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Kultur in der Grenzregion mit eng geschnalltem Gürtel

Wenige Zuschauer und fehlendes Geld machen der Fabrik weiterhin zu schaffen. Ein breites Angebot soll Zuschauer locken.
Wenige Zuschauer und fehlendes Geld machen der Fabrik weiterhin zu schaffen. Ein breites Angebot soll Zuschauer locken. FOTO: utr1
Guben. Die Geldprobleme der Gubener Fabrik dauern bereits seit Langem an. 2017 werden die Veranstaltungen seltener. Für Fabrik-Chef Karsten Geilich aber noch lange kein Grund aufzugeben, auch wenn es besser laufen könnte. Daniel Schauff

"Spaß macht's noch", sagt Karsten Geilich. Der Chef der Gubener Fabrik kämpft auch in diesem Jahr noch für mehr Fördermittel und gegen das Ende der Veranstaltungshalle im Gubener Zentrum. Das "WerkZwei" hat er bereits Ende 2015 geschlossen, mittlerweile ist das Fabrik-Team auf fünf hauptamtliche Mitarbeiter geschrumpft - vor Kurzem waren es noch sechs. Im kommenden Jahr werden die Sparmaßnahmen im Veranstaltungszentrum noch einmal deutlich zu spüren sein. Im ersten Quartal, sagt Geilich, werde es vorerst weniger Veranstaltungen geben. Das liegt nicht nur am Geld, sondern auch am Besucheraufkommen. Besonders die großen Zugpferde, darunter auch Musiker Wolf Maahn am vergangenen Wochenende, würden nicht den erwarteten Andrang in Guben bringen, sagt Geilich. Trotzdem wolle er auf große Namen auch in Zukunft nicht verzichten. Schließlich sind die für die Werbung wichtig - auch außerhalb der Grenzen Gubens. Ohnehin, sagt Geilich, kämen immer mehr Besucher von außerhalb in die Fabrik nach Guben. Da funktioniere auch die Internet-Werbung gut. In Guben werden Plakate gehangen - rund 360 bis 370 Euro zahlt die Fabrik für 40 Plakate und sieben Tage Aushangszeit - ein Batzen Geld, wenn nicht genug Tickets verkauft werden.

Am Angebot in der Fabrik kann es kaum liegen. Seit 2005 versuchen Geilich und seine Kollegen, das Spektrum möglichst weit zu fassen. Neben Konzerten finden auch immer wieder Kabarettabende statt, am Wochenende sind Gedankenleser in Guben zu Gast, die Musikschule ist regelmäßiger Gast in der Mittelstraße, Krimidinner gehören mittlerweile auch ins Programm. "Jede Veranstaltung ist spannend", sagt Geilich. Die Fabrik passe sich damit auch dem Wandel in der Altersstruktur Gubens an - Discos und Rockkonzerte funktionierten nicht mehr so gut, sagt Geilich. Was er jedoch vermisse, sei eine Rückmeldung von den Gästen, in welche Richtung die Veranstaltungen gehen sollen. "Wir doktern machmal unwissend rum", sagt er - in der Hoffnung, den richtigen Nerv zu treffen.

Trotz Geldnot und verhaltener Resonanz der Gubener werde es die Fabrik aber auch 2017 in Guben noch geben. Seit 27 Jahren, sagt Geilich, existiert in Guben die Fabrik, ein absehbares Ende könne er sich nicht vorstellen - auch wenn eine echte Planungssicherheit fürs kommende Jahr fehle. Wie die Fördermittel-Lage dann aussehe, stehe noch nicht fest, sagt Geilich. Auch deshalb fehle der Fabrik noch die Sicherheit in der mittelfristigen Planung. Ein Antrag auf mehr Fördermittel von der Stadtverwaltung von 2015 hatte laut Geilich bislang noch keinen Erfolg. Dennoch hat die Stadt dem angeschlagenen Verein eine Sonderzahlung von gut 7000 Euro gewährt - und dafür die Haushaltssperre kurzzeitig aufgehoben, wie Kämmerer Jörg Konnetzke im Hauptausschuss berichtete.

Spaß mache die Arbeit trotz angespannter Finanzen und oft fehlender Zuschauer aber immer noch - das betont der Fabrikchef. Und er ist sicher, dass das Angebot der Fabrik wichtig ist. "Erst wenn der letzte Club geschlossen ist, werden die Leute merken, dass man Atmosphäre nicht downloaden kann", sagt Geilich.

Zum Thema:
Am kommenden Wochenende finden gleich drei Veranstaltungen in der Fabrik statt - den Anfang macht das Kabarettduo Kerstin Heine und Tim Gernitz am Freitag, 20 Uhr. Am Samstag sind die "Gedankenleser" Thomas Majka und Vincent Frommer aus Görlitz zu Gast (Beginn: 20 Uhr). Am Sonntag ab 14.30 Uhr folgt der regelmäßige "Familiensonntag" im Werk Eins und Merino-Restaurant. Daniel Schauff