November im Stadt- und Industriemuseum zu sehen. Geöffnet ist die Einrichtung dienstags bis freitags von 12 bis 17 Uhr sowie am Sonntag von 14 bis 17 Uhr.